Destroyer – „ken“ (Rezension)

Cover des Albums „ken“ von Destroyer (Dead Oceans)Destroyer – „ken“ (Dead Oceans)

6,9

Langsam, fast nachdenklich beginnt der erste Song auf dem Album „ken“ von Destroyer. Auch wenn Destroyer oft als Soloprojekt bezeichnet wird, handelt es sich nach Aussagen von Mastermind Dan Bejar um eine vollständige Band. Angefangen hat der Kanadier aus Vancouver aber tatsächlich alleine, sich jedoch mit der Zeit immer wechselnde Bandkollegen dazu geholt. Seit einiger Zeit ist die Mitgliederfluktuation gesunken und auch wenn die Band nicht gemeinsam im Studio war, sollen alle Destroyer-Mitglieder bei den Aufnahmen der neuen Platte beteiligt gewesen sein, so Bejar. Doch „ken“, die nunmehr zwölfte Platte von Destroyer, unterscheidet sich nicht nur in diesem Punkt von den bisherigen Alben.

So geht „ken“ klanglich etwa in eine vollkommen andere Richtung als etwa der Vorgänger „Poison Season“ aus dem Jahr 2015. Während dort schon in den ersten Liedern ein breiterer Sound von Bläsern und Streichern zu hören war, sodass die Platte fast an ein Jazz-Album erinnerte, ist „ken“ in dieser Hinsicht ruhiger, als wollten Destroyer einen Gang zurückschalten. Der rockige Sound ist jedoch nicht verloren gegangen, es handelt sich bei „ken“ nicht unbedingt um ein leises Album und auch dieses Destroyer-Album hat einen starken 80er-Einfluss abbekommen. Nicht umsonst wurden viele bisherige Songs von Destroyer immer wieder mit den Werken David Bowies verglichen, was deutlich macht, warum man Destroyer nicht einfach als Indie-Rock-Band bezeichnen kann.

Aufgenommen von Josh Wells, der Schlagzeuger bei Destroyer ist, klingt das neue Album stimmig und nicht chaotisch. „ken“ lebt von langen, instrumentalen Passagen wie in „Ivory Coast“, in denen durch Synthesizer und E-Gitarren neue Melodien entstehen, die sich vom Gesang oft klar abgrenzen. Das liegt auch daran, dass der Gesang meist relativ ruhig und fast monoton wirkt, sodass es meist nur durch die Instrumente wirklich abwechslungsreich wird. Was beim letzten Album durch die bigband-artigen Einschübe der Bläser die Besonderheit ausgemacht hat, fällt hier weg, wodurch die Möglichkeit genommen wurde, die insgesamt meist melancholische Stimmung aufzureißen und für besondere Momente zu sorgen.

Destroyer gehören allerdings nach wie vor zu einer der wenigen Bands, die ihre Alben als gesamtes Werk betrachten, in dem die Songs zusammenpassen. Auch „ken“ holt das ein. Somit hat Destroyer erneut ein in sich geschlossenes Album geschaffen, das sich letzendlich darum doch in eine Reihe mit den anderen Destroyer-Alben stellen lässt. Dennoch hätten ein wenig mehr Akzente hier und da auch „ken“ nicht geschadet.

Veröffentlichung: 20. Oktober 2017
Label: Dead Oceans



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