Zum 25. Todestag von Kurt Cobain: vier bemerkenswerte Gastauftritte

Foto von Kurt Cobain

Kurt Cobain (Foto: WMG)

Selbst wenn man die gesamte Tragödie um den Menschen Kurt Cobain ignorieren würde, wäre sein Tod eines der traurigsten Ereignisse der jüngeren Pop-Musik. Nicht nur, weil am 5. April 1994 einer der fähigsten Songwriter seiner Generation mit nur 27 Jahren gestorben ist, sondern auch, weil man sich für immer fragen muss, was dieser Künstler mit seinem Talent noch hätte anstellen können. Wie hätte wohl ein akustisches Soloalbum von ihm geklungen? Hätte Kurt Cobain Autotune gemocht? Mit wem würde er heute zusammenarbeiten? Vielleicht mit jungen Epigonen wie Cherry Glazerr? Oder doch mit James Blake?

Die Antworten auf diese Fragen bleiben aus. Neben dem Wirken in seiner Band Nirvana arbeitete Cobain Zeit seines Lebens nur mit wenigen anderen KünstlerInnen zusammen – was jeden einzelnen Gastauftritt nur noch besonderer macht. Anlässlich seines 25. Todestag haben wir seine viel zu kurze Diskografie noch einmal unter die Lupe genommen. Das hier sind vier großartige Gastauftritte von Kurt Cobain.

Earth – „Divine And Bright“ (1990)

Ende der 80er-Jahre teilte Cobain sich in Olympia, Washington eine Wohnung mit Dylan Carlson. Die beiden jungen Männer hatten nicht nur eine Vorliebe für Heroin, sondern auch eine Liebe für abstrakten Lärm. Gemeinsam schufen sie Noise-Collagen, die bis heute unveröffentlicht sind. 1990 gründete Carlson die Band Earth – die im Verlauf des Jahrzehnts das definierten sollte, was heute Drone-Metal genannt wird. Für ihre Debüt-EP ließ er seinen Mitbewohner auf dem Song „Divine And Bright“ die Lead-Vocals singen. „Ich fand seine Stimme für den Song passender, da er fast eine Art Pop-Song ist“, sagte Carlson Jahre später dem Magazin The Wire. „Meine Stimme ist monoton, doch Kurt hatte eine ernsthafte Pop-Stimme.“

Pop sollte man in diesem Fall mit Anführungszeichen schreiben – Carlsons meterdicke Gitarren-Wände haben nicht gerade Radio-Format. Doch der melodische Gesang ist unverkennbar Cobain, melancholisch, von einer unbeschreiblichen Schwere. Pulsierende Narkose-Musik, irgendwo zwischen Black Sabbath und My Bloody Valentine.

Mark Lanegan – „Down In The Dark“ (1990)

Im selben Jahr griff Cobain einem anderen Freund unter die Arme: Mark Lanegan, der damalige Sänger der Grunge-Pioniere Screaming Trees. 1990 veröffentlichte er sein Solodebüt „The Winding Sheet“, eine im Vergleich zum mächtigen Sound seiner Band sehr zurückgenommene und bluesige Platte. Cobain hält sich bei seinem Gast-Auftritt etwas zurück, singt nur weit entfernte Background-Vocals – dennoch ein unverkennbarer Cobain.

William S. Burroughs & Kurt Cobain – „The ‚Priest‘ They Called Him“ (1993)

Eine der obskureren Aufnahmen aus dem Cobain-Katalog trägt den Titel „The ‚Priest‘ They Called Him“, eine Zusammenarbeit mit seinem literarischen Idol William S. Burroughs. Cobain orchestrierte hier die dreckige Spoken-Word-Poesie des Beat-Poeten mit einer wortlosen Wand aus Gitarren-Feedback – ein Kontrapunkt zu Burroughs dreckiger Prosa.

Kids See Ghosts – „Cudi Montage“ (2018)

Stellen wir uns nochmal die Frage: Wäre Cobain heute noch am Leben, mit wem würde er wohl zusammenarbeiten? Wahrscheinlich nicht mit Kanye West. Das ewige Enfant terrible des HipHop beschwörte auf seinem im vergangenen Jahr veröffentlichten Gemeinschaftsalbum mit Kid Cudi namens „Kids See Ghosts“ dennoch dessen Geist. Für den Albumabschluss „Cudi Montage“ verwendete West, für den noch nie ein Sample zu teuer war, ein von Cobain gezupftes Akustikgitarren-Riff, gefunden in der jüngst veröffentlichten Demo-Sammlung „Montage Of Heck“. Ob Cobain damit einverstanden gewesen wäre? Dennoch demonstriert der Song eindrucksvoll, wie einer der einflussreichsten Künstler der 90er-Jahre Seite an Seite mit einem der einflussreichsten Künstler der Nullerjahre klingt.

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