Unprätentiöse Tempowechsel, Boote und Breitcord: Tennis

Die Band Tennis, deren Song „Need Your Love“ heute unser Track des Tages ist.

Tennis

Unprätentiöse Tempowechsel prägen den Sound der Single „Need Your Love“, die Tennis ihrem im Februar erscheinenden Album „Swimmer“ vorausschicken. Das verheiratete Duo aus dem US-amerikanischen Denver umschifft jegliche Prog-Rock-Untiefen, wenn es Zählzeiten verdoppelt oder am Metronom dreht. Das würde zwar gut ins Bild passen, vergegenwärtigt man sich, dass Alaina Moore und Patrick Riley auf ihrem ersten Album „Cape Dory“ (2011) eine dreimonatige Bootsreise verarbeiteten, in deren Anschluss Moore Juristin werden wollte. Man könnte also „Musik für Leute, die ein bisschen Geld übrig haben“ vermuten. Auch ohne Standesdünkel wie bei Sleaford Mods, die diesen Vorwurf einst Kate Bush an den Kopf warfen.

Doch wer Tennis kennt, weiß, dass alles anders kam. Nicht nur schlugen sie eine Indie-Band-Karriere ein, sie klangen bei allen maritimen Bezügen auch nie nach Yacht-Romantik, sondern entwarfen ihre eigene Version von elegantem 1970er-Pop. Todd Rundgren hatte ähnliche Akkorde, man könnte auch an The Doobie Brothers oder Carole King denken. Aber eben nicht gerade nicht im fetten Studio aufgenommen, sondern in der sprichwörtlichen Garage. Unprätentiöse Tempowechsel in melodieverliebt-minimalistischen Arrangements mit verzerrtem Schlagzeug. Neben einem famosen Song hält das Video auch noch den Beweis bereit, dass Breitcord-Einteiler in GemeinschaftkundelehrerInnen-Grün die coolste Sache der Welt sein können.

Tennis‘ Album „Swimmer“ erscheint am 14. Februar 2020 auf dem Label Mutually Detrimental. Die Single „Need Your Love“ ist heute unser Track des Tages. Hört und seht sie Euch hier an:

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