Zum 100. Geburtstag von Thelonious Monk

Foto von Thelonious MonkEr war der große Querdenker des Jazz: Thelonious Monk. Heute wäre er 100. Jahre alt geworden. (Foto: William P. Gottlieb)

Ein Moment, der die Person Thelonious Monk sehr passend zusammenfasst, findet sich in Charlotte Zerwins Dokumentation „Thelonious Monk: Straight, No Chaser“: Der US-amerikanische Jazz-Pianist verließ während eines Saxophon-Solos sein Piano, um sich am Bühnenrand im Takt zur Musik gedankenverloren im Kreis zu drehen. Monks Augen starrten in den Äther, seine Band spielte unbeirrt weiter. Und nachdem Charlie Rouse sein Solo beendete sprang er wieder ans Piano und spielte – ohne eine Note zu verpassen – sein eigenes virtuoses Solo. Thelonious Monk – der große Querdenker des Jazz – wäre heute 100 Jahre alt geworden.

Thelonious Sphere Monk wurde am 10. Oktober 1917 in Rocky Mount, North Carolina, geboren. Nachdem seine Familie im Jahr 1922 nach Manhattan zog, tastete sich der junge Autodidakt langsam an das Piano heran. Nach einigen Jobs als Kirchen-Organist fing er in den 40er-Jahren an, als Haus-Pianist im Minton‘s Playhouse zu arbeiten. Der New Yorker Nachtclub wurde zu einer Keimzelle des Bebop: Monk und seine Kollegen Charlie Parker, Dizzy Gillespie und Kenny Clarke schufen das Genre in ausufernden Jam-Sessions – mit kaskadenhaften Tonleiter-Läufen und blitzschnellen Tempi.

Als in den folgenden Jahren Bepop zum Post-Bop wurde, arbeitete auch Monk seine innovative, sehr perkussive Spieltechnik weiter in Richtung Avantgarde aus – und fing an zu komponieren. Seinen technischen Höhepunkt erreichte er auf dem Album „Brilliant Corners“: Der Titelsong war mit seinen komplizierten Taktwechseln so vertrackt, dass sogar der große Schlagzeuger Max Roach ins Wanken geriet. Das, was man heutzutage Mathcore nennen würde, schuf Monk bereits im Jahr 1956. Andere Kompositionen von ihm wie „Round Midnight“ und „Ruby, My Dear“ wurden zu Standards, die fest ins Repertoire von Miles Davis, John Coltrane und anderen Genre-Größen gehörten.

Monk wurde Zeit seines Lebens oft von manischen Episoden geplagt: Manchmal schlief er während des Auftritts auf dem Klavier ein, manchmal verließ er einfach den Saal, oder tanzte – wie bereits erwähnt – geistesabwesend auf der Bühne. Über die Gründe seiner Verhaltensauffälligkeiten gibt es verschiedenste Theorien, von falsch verschriebenen Medikamenten bis zu psychischen Störungen. In den 70er-Jahren zog er sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück, am 17. Februar 1982 starb er an einem Schlaganfall. Laut seiner Ehefrau Nellie hatte er in seinen letzten Lebensjahren das Piano nicht ein einziges Mal angefasst.

Auch im Programm von ByteFM erinnern wir heute an den US-amerikanischen Pianisten. So wird Musik von Thelonius Monk am 10. Oktober um 10, 15 und 19 Uhr im ByteFM Magazin zu hören sein. In seiner Sendung Brown Rice hat Till Kober dem Musiker bereits mehrfach gehuldigt. Mitglieder des Fördervereins „Freunde von ByteFM“ können die Ausgaben mit den Titeln „Fly Me To The Monk“ und „Rhythm-A-Ning – Eine Verbeugung vor Thelonious Monk“ jederzeit im ByteFM Archiv nachhören.

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