Neue Platten: Zola Jesus – „Conatus“

(Souterrain Transmissions)

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Nika Roza Danilova ist Zola Jesus. Die Sängerin mit Opernausbildung aus Madison, Wisconsin, veröffentlichte nach einigen EPs im Jahr 2010 ihr Debüt „Stridulum II“, machte sich mit ihrem Nebenprojekt Nika & Rory einen Namen und hat auf mehreren Songs der Band Former Ghosts mitgewirkt, der Kollaboration von Freddy Ruppert und Xiu-Xiu-Frontmann Jamie Stewart.

Was Danilovas wuchs in den Wäldern von Wisconsin auf, einem Staat mit unendlich weiten Feldern und der doppelten Größe, aber nicht mal der Hälfte der Einwohner Bayerns. Sie hätte kaum Zeit mit jemand anderem als ihrem Bruder verbracht, Internet und Fernsehen hätte es bei ihnen nicht gegeben, und das Abendessen wurde selbst geschossen und geschlachtet – überall im Haus seien Tierteile herumgelegen, erinnert sich Danilova.
Weite, Isolation und Tod meint man auch in den Songs von Zola Jesus zu hören. Ihre Musik, angetrieben von Danilovas unglaublich kraftvollen Stimme, ist düster, kühl, unheimlich und manchmal unangenehm, aber unter der Goth-Decke verstecken sich meist sehr eingängige Melodien.

Warum Zola Jesus‘ zweites Album „Conatus“ ist eine weiterer kleiner Schritt in Richtung Pop und geht somit den Weg weiter, den sie schon auf ihrem ersten Album einschlug, auf dem der Noise im Gegensatz zu ihren EPs schon stark reduziert wurde. Aber nicht nur weniger noiseig ist das Ganze, auch die ewige Verdammnis ist nicht mehr in jedem Song so deutlich zu spüren. Aber keine Sorge, die Morbidität ist geblieben. In „Seekir“ wird der eine oder andere Geist beschworen, und auch Titel wie „Lick The Palm Of The Burning Handshake“ oder „Hikikomori“, das japanischen Wort für Menschen, die sich vollständig aus der Gesellschaft zurückziehen, zeigen, dass sich Nika Roza Danilova immer noch auf der dunklen Seite befindet. Und dort treibt wie schon auf „Stridulum II“ ein recht ungesunder Herzschlag konsequent voran und im Hintergrund flüstern auch diesmal die Industrial-Elemente, nur wirkt die Musik auf „Conatus“ noch ein Stück epischer als auf dem Vorgänger: die Drums sind breiter, die Räume größer und Streicher (was epischen Klang angeht ja immer eine ganz gute Wahl) verleihen den Songs hier und da einen leicht orchestralen Touch. Und das Herz, es pumpt nicht immer wie verrückt. Bei der glasklaren Ballade „Skin“ oder dem ruhigeren „Collapse“ füllt Danilova die Zwischenräume mit atmosphärischen Klängen oder übersteuerten Synthies, was den Songs noch zusätzliche Meldodramatik verleiht (als hätten sie es nötig). Selten wurde Leiden so kraftvoll und tanzbar präsentiert.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Presseschau 29.09.: Ausgerockt. : ByteFM Magazin
    Sep 29, 2011 Reply

    […] Andreas Busche von der taz hat sich das neue Album “Conatus” von Zola Jesus, bürgerlich Nika Roza Danilova, genauer angeschaut. Dabei gebraucht er den Begriff “Hypnagogic Pop” und bezieht sich dabei auf den britischen Musikjournalisten David Keenan. Der benutzte 2009 den Begriff als “Beschreibung für ein loses Netzwerk von US-LoFi/Noise-Musikern mit einer starken Affinität für die ästhetischen und kulturellen Paradigmen der achtziger Jahre”. Inwiefern Zola Jesus Teil dieser Pop-Bewegung ist, erfahrt Ihrin der taz. Unsere Rezension des Albums könnt Ihr hier nachlesen. […]

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