Voodoo Jürgens – „Ansa Woar“ (Rezension)

Cover des Albums Ansa Woar von Voodoo JürgensVoodoo Jürgens – „Ansa Woar“ (Lotterlabel)

Veröffentlichung: 30. September 2016
Web: voodoojuergens.com
Label: Lotterlabel

7,0

Folgende Idee: Statt klassischer Rezension mit Einleitung, Einordnung und ein paar schmissigen Wie-Wörtern zum Schluss einfach die 100 am charmantesten klingenden Worte aufzählen, die Voodoo Jürgens auf „Ansa Woar“ (heißt „Einser Ware“) hernuschelt und krakeelt. Es wäre dem sprachlichen Wiener Gassen-Panoptikum, das der Musiker auf seinem Debüt beschwört, angemessen.

Die ByteFM-Redaktion gibt sich mit diesem Ansatz leider nicht zufrieden, na gut. Mehr Mühe, also. Hat sich der Voodoo mit seinen zwölf Songs schließlich auch gegeben. Bestens mit Glam und Performance vertraut – seit über einem Jahrzehnt spielt David Obenaus bei der kostümaffinen Band Die Eternias – erweckte er Anfang 2015 Voodoo Jürgens zum Leben. Und dessen Spezialität ist das Leben in Wien, am Boden und drunter.

Feuchte und laute Keller, anonyme, tanzende Massen und restdruffe Heimwege am Nachmittag sind Stichwörter, wenn es um die Mystifizierung Berliner Nachtlebens geht. In Wien sieht das Vokabular anders aus: Mit Tschick und Krügerl arbeitet man sich im verqualmten Beisl durchs Zache, Arge und Liabe, bis man irgendwann fett ist (das heißt betrunken). Liest sich an dieser Stelle vielleicht steril, aber klar: Voodoo Jürgens hat natürlich den richtigen Akzent, mit einem großen Stück Pathos und – für ans trockene Hochdeutsch gewöhnte Ohren – Charme in der Stimme, wenn er von der schönen Gitti, Boxer Hansi und den „Strossn“ singt.

Alimente und verletzter Stolz, besoffene Gespräche und rauschige Abende sind so die Themen der Geschichten, die Voodoo in seinen Liedern erzählt. Gerahmt wird das Ganze von einem dem Stoff angemessenen Wanken, Aufbrausen und Schaukeln – von Folkgitarre und Heimorgel in Melodien manifestiert, die sich zwischen Rock ’n’ Roll, Chamber Pop und – neues Genre, aufgepasst! – melancholischer Trinkballade ergeben. Mal schmutzig und krachig, mal schunkelig schön.

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