Tu Fawning – "A Monument"

VÖ: 04.05.2012
Web: www.tufawning.com
Label: City Slang

Die Band Tu Fawning aus Portland hat eine durchaus signifikante Wandlung genommen, wenngleich diese erst nach mehrmaligem Hören beider Alben so richtig deutlich wird. Bestach der 2011 erschienene Erstling „Hearts On Hold“ mit tieftraurigen, tonnenschweren Songs, so scheint die vier Bandmitglieder bei der Entwicklung des Nachfolgers eine richtiggehende Leichtigkeit befallen zu haben. „A Monument“ strotzt vor aufregenden Synthesizern und einer Melodie-Verliebtheit, die Tu Fawning, bisher, schwerlich zuzutrauen war. Wer die Band um Sängerin Corrina Repp und Songwriter Joe Haege ein wenig kennt, wird ahnen, dass das neueste Werk nun aber keine leichte und nett zu hörende Pop-Platte ist. Mitnichten! Vielmehr belegen die vier Multiinstrumentalisten erneut ihr unglaubliches Gespür und Talent, diffizile Songs zu bauen, die so viel Tiefe besitzen, dass sich Stimmungen mit Händen greifen lassen. Die scheinbar neu entdeckte Neigung zu überbordenden Melodien verleiht „A Monument“ eine melancholische Leichtigkeit, die sich, gepaart mit Bläsern, Streichern und reichlich Einflüssen aus der afrikanischen Tribal-Musik, zu einem Gesamtwerk zusammensetzen, das sich abhebt von all dem, was in der letzten Zeit so erschienen ist.

Diese umfangreichen Einflüsse kommen nicht von ungefähr, sind die vier Bandmitglieder musikalisch doch völlig verschieden sozialisiert. Songwriter Joe Haege, seines Zeichen Frontman der ambitionierten Math-Rock-Formation 31Knots, gründete 2007 zusammen mit seiner Freundin Corrina Repp, die eigentlich eine klassische Vertreterin des Folk ist, Tu Fawning. Ein Jahr später komplettierten Toussaint Perrault und Liza Rietz das Quartett. Er entstammt der Reggae-Szene, während Rietz sich als Streicherin in einem Weltmusik-Projekt verdient gemacht hat. All diese Einflüsse (und noch einige mehr) werden bei Tu Fawning zusammengebracht und genau das macht die Genialität des Projektes aus. Corrina Repp hat dann auch für die eingangs erörterte Problematik eine Lösung und kategorisiert den eigenen Sound, augenzwinkernd, als „Antique-Dance-Tribal-Gospel“.

Eröffnet wird „A Monumet“ mit dem zauberhaften „Anchor“, das auch gleichzeitig die erste Singleauskopplung ist. Eingeleitet durch Trommeln, entfaltet sich eine hypnotisch anmutende Melodie, die zusammen mit dem zarten, geisterhaften Chorus und Repps wundervoll verschrobener Stimme ziemlich klar macht, was uns die nächste Dreiviertelstunde erwartet. Weiter geht’s mit dem treibenden, souligen „Blood Stains“, simple Drums, dynamische Synthesizer, Halleffekte auf den Backingvocals und eine Corrina Repp, deren Stimme ganz plötzlich einen sehr erdigen, rauchigen Touch hat. Treibende Beats gibt es dann auch bei dem scheinbar Bollywood-inspirierten „Build A Great Cliff“. Die indisch anmutende Hegemonie, unterstützt durch Bläser und Trommeln, wird gen Mitte des Songs von einem Gitarren-Solo zerrissen, und konstituiert sich dann wieder ganz neu; am Ende überschlagen sich die instrumentalen Ereignisse und lassen uns herrlich verwirrt zurück. Beim zarten und geisterhaften „To Break Into“ harmonieren dann Repps und Haeges Stimmen sogar zusammen, ein waschechtes Duett also. Unterlegt von zurückhaltenden Gitarren-Riffs, entrückten, unsagbar leichten Synthesizern und einer Trompete, die so wehmütig klingt, dass sie problemlos von einer Calexico-Aufnahme stammen könnte.

„A Monument“ ist ein komplexes Album, Tu Fawning fordern etwas von ihren Hörern und liefern keine leichtgängige oder gar kurzweilige Platte ab. Das neueste Werk des in Portland ansässigen Quartetts fordert etwas Zeit und viel Aufmerksamkeit, doch diese Investition lohnt sich! Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn dieses grandios-phantasievolle Meisterwerk gen Ende des Jahres nicht einen exponierten Platz in den „Best-of-2012“-Listen der einschlägigen Musikblätter erringen kann. An dieser Stelle eine dringende Kaufempfehlung, auch bezüglich Tickets für die bevorstehende Tour im Mai!

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.

Jeden Tag von Montag bis Freitag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Nachmittag von Montag bis Samstag zwischen 15 und 17 Uhr und im ByteFM Magazin am Abend, montags bis freitags ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.

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