Various Artists – „Berlin Songs Vol. 4“ (Rezension)

Cover der Compilation Berlin Songs Vol. 4Various Artists – „Berlin Songs Vol. 4“

7,5

Google Maps ist eine Möglichkeit, sich unbekannte Städte zu erschließen. Oder man liest Lokal-Blogs, oder sogar Reiseführer. Etwas aufregender ist der Zugang über Romane und Musik. Lieder über Großstädte – seit bestimmt 100 Jahren ein beliebtes Genre. Urbanen Phänomenen gewidmete Songs befeuern die Neugier ein bisschen mehr als ein Yelp-Review, wie folgendes, nicht repräsentatives Beispiel zeigt:

„On Canal Street in April when it’s 60 and the snow is melting fast / It’s still shady in the morning when you’re laughing in your t-shirt running past / In Tompkins Square Park a couple is meeting / Say what you want, but I feel my heart beating / Because I love springtime in New York, springtime in New York, I do.“
vs.
„The park gets hero-level status for being responsible for gathering all of NY’s costumed canines together once a year for Halloween. That alone is 5-star worthy.“

Aber wir sind hier ja gar nicht in New York, sondern in Berlin. Und das Konzertkollektiv Four Track On Stage hat einen neuen „Berlin-Songs“-Sampler herausgebracht. Four Track On Stage organisiert seit über zehn Jahren Konzerte und Partys in Berlin, seit 2009 auch das Down By The River Festival. Bei den Veranstaltungen trifft sich die ganze Community, Lokalgrößen, Freundinnen und Sympathisanten. Das musikalische Abbild so eines Abends sind die „Berlin Songs“.

Sampler Nummer vier versammelt Musikerinnen und Musikern, die in Berlin leben oder die dort oft zu Gast sind. Der Fokus liegt auf Folk, Anti-Folk- und Indie-Pop, aber im Spektrum der 25 Beiträge gibt es einiges mehr zu hören. Einige „Berlin-Songs“-Dauerbrenner sind am Start: The Burning Hell mit „Barcade Song“ – euphorischem Spoken-Word-Pop, Chuckamuck mit dem rotzigen Blues „Der Laden an der Ecke“, Phoebe Kreutz mit rasantem, bläsergespicktem Folk in Form von „Everybody Likes“. Und ein Duett von Freschard und Stanley Brinks (vor vielen Jahren der zweite Düne in Herman Düne) fehlt auch nicht. Dazwischen lässt Ätherisches, Psychedelisches und Kratzig-Jangliges aufhören, zum Beispiel von Fenster, Allie und Frozy.

Einen besseren Abschluss als Christiane Rösingers „Berlin“-Hymne hätte der Sampler nicht finden können: „Wenn die Fahrradfahrer uns vom Bordstein fegen / Die Verrückten in der U-Bahn wieder laut mit sich selber reden / Wenn die Stresser-Cliquen dann ihr Zeug verticken / Ja, dann sind wir wieder in Berlin“. Das Raue und Rotzige lässt sich schwer von Berlin trennen, egal wie viele smarte Residences in Toplage entstehen. Ohne das gäbe es die meisten Lieder über die Stadt nicht. Ein charmanter Querschnitt davon sind die „Berlin Songs Vol. 4“.

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