Tresor-Besitzer Dimitiri Hegemann möchte Club in Detroit eröffnen

Foto von Dimitri HegemannDimitri Hegemann (Foto: Marie Staggat)

Der Besitzer des legendären Berliner Clubs Tresor Dimitri Hegemann plant, eine stillgelegte Fabrikhalle in Detroit in einen Technoclub auszubauen. Beim dem Objekt handelt es sich um eine sechsstöckige Autofabrik namens Fisher Body 21. Das Gebäude habe eine spezielle Aura, sagte Hegemann dem Wall Street Journal und fügte hinzu, dass er nach der Renovierung eigentlich nur rotes Licht und ein gutes Sound System benötige.

Detroit und Berlin verbindet seit rund 20 Jahren eine kulturelle Brücke. Denn die nordamerikanische Stadt ist die Wiege des Technos. Detroit befand sich spätestens seit den 1980er-Jahren mit der verheerenden Krise der Automobilindustrie in einem stetigen Verfall. Innerhalb kürzester Zeit war die Stadt ruiniert, die Arbeitslosigkeit sowie die Kriminalität erreichte höchste Raten und die Architektur wurde zur verwahrlosten urbanen Wüste.

Ende der 1980er-Jahre zweckentfremdeten dann einige junge Detroiter wie Derrick May, Juan Atkins, oder Eddie Fowlkes ihre Drummachines, um eine genauso düstere wie repetitive Musik zu komponieren. Dieser neue, oft melancholische und gleichzeitig radikal tanzbare Sound, der kurze Zeit später als Detroit Techno weltweit bekannt wurde, spiegelte die soziale und kulturelle Situation der Stadt perfekt wider – und bot nicht nur eine Möglichkeit zur Katharsis, sondern auch zur temporären Flucht aus dem rauen Alltagsleben.

Es war aber auch der geeignete Soundtrack für eine Generation im Aufbruch – und passte daher nur allzu gut in das anarchische Berlin der Nachwendezeit, das mit seinen riesigen Brachflächen und Ruinen architektonisch an Detroit erinnerte. Doch während sich Detroit im Niedergang befand, blüte Berlin als Zentrum der internationalen Clubkultur auf, nicht ohne den musikalischen Import aus Detroit.

Mit dem Projekt möchte Dimitri Hegemann der nordamerikanischen Stadt das zurückzahlen, was Berlin ihr „schuldet“. Während er dabei von der Chefin der Detroiter Stadtbehörde Raquel Castañeda-López, die im Frühjahr den Tresor persönlich besuchte, unterstützt wird, sind einige Detroiter skeptisch. Denn obwohl das Berlin der 90er-Jahre einige Parallelen zum heutigen Detroit aufweist, seien die Unterschiede noch größer, sagte der Architekt Ed Siegel der Zeitung Detroit Free Press. Die Stadt sei inzwischen fast bankrott und das größte Problem sei soziokultureller Natur. „Wir haben kein Jetset-Publikum, das über das Wochenende zu uns kommt“, so Siegel. Doch Hegemanns Enthusiamus ist ungebrochen. Im November trifft er sich mit Dan Gilbert, dem Gründer von Quicken Loans. Ihm, so sagte er der Detroit Free Press, würde er erklären, warum Berlin heute so hip sei.

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