Frankie Cosmos – „Vessel“ (Rezension)

Frankie Cosmos – „Vessel“

Frankie Cosmos – „Vessel“ (Sub Pop)

7,5

Begonnen hat Greta Kline unter dem Namen Ingrid Superstar, als sie 2009 ihre ersten, zu Hause aufgenommenen Lo-Fi-Pop-Entwürfe bei Bandcamp hochlud. Es folgten etliche digitale Veröffentlichungen, sie fand ihre Bandmates und nannte sich in Frankie Cosmos um. Auf ihrem nunmehr dritten Album versucht nun die Band Frankie Cosmos, die geschätzten Eigenarten des ursprünglichen DIY-Soloprojekts weiterzuführen und an gegebenen Stellen etwas an Ruppigkeit zuzulegen.

Gerade eine gute halbe Stunde ist „Vessel“ lang und doch lässt sich bereits im ersten Song „Caramelize“ feststellen: In diesen Liedern gibt es einiges zu entdecken. Das liegt unter anderem daran, dass die Band aus New York weitestgehend auf eine klassische Songstruktur wie die Wiederholung eines Refrains verzichtet. Zum Nachteil wird das nicht, denn so bietet sich die Gelegenheit, eigene Refrains und Höhepunkte ausfindig zu machen.

Leichte Veränderungen im Bandsound stehen Frankie Cosmos dabei ebenfalls gut zu Gesicht: Die live eingespielten Songs kommen unaufgeregt produziert daher. Gitarre, Bass und Schlagzeug liefern eine solide Basis, Greta Klines Stimme liegt sanft obenauf und ist stets nah am Ohr. Lauren Martins Keyboard reichert die aufgeräumten Arrangements mit subtilen Details an, wie beispielsweise im zurückgelehnt groovenden Song „Duet“.

Damit wäre alles gesagt. Nächster Song.

Musikalische Wechsel in Rhythmus, Tempo und Tonalität, die die Band häufig und in aller Mühelosigkeit umsetzt, unterstreichen die Vielfalt, die den kurzgehaltenen Stücken innewohnt. So lässt sich an späterer Stelle fragen: Ist eine 32 Sekunden kurze Miniatur wie „My Phone“ nun eher alleinstehender Refrain oder vereinzelte Strophe? Die Antwort ist: Ist gar nicht wichtig. Wichtig aber ist: Wenn alles gesagt ist, folgt keine (textliche) Redundanz. Diese Kunst beherrscht Kline meisterhaft. In ihren Texten setzt sich die Tochter von Oscar-Preisträger Kevin Kline und Schauspielerin und Musikerin Phoebe Cates mit eigenen Fehlern, Zweifeln, Verletzlichkeiten und unwägbarer Zwischenmenschlichkeit auseinander. Dabei scheint in ihren simpel gehaltenen Zeilen oft ein lakonischer Humor durch: „I am not the only one / Living in delusion / I go to the cafeteria“.

Die knappen Stücke wirken nie unfertig oder skizzenhaft, sondern fügen sich stets passgenau in den gleichzeitig unaufdringlichen und einnehmenden Fluss des Albums. So bestärkt zum Beispiel auch das spartanische Homerecording „The End“ die dynamischen Wechsel in und zwischen den Liedern. Das alles ist so mühelos vorgetragen und geschrieben, dass einem „Vessel“ als kompakte und durchwegs charmante Sammlung an Songs dazu einlädt, es nach und nach noch ein Stück lieber zu gewinnen.

Veröffentlichung: 30. März 2018
Label: Sub Pop

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