Vampire Weekend im Astra


Trotz strömenden Regens und Temperaturen, die langsam erahnen lassen, was der nächste Winter in Berlin bringen wird, ließen sich Vampire Weekend am vergangenen Donnerstagabend die gute Laune nicht verderben. Im ausverkauften Astra-Kulturhaus legten die New Yorker einen äußerst unterhaltsamen Auftritt auf die Bühne und sorgten beim Publikum für verschwitzte, strahlende Gesichter.
Nachdem die südkalifornischen Jenny & Johnny eine ganze Stunde lang ihre Variante eines Surf-Pops gespielt hatten, der leider nur mit ein paar wenigen treibend-harmonischen Momenten aufwarten konnte, stürmten die ersehnten jungen Männer die Bühne. Begleitet von einem Ludacris-Autotune-Stück („…is in tha beeowldang!“) und zur Hälfte mit Basketball-Oberteilen bekleidet versetzten sie ihr junges Indie-Publikum zunächst in Staunen über so viel vermeintliche Geschmacklosigkeit. Dieser Witz wäre womöglich bei einem angelsächsischen, dem Dirrrty South Rap ironisch und unverkrampfter gegenüberstehendem Publikum besser gelandet. Sei’s drum, das erwartbare „Holiday“ sorgte für die gewünschte allgemeine Erheiterung und für erste Bewegung auf und vor der Bühne.
Die folgenden 75 Minuten waren eine gut abgestimmte Mischung aus den beiden vergangenen Alben der vier College-Jungs. Angesichts der Tatsache, dass die letzte Veröffentlichung schon zehn Monate zurückliegt, kann hier wohl nur von alten und weniger alten Stücken die Rede sein. Diese jedoch haben trotz massiven Airplays auf allen Stationen und des wohl größten Hypes des Jahres 2008 nicht an ihrer Strahlkraft verloren. Die so charakteristische Fusion aus Streichern, Synthieklängen, viel Bass, treibenden Rhythmen und natürlich mit der allseits diskutierten Prise Afrobeats – sie wurde wie von der Platte gespielt.
Vampire Weekend sorgten insgesamt für wenige Überraschungen, improvisierten nur an wenigen Stellen. Da, wo ihnen dies gelang, wurden sie jedoch zu Recht euphorisch gefeiert. Zum Beispiel bei „Giving Up the Gun“, dem besten Stück des Abends. Hier wurden die Frauen-Vocals zum Schluss schlicht durch leichte Gitarrenriffs ersetzt. Leichtigkeit ist auch ein gutes Stichwort, um das Auftreten der studentisch anmutenden Musiker zu beschreiben. Der 26-jährige Ezra Koenig wirkte bei seinen Gesangs- und Gitarreneinlagen agil, Drummer Chris Tomson so ausgelassen, wie es sich für einen Punktrommler gehört. Bei „Blake’s Got“ a New Face und „Horchata“ wurde das Publikum aufgefordert, mitzusingen. Das karibische „Diplomat’s Son“ ließ den besagten Novemberregen draußen vor der Tür vergessen, spätestens bei A-Punk pogten die Kids ausnahmslos.
Texte über die neuenglische Küste und Peter Gabriel singend nehmen sich Vampire Weekend alles andere als ernst, büßen auf diese Weise (und mit ein paar obligatorischen Komplimenten an Berlin) nichts von der ihnen entgegengebrachten Sympathie ein. Nach drei Liedern als Zugabe und gut bemessenen 75 Minuten verabschieden sie sich dann. Dem grinsenden Konzertbesucher klingt „Walcott“ auch noch in der U-Bahn für den gesamten Heimweg im Ohr nach.

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Diskussionen

0 Kommentare
  1. posted by
    Robert84
    Nov 21, 2011 Reply

    Diese Vampire Weekend hat richtig gerockt! Ich fande Ezra König sehr toll, und die Tickets waren nicht zu teuer. Die Perfekte Wochenende.

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