Von Mersey Beat bis Gospel-Folk: George Harrison in sechs Songs

George Harrison wäre 75 geworden

Der ewig unterschätzte Beatle George Harrison wäre am 25. Februar 75 Jahre alt geworden (Foto: Universal Music)

Der „dritte“ Beatle, der „stille“ Beatle – schon seine Spitznamen machten klar: George Harrison wurde gerne unterschätzt. Am 25. Februar wäre der britische Songwriter, Gitarrist und Sänger 75 Jahre alt geworden – ein guter Anlass, den vielgesichtigen Künstler in sechs Songs zu porträtieren.

Der Anfänger: „Don‘t Bother Me“ (1963/64)

Im August 1963 schrieb ein an Grippe erkrankter Harrison in einem Hotelbett seinen ersten Song – einfach nur um zu beweisen, dass er das auch konnte. „Dont‘ Bother Me“, das auf den Alben „With The Beatles“ und „Meet The Beatles“ erschien, ist ein skizzenhaftes Stück in der Tradition des frühen Mersey-Beats, mit dem die Band Anfang der 1960er-Jahre ihren Durchbruch feierte. Mit seinem deutlich dunklerem Timbre setzte er sich schon hier klar von seinen Songwriting-Kollegen Paul McCartney und John Lennon ab.

Der Exot: „Within You Without You“ (1967)

„Within You Without You“ war nicht das erste Sitar-Experiment von George Harrison. Der vom bengalisch-indischen Virtuosen Ravi Shankar ausgebildete Künstler versuchte sich bereits auf dem 1966er Album „Revolver“ mit dem Song „Love You To“ an der Fusion von Raga und Pop. Doch erst im Kontext der ohnehin sehr experimentellen LP „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ ging das Experiment auf. Mit „Within You Without You“ vereinte er mühelos die beiden musikalischen Welten.

Der Avantgardist: „Under The Mersey Wall“ (1968)

Im Vergleich zu McCartney, Lennon und Ringo Starr begann Harrisons Solo-Karriere bereits sehr früh. So entstand beispielsweise zeitgleich mit dem Beatles-Opus-Magnum „Abbey Road“ seine Solo-Kuriosität „Electronic Sounds“: Eine abstrakte, über 40 Minuten lange Moog-Synthesizer-Improvisation. Diese ist in ihrer Verkopftheit zwar schwer bis kaum erträglich, demonstriert aber ganz vorzüglich die künstlerische Furchtlosigkeit von George Harrison.

Der Beatle: „Something“ (1969)

„Something“ ist nach „Yesterday“ das meistgecoverte Stück der Beatles. Viele der wichtigsten Künstler der Pop-Musik zollten dem Song Tribut, von Elvis Presley über Frank Sinatra bis zu James Brown. Liebeslied-Profi Elton John nannte es einst das beste Liebeslied aller Zeiten. McCartney und Lennon belächelten oft die Texte und Songs ihres Bandkollegen – spätestens hier konnten sie ahnen, dass er sie beide übertrumpfen kann.

Der Solo-Künstler: „Wah Wah“ (1970)

Nur einen Monat nach dem Ende seiner Band ging Harrison ins Studio, um sein erstes richtiges Soloalbum aufzunehmen. Das Ergebnis wurde die Triple-LP „All Things Must Pass“. Mit Songs wie dem Gospel-Folk-Hit „My Sweet Lord“ und der überwältigenden Wall-Of-Sound „Wah Wah“ zementierte er seinen Status als eigenständiger Künstler. „All Things Must Pass“ ist das homogenste, komplexeste und vielleicht beste Beatles-Soloalbum – spätestens als Solo-Künstler hatte Harrison seine Kollegen überholt.

Der Gitarrist: „How Do You Sleep“ (1971)

Neben seinen Songwriting-Künsten, seinen Indian-Fusion-Experimenten und seinen Synthesizer-Schwurbeleien war George Harrison vor allem eins: ein wirklich sehr guter Lead-Gitarrist. Das beste Beispiel: Harrisons aggressives Slide-Gitarren-Solo, das John Lennons Paul-McCartney-Disstrack „How Do You Sleep“ seinen kathartischen Höhepunkt beschert. Hätte Clapton auch nicht besser machen können.

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