Zurück in die 80er

Ein kurzer Einblick in den Redaktionsalltag bei ByteFM: Kommt eine E-Mail an, da wird gefragt: „Martin, hast Du nicht Lust, mal wieder einen 80er-Jahre-Mix zu machen? Für die Nacht? Und dann auch ein paar Worte dazu schreiben.“ Ein neuer Mix? Ich weiß nicht. Hätte ich? Ja, irgendwie schon. Aber was dazu schreiben? Denn eigentlich habe ich mich schon beim letzten Mal sehr persönlich den 80ern und was sie mir bedeuteten gewidmet. Ausgeschrieben, so kam es mir vor. Aber ausgeschrieben, das gibt es gar nicht.

Je älter ich werde, je länger die 80er zurück liegen, je öfter auf blöde Art und Weise über dieses Jahrzehnt gesprochen wird, desto mehr zimmere ich mir meine eigenen 80er zusammen. Eine Mischung aus dem, wie ich sie selbst erlebt habe, und dem, wie ich sie gern gehabt hätte. Als wildes, unkonformes, ungeordnetes Jahrzehnt, in dem man aber immer noch genug Widerstände vorfand, gegen die man rebellieren konnte. Wir gegen die. Cool gegen uncool. Jung gegen Alt.

Natürlich war alles ganz anders: Meine Kumpels – ich machte so ziemlich alles durch, vom Normalo über Popper und New Romantic bis hin zum Rockabilly – waren fast alle richtige Kumpels. Auf lange Sicht vielleicht ähnlich rebellisch-unrebellisch wie ich. Nur war uns das damals gar nicht so klar. Geschorene Nacken und gefärbte Haare mögen genug gewesen sein, um ein paar Rentner in den Außenbezirken aufzuschrecken, aber der Außenseiter, der „Rebel Without A Cause“ war man nur deshalb nicht zwangsläufig. Eins aber war immer cool: Die gemeinsame Clique und die gemeinsame Jugend-Subkultur waren wichtiger als alles andere. Heimkind und Schulschwänzer der eine, Abiturient und Arztsohn der andere? Kein Problem – der Haarschnitt und die Musik waren die gemeinsame Basis und die war für eine Zeit stärker als alle gesellschaftlichen Unterschiede.

Womit wir mal wieder bei der Musik wären: Ein neuer Mix, der an den „Back to the 80s Time Tunnel Mix“ anschließen soll, der das erste Mal vor anderthalb Jahren bei ByteFM lief. Weil das kein müder Abklatsch und keine lauwarmen zwei Stunden werden sollten, habe ich nicht nur auf alte Platten, sondern auch auf später zugekaufte CDs und – absurd, aber so ist es nun mal – Mp3s zurückgegriffen. Absurd, weil es angesichts der Fülle von Musik (und der Fülle in meinem Plattenschrank) wirklich gar keinen Sinn ergibt, sich alte Songs auf die Festplatte zu packen und dafür auch noch zu bezahlen. Außer natürlich für einen Mix, der gut sein will und nicht auf allzu herkömmliches Zeug zurückgreifen will.

Düster geht es zur Sache, The Cure, Dead Can Dance, die Cocteau Twins, aber auch die Meteors, die Band, die den Psychobilly erfand, sind schuld daran. Depeche Mode sorgen für die weniger düstere, eher melancholische, traurige Note. Jede Menge Deutsch-Punk-Bands machen zwar auch traurig (weil man weiß, dass aus dieser krassen Musik später mal die alberne NDW werden sollte), zeigen aber vor allem den Zeitgeist – das schon beschriebene „wir sind Rebellen (oder tun zumindest so) und ihr nicht“. Aber bevor das alles hier zur intellektuellen Veranstaltung verkommt: Vor allem besteht dieser Mix aus guter Musik. Gute Songs von guten Musikern. Die 80er, wie ich sie mir selbst gemacht habe. Nicht mehr und nicht weniger.

Den zweiten Back to the 80ies Time Tunnel Mix hört Ihr diesen Samstag ab 23 Uhr.

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