Twin Peaks – „Lookout Low“ (Rezension)

Cover des Albums „Lookout Low“ von Twin Peaks

Twin Peaks – „Lookout Low“ (Communion Records)

6,5

Twin Peaks – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Fernsehserie von David Lynch – sind fünf Jungs aus Chicago, die bereits seit ihrer Schulzeit gemeinsam Musik machen. Ihr Debüt „Sunken“ klang dementsprechend auch noch so unbekümmert und roh, wie man es von einer Schülerband nun mal erwarten würde. Nun findet sich auf dem neuen Album „Lookout Low“ mit „Sunken II“ ein Song, der an die Anfänge erinnern soll und auf eindrückliche Weise die Entwicklung einer Band aufzeichnet, die zwischen Indie-Rock und 60er-Jahre-Garage ihre Nische gefunden zu haben scheint.

Seine Vorbilder trägt das Quintett dabei stets auf der Zunge, namentlich The Rolling Stones, The Kinks, The Who und die anderen üblichen Verdächtigen mit Bezügen zur Mod-Kultur und British Invasion der 60er-Jahre, allen voran natürlich die Beatles, deren unverkennbare Arrangements aus Tracks wie „Ferry Song“ förmlich herauszuspringen scheinen. Insofern ist es vielleicht auch kein Zufall, dass sich mit Ethan Jones ein ehemaliger Produzent Paul McCartneys für das Klangbild von „Lookout Low“ verantwortlich zeigt.

Eine Schülerband wird erwachsen

Trotz all dieser klar erkennbaren Referenzen gelingt Twin Peaks das Kunststück, ihre Huldigung nicht zu einer bloßen Replik verkommen zu lassen, sondern geschickt in den eigenen Stil zu integrieren. So swingt „Under A Smile“ leichtfüßig vor sich hin, während „Unfamiliar Sun“ mit akustischem Low-Key-Charme überzeugt und vereinzelte Bläser dem bereits erwähnten „Ferry Song“ zu ungemeiner Wärme verhelfen. „Dance Through It“, die erste Single, beginnt ebenfalls vielversprechend in Form einer angefunkten Bassline, kann sich aber im weiteren Verlauf nicht so recht entscheiden, ob es nun eigentlich Loungemusik oder tanzbarer Jam sein möchte. Auch die Hey-Hey-Rufe aus dem Background helfen da wenig – der Song kann seine Morgen-Schläfrigkeit nicht ablegen.

Twin Peaks sind auf „Lookout Low“ immer dann am besten, wenn sie sich auf ihre Stärken besinnen und ihre entspannte Verspieltheit mit der unverkennbaren Energie ihrer Vorbilder aus den 60ern kombinieren. Mit knarzigem Garage-Rock hat das zwar alles nur noch wenig zu tun, muss es aber auch gar nicht. Die Chicagoer sind den „Sunken“-Zeiten längst entstiegen. Ihre neue Reife steht ihnen gut zu Gesicht.

Veröffentlichung: 13. September 2019
Label: Communion Records

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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