{"id":35943,"date":"2012-05-21T00:00:33","date_gmt":"2012-05-20T22:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/byte.fm\/magazin\/?p=35943"},"modified":"2012-05-21T00:00:33","modified_gmt":"2012-05-20T22:00:33","slug":"chromatics-kill-for-love","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.byte.fm\/blog\/news\/chromatics-kill-for-love-35943\/","title":{"rendered":"Chromatics &#8211; &quot;Kill For Love&quot;"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.byte.fm\/magazin\/images\/chromatics_kfl_180.jpg\" alt=\"Chromatics - Kill For Love\" align=\"left\" hspace=\"5\" \/>V\u00d6: 25.05.2012<br \/>\nWeb: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/CHROMATICSBAND\" target=\"blank\">Chromatics auf Facebook<\/a><br \/>\nLabel: Italians Do It Better<\/p>\n<p>Kaum etwas ist noch zu h\u00f6ren von dem Post-Punk der Anf\u00e4nge der Chromatics, beinahe ebenso wenig von der leichten, eing\u00e4ngigen und leider auch ein wenig seichten Italo-Disco-Tanzmusik der vergangenen Alben. Nein, &#8222;Kill For Love&#8220; ist anders, klanglich kaum zu fassen. Ein musikalisches Epos k\u00f6nnte man es nennen, Vertonung der \u00c4ngste und Sehns\u00fcchte, einen Soundtrack des Lebens &#8211; einen ganz besonders gelungenen.<\/p>\n<p>\u201eKill For Love\u201c beginnt und nimmt den H\u00f6rer sofort gefangen, w\u00e4hrend man dem Song \u201eInto The Black\u201c lauscht und sich von den Gitarren in die Szenerie eines einsamen Western-Films versetzen l\u00e4sst, bis die wunderbare Stimme von Ruth Radelet gleichzeitig melancholisch und doch irgendwie gleichg\u00fcltig zu einem \u201eMy, My, Hey, Hey&#8220; ansetzt. Und dann wird es einem bewusst: Das ist Neil Young! \u201cRock and roll is here to stay. It&#8217;s better to burn out than to fade away. Rock and roll can never die.\u201d Noch nie klangen diese Worte so sch\u00f6n, traurig und doch voller Hoffnung. So seltsam es scheinen mag, das eigene Album mit einem Cover zu beginnen, und dann auch noch mit einem, das eher Sinnbild des Endes ist, so treffend charakterisiert der Song auch das Folgende. \u201eThere&#8217;s more to the picture than meets the eye.\u201d \u201cKill For Love\u201d ist tats\u00e4chlich wesentlich mehr als die Summe seiner einzelnen Songs. Als w\u00e4ren diese nicht schon gut genug, erlangt das Album seinen wahren Wert erst in seiner Gesamtheit. Was Chromatics da geschaffen haben, ist ein wunderbares Epos, eine \u00fcberraschende und fesselnde Mischung aus tanzbarem Dream-Pop und beinahe verst\u00f6renden Instrumental-Phasen. In diesem unglaublich dichten und doch leichten Klangteppich f\u00fchrt Radelets Stimme uns durch die Nacht. \u201eKill For Love\u201c zeugt ganz eindeutig von den Einfl\u00fcssen, die Film-Vertonungen auf die Band hatten. Das Album untermalt, erschafft Szenerien, l\u00e4dt dazu ein zu imaginieren, legt sich dabei aber nie fest.<\/p>\n<p>Wie ein Gewitter schlagen Chromatics mit \u201eKill For Love\u201c auf uns nieder, sie laden uns ein, Teil zu haben, locken mit poppigen Kl\u00e4ngen, mit Sirenen-artigen Ges\u00e4ngen, die bet\u00f6ren und einlullen. Die ersten Songs \u201eKill For Love\u201c, \u201eBack From The Grave\u201c und \u201eThe Page\u201c sind noch eing\u00e4ngig: einladende Beats, poppige Synthies, ein bisschen &#8222;Uh-Uh&#8220; und catchy Refrains \u2013 und schon stehen wir auf der Tanzfl\u00e4che, wippen, schlie\u00dfen die Augen und lassen los. Bis \u201eLady\u201c den Anfang vom Ende (oder das Ende des Anfangs) einleitet, die Beats werden elektronischer, der Gesang d\u00fcsterer und reduzierter, auch der Text schr\u00e4nkt sich immer mehr ein, Radelets Stimme hallt und klingt, als entferne sie sich immer weiter von uns, w\u00e4hrend sie immer wieder be\u00e4ngstigend monoton die (scheinbar) gleichen Lyrics wiederholt: \u201eGive us all something to do. We really need something to do\u201c. Repetition ist ein wichtiger Teil von \u201eKill For Love\u201c, auch instrumentell, h\u00e4ufig wiederholen sich Beats und ganze Klang-Passagen, immer aber werden sie leicht abge\u00e4ndert, nie kann man sich beruhigt dem \u00fcberlassen, was man gerade h\u00f6rt, was vor allem daran liegt, dass beinahe alle Instrumente analog eingespielt wurden, jeder Ton wird immer wieder gleich und doch anders neu erzeugt. Mit \u201eThese Streets Will Never Look The Same\u201c ist es dann g\u00e4nzlich vorbei mit den &#8222;simplen&#8220; Hits. Takt-Schlagen, das klingt wie ein zu lauter Wecker, penetriert den H\u00f6rer, eine M\u00e4nner-Stimme erklingt, technisch verzerrt, sie hat etwas Roboter-artiges, ein Cyborg singt uns von seinen \u00c4ngsten, vielleicht auch nur sein Echo. Und dann ein siebenmin\u00fctiges Instrumental, gleichf\u00f6rmig, viel Drum- und Rythm-Machine, zuerst leise und unmerklich, dann immer lauter werdend. Ein Fiepsen.<\/p>\n<p>Der Beginn des unglaublich guten &#8222;zweiten&#8220; Teils des Albums. Radelets gleichm\u00fctiger und verlorener Gesang bleibt, wird aber wie die Rythmen langsamer, weniger eing\u00e4ngig, immer wieder unterbrochen von langen Instrumental-Einlagen: Songs bestehend aus Streichern und Glocken-Synths, manchmal so lang, dass man glaubt, sie w\u00fcrden niemals enden. Die Nacht ist k\u00fcrzer geworden, die Stra\u00dfen leerer, in den Clubs zuckende K\u00f6rper im Stroboskop-Licht und dazu die Musik. Songs mit post-apokalyptischer Atmosph\u00e4re, die klingen wie monotone Selbstgespr\u00e4che des letzten \u00dcberlebenden, sie sind nicht f\u00fcr die Zuh\u00f6rer gemacht, sondern um ihrer selbst willen. Was den H\u00f6renden dazu einl\u00e4dt, sich ebenfalls selbst zu vergessen. In \u201eRunning From The Sun\u201c wieder der menschliche Roboter, der uns beinahe einschl\u00e4fert, und uns verleitet, die Augen zu schlie\u00dfen und f\u00fcr uns tanzt. Man gibt sich der Musik hin, die unglaublich abwechslungsreich ist, und dennoch eine verwobene Textur bildet. Hintergrundmusik, der man nicht bewusst zuh\u00f6ren muss, um sie aufzunehmen. \u201eBirds Of Paradise\u201c beginnt mit wundersch\u00f6nen elektronischen Piano-Kl\u00e4ngen, und wieder Radelets Stimme, unterlegt mit dem Knistern von Vinyl-Platten, das nicht aufgesetzt klingt, sondern irgendwie einfach dazugeh\u00f6rt. Ein Liebeslied, untermalt von einem bedrohlichen Geister-Piano. \u201eI kissed the tide but you held the moon and carried the stars. Like life was a memory and death just a possibility\u201d &#8211; so einfach, so klar, beinahe unber\u00fchrt als g\u00e4be es gar nichts anderes zu sagen.<\/p>\n<p>Und darin liegt vielleicht die Besonderheit von \u201cKill For Love\u201d, musikalisch unglaublich anspruchsvoll zu sein, spielendes \u00dcberschreiten von Genregrenzen, instrumentelle Vielseitigkeit, dazu die tiefgr\u00fcndigsten Texte, vorgetragen in einer Art, die gleichm\u00fctig ist, aber nie gleichg\u00fcltig. So, als m\u00fcsse das einfach getan werden, wenn es sein muss, das Album es verlangt, auch 90 Minuten lang. Die letzten Songs muten wieder einfacher, leichter an, mehr Gesang, Fingerschnippen, tanzbare Synthesizer, eing\u00e4ngigere Drums, wir sind wieder beruhigt, lehnen uns geistig zur\u00fcck \u2013 und tun es den Chromatics gleich und feiern die Sch\u00f6nheit der Musik. \u201eTime is stretching on and it keeps on repeating as the beat goes on.\u201d Die Nacht geht weiter, der Beat auch, alles wiederholt sich \u2013 und das ist gut so. \u201eThere\u2019s A Light Out On The Horizon\u201c l\u00e4sst eine Sequenz aus &#8222;Drive&#8220; aufleben, eine Anrufbeantworter-Nachricht. \u201eI hope you&#8217;re okay out there, wherever you are.\u201c Ja wir sind okay, bis \u201cThe River\u201d einsetzt. \u201cI&#8217;m still here waiting for you\u201d, schmerzt uns Radelets Echo, die Mitte des Songs, St\u00f6rger\u00e4usche, geloopte Synths, noch ein letztes Mal die unmenschliche Stimme, Rauschen, ein Disco-Beat, erleichtert beginnen die K\u00f6rper wieder zu tanzen.<\/p>\n<p>Man verbleibt ein wenig hilflos, aufgeschreckt aus der Trance, stolpert los. Was tun mit dieser Reise, die so emotional war, sch\u00f6n und auch ein bisschen erschreckend, verst\u00f6rend? Vielleicht einfach wieder losgehen, sich von der Musik gefangen nehmen lassen. Das schafft \u201eKill For Love\u201c n\u00e4mlich ganz hervorragend \u2013 nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tag, beim Autofahren, im Zug, bei der Arbeit, \u00fcberall da, wo ein bisschen Raum ist, sich selbst zu verlieren.<\/p>\n<p>Das ByteFM Album der Woche.<\/p>\n<p>Jeden Tag von Montag bis Freitag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Nachmittag von Montag bis Samstag zwischen 15 und 17 Uhr und im ByteFM Magazin am Abend, montags bis freitags ab 19 Uhr. Die ausf\u00fchrliche H\u00f6rprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.<\/p>\n<p>Unter allen <a href=\"https:\/\/www.byte.fm\/freunde\" target=\"blank\">Freunden von ByteFM<\/a> verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen m\u00f6chte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff \u201eChromatics\u201c und seiner\/ihrer vollst\u00e4ndigen Postanschrift an <a href=\"mailto:radio@byte.fm\">radio@byte.fm<\/a>.<\/p>\n<p><center><div data-code=\"&lt;iframe loading=&quot;lazy&quot; width=&quot;580&quot; height=&quot;423&quot; src=&quot;http:\/\/www.youtube.com\/embed\/c0mxXrHowHQ&quot; frameborder=&quot;0&quot; allowfullscreen&gt;&lt;\/iframe&gt;\" data-esccode=\"PGlmcmFtZSBsb2FkaW5nPSJsYXp5IiB3aWR0aD0iNTgwIiBoZWlnaHQ9IjQyMyIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LnlvdXR1YmUuY29tL2VtYmVkL2MwbXhYckhvd0hRIiBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuPjwvaWZyYW1lPg==\" data-src-host=\"www.youtube.com\" class=\"embed-wrap\"><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/c0mxXrHowHQ\">http:\/\/www.youtube.com\/embed\/c0mxXrHowHQ<\/a><\/div><\/center><\/p>\n<p>Label: Italians Do It Better | <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B007RX32TY\/ref=as_li_qf_sp_asin_il_tl?ie=UTF8&#038;tag=by07a-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B007RX32TY\" target=\"blank\">Kaufen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit &#8222;Kill For Love&#8220; haben die Chromatics ein cineastisches Musik-Epos geschaffen, einen Soundtrack zum Leben. 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