Kendrick Lamar – „DAMN.“ (Rezension)

Cover des Albums DAMN. von Kendrick LamarKendrick Lamar – DAMN. (TDE)

Veröffentlichung: 14. April 2017
Web: kendricklamar.com
Label: TDE

8,2

Der von manchen als HipHop-Messias bezeichnete Kendrick Lamar Duckworth aus Compton (Los Angeles) hat vor, während und nach dem Release seines neuen Albums „DAMN.“ am 14. April 2017 für gewaltige Wellen in der Pop-Welt gesorgt. Vor allem die US-amerikanische Musikpresse hat jeden noch so kleinen Info-Schnipsel, jedes Gerücht verwertet. Dies ging so weit, dass schon die Ankündigung einer Ankündigung zur Theorie führte, Kendrick würde sein Album eine Woche vor dem offiziellen Termin veröffentlichen. Akribisch wurden die Album-Credits zerpflückt und die Spekulationsmaschine angeworfen. Würde es wirklich ein U2-Feature auf dem Album geben oder handelt es sich nur um ein Sample? Was hat James Blake auf dem Album getan? Und auch nach dem Release am Karfreitag glaubte eine nicht geringe Menge an Social-Media-Usern daran, dass ganz im Stile von Jesus am Ostersonntag ein weiteres Album folgen würde. Stichwort: Wiederauferstehung.

Auch der Autor dieser Zeilen hat am Ostersonntag nach dem Aufstehen zunächst einmal das Internet bemüht – um sicher zu gehen. Es blieb bei „DAMN.“ und damit lieferte Kendrick Lamar mehr als genug ab. Und das obwohl er in den vergangenen Jahren durchaus nicht untätig war. Sein letztes Album „To Pimp A Butterfly“ liegt ja auch erst zwei Jahre zurück. In Hochzeiten der „Black-Lives-Matter“-Bewegung und zu Beginn des Präsidentschaftswahlkampfs in den USA war und wurde das Album ohne Zweifel eines der wichtigsten des Jahres 2015. Inhaltlich und musikalisch legte Kendrick Lamar eines der stärksten Werke der jüngeren Rap-Geschichte vor. So stark, dass selbst die in einer Nacht und Nebel-Aktion veröffentlichte Kompilation von Tracks, die es nicht aufs Album geschafft haben, „Untitled Unmastered“, ein formidables reguläres Album abgegeben hätte.

Nun aber liegt mit „DAMN.“ das nächste Studioalbum von Kendrick Lamar vor und die Welt hatte genug Zeit, sich die 14 Tracks zu Gemüte zu führen. Das „Wichtigste“ vorab: Es handelt sich tatsächlich um ein U2-Feature im Song „XXX“. Trotz anfänglicher Skepsis passt der Part, den U2-Frontmann Bono zu dem Track beisteuert, gut ins Bild und schlägt eine interessante Brücke, auch was die Verbindung verschiedener Mainstream-Spielarten angeht. Neben Bonos nasaler Intervention gibt es auf „DAMN.“ Features von Rihanna und dem Sänger Zacari. Co-Produzenten sind unter anderem die kanadischen Jazz-Größen BadBadNotGood und eben James Blake. Die Vorabsingle „HUMBLE.“ und auch die zweite Auskopplung „DNA.“ zeigen die härtere Seite des bisweilen sanften und poppigen Albums. Kendrick Lamar beweist durchweg ein Gespür für große Melodien und detaillierte Vocal-Arrangements, während er im Vorbeigehen komplexeste Reime abliefert. Obwohl er sich nach „To Pimp A Butterfly“ weniger mit großen Fragen und Problemen beschäftigen wollte, ist „DAMN.“ ein sehr politisches Album. Tatsächlich drehen sich Songs wie „DNA.“ oder „LOYALTY.“ um Lösungsansätze für eben jene großen Probleme, gesellschaftlich wie persönlich. Kendrick Lamar wird sicherlich seine Rolle als Bezugsfigur der US-Bürgerrechtsbewegung so schnell nicht los.

Klanglich ist der neue Langspieler zwar etwas konventioneller als sein Vorgänger, kommt aber frisch und mit einer gehörigen Portion Drang daher. Auch im Gesamteindruck bleibt „DAMN.“ hinter dem genialen „To Pimp A Butterfly“ zurück, auch weil es weniger ein in sich geschlossenes Gesamtkunstwerk ist, dennoch finden wir ein wirklich gutes Album vor. Man spürt deutlich, dass der Künstler mit den Songs auf „DAMN.“ etwas anderes will. Dabei liefert Kendrick Lamar Duckworth eine Platte voller Hits, die sich im Gehörgang festkrallen und einen in den Sog seines neuesten Werks ziehen.

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