Zum 50. Todestag von Otis Redding

Foto von Otis ReddingVom Farmersjungen zur Soul-Legende: Otis Ray Redding Jr.

Dass er eines Tages ein Flugzeug besitzen würde, hätte sich der Farmersjunge Otis Redding wahrscheinlich nicht in seinen kühnsten Träumen vorstellen können. Und doch stieg der 26-jährige Sänger und Songwriter am 10. Dezember 1967 in seine eigene Beechcraft H18 – und stürzte vom Himmel. Der Tag, an dem der Soul eines seiner größten Talente verlor, jährt sich nun zum 50. Mal.

Otis Ray Redding Jr. wurde am 9. September 1941 im 4.500-Seelen-Städtchen Dawson, Georgia, geboren. Inspiriert vom flamboyanten Rock ’n‘ Roll Little Richards und dem aufrüttelnden Soul von Sam Cooke begann er seine Gesangskarriere schon im zarten Alter von 15 Jahren. Nach zahlreichen Auftritten mit diversen Gospel-Chören nahm er 1958 an der im Bundesstaat renommierten Talentshow „The Teenage Party“ teil – und gewann diese 15 Mal in Folge. Bei einem seiner Siege war der Soul-Gitarrist Johnny Jenkins im Publikum, der ihn daraufhin in seine Band aufnahm. In dieser Kombo konnte Reddings unpolierte, hochemotionale Stimme zum ersten Mal in voller Kraft erstrahlen – und auf nationaler Ebene Aufmerksamkeit gewinnen.

Nach einigen Aufnahmen für das kurzlebige Label Confederate (darunter der Song „Shout Bamalama“, auf dem der kürzlich verstorbene „White Knight Of Soul“ Wayne Cochran Bass spielte) lernte Redding 1962 dann das Label kennen, mit dem er bis zu seinem Tod zusammenarbeiten sollte: Stax Records aus Memphis, Tennessee. Hier erschien sein selbstbewusstes Debüt „Pain Of My Heart“, der frühe Klassiker „Otis Blue: Otis Redding Sings Soul“ und eine seiner bekanntesten Singles: „Try A Little Tenderness“, ein sehnsüchtiges Stück Soul-Musik, das von Stanley Kubrick über John Hughes bis Kanye West und Jay-Z allerlei prominente Verehrer für sich beanspruchen konnte bzw. kann.

1967 nahm er einen weiteren wegweisenden Song auf: „(Sittin‘ On) The Dock Of The Bay“, das Lied, in dem Redding die Langsamkeit neu entdeckte. Die rohe Energie von „Try A Little Tenderness“ war etwas anderem gewichen, einer kontemplativen Ruhe. Das Instrumental erinnerte mehr an Paul McCartneys Barock-Pop als an James Brown, mehr an Brian Wilson als an Sam Cooke. Es war gleichermaßen Working-Class-Lied und Kunst-Musik, die möglicherweise größte Leistung Otis Reddings. Zu diesem Zeitpunkt war er erst 26 Jahre alt, und man kann sich leider nur ausmalen, was für großartige Musik auf „(Sittin‘ On) The Dock Of The Bay“ hätte folgen können. Denn Otis Redding stieg drei Tage nach der Aufnahme seines Meisterwerks in seine Beechcraft H18, und kam nicht mehr lebend auf den Boden zurück.

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