Wise Blood

Chillwave, Glo-Fi, wie man es auch nennt, es gibt ein neues Musikgenre. Und ähnlich wie bei New Rave im Jahr 2006 verhält es sich auch diesmal: Die Künstler, die dazugezählt werden, empfinden sich überhaupt nicht als Teil einer Szene.
Ob nun Chillwave oder nicht, es gibt einen Sound, der momentan die Blogs dieser Welt dominiert: Viel Hall, wabernde Soundschichten, 80er-Synthies, 60er-Psychedelica und vertäumte Melodien. Der introvertierte Gegenentwurf zum New Rave, wenn man so will.

Die Liste der Künstler, die diesen Sound bedienen, ist lang. Washed Out aus Georgia, Toro Y Moi aus South Carolina, Wild Nothing aus Virginia, Neon Indian aus Texas oder Summer Camp aus London – sie alle verbindet keine Lokalität, sondern eine Soundästhetik. Es sind DIY-Projekte, hauptsächlich am Laptop entstanden und über Blogs verbreitet.

Zwischen all den Künstlern, die in den Chillwave-Hut gesteckt werden, sticht einer allerdings ganz besonders heraus: Wise Blood. Während die oben genannten Bands ihre Wurzeln irgendwo im Synthiepop der 80er haben, ist Wise Blood im Soul zu Hause.

„I want to sign a big contract and take over pop music.“ Ambitioniert ist Chris Laufman alias Wise Blood jedenfalls. Kein Wunder, schließlich macht der Musiker aus Houston „Future Music“, wie er es selbst nennt.
Diese „Future Music“ kommt allerdings, wie sollte das auch anders sein, größtenteils aus der Vergangenheit.

HANNAH MOTOWN

Laufmans Songs bestehen (abgesehen vom seinem Gesang) vollständig aus Samples, aus unzähligen Soundschnipseln unterschiedlichster Songs. Aus welchen Songs genau lässt sich meistens nur schwer sagen. Manchmal meint man, dort einen Beat von Tupac zu erkennen, da einen Gitarrenlauf der Beatles, aber so ganz sicher ist man sich nie. Und trotz dieser collagenhaften Arbeit sind die Songs von Wise Blood purer, leicht noisiger Pop aus einem Guss.
„I will use one sample or rhythm that I hear and everything will be crafted around that. I listen to something and say, ‚There is a song in that.‘ I build around it. I add to it to flesh out the melody“, sagt der mittlerweile in Pittsburgh lebende Chris Laufman im Interview mit dem Pittsburgh Music Report über die Arbeit an seinen Songs.

LOVE CHILD

Einige legen Chris Laufman diese Arbeit mit Fremdmaterial vielleicht als Einfallslosigkeit aus. Sogar den Namen „Wise Blood“ hat er sich vom Titel eines Romans von Flannery O’Connor geliehen.
Aber wenn Laufman zum Beispiel im Song B.I.G. E.G.O. aus dem Beat von Led Zeppelins When The Leeve Breaks einen geschmeidigen R’n’B Song mit Falsetto-Gesang macht, dann ist das schon beeindruckend. Und eher das Werk eines originellen Künstlers als eines billigen Kopistens.

Am 22.11. wird die Single Solo 4 Claire / Rot My Brain Away veröffentlicht. Vorbestellen könnt Ihr sie Euch hier.
Die EP „+“ könnt Ihr Euch unter http://hazemotes.bandcamp.com/ herunterladen. Haze Motes? Chris Laufman leiht sich nun mal gerne Dinge von anderen.

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  • Vielleicht „New-R&B“.
    Ist es endlich so weit? Kommt sie durch, die 90er-Jahre-Musiksozialisation? Man könnte den Eindruck bekommen, wenn man sich momentan durch die Musikblogs dieser Welt klickt. Denn was bis vor kurzem noch undenkbar war, scheint Realität: Indie und R&B lieben sich. ByteFM Redakteur Mike Herbstreuth hat ein paar hörenswerte Vertreter des vielleicht "New-R&B" genannten Genres für Euch zusammengetragen....


Diskussionen

0 Kommentare
  1. posted by
    Rave News
    Nov 16, 2010 Reply

    News aus der Rave-Kultur…

    Wise Blood : ByteFM Magazin…

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