{"id":37378,"date":"2012-07-13T18:31:44","date_gmt":"2012-07-13T16:31:44","guid":{"rendered":"http:\/\/byte.fm\/magazin\/?p=37378"},"modified":"2012-07-13T18:31:44","modified_gmt":"2012-07-13T16:31:44","slug":"freundlichkeit-und-mehr-als-musik-das-roskilde-festival-vom-5-bis-8-juli-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.byte.fm\/blog\/news\/freundlichkeit-und-mehr-als-musik-das-roskilde-festival-vom-5-bis-8-juli-2012-37378\/","title":{"rendered":"Freundlichkeit und mehr als Musik: Das Roskilde-Festival vom 5. bis 8. Juli 2012"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.byte.fm\/magazin\/images\/r167_600.jpg\" alt=\"Freundlichkeit geht vor auf dem Roskilde-Festival in D\u00e4nemark | Foto: Diviam Hoffmann\" width=\"885\" align=\"center\" \/><font size=\"-8\">Freundlichkeit geht vor auf dem Roskilde-Festival in D\u00e4nemark | Foto: Diviam Hoffmann<\/font><\/p>\n<p>Eine magische Zahl geht dem diesj\u00e4hrigen <a href=\"http:\/\/roskilde-festival.dk\/uk\/\" target=\"blank\">Roskilde-Festival<\/a> in der d\u00e4nischen Studenten- und Kleinstadt Roskilde voran: Es ist die 42. Ausgabe des Rockfestivals, die dieses Jahr vom 5. bis 8. Juli stattfand. 1971 entschieden sich zwei Studenten, dass es bis nach Woodstock zu weit ist und sie ihre eigene Ausgabe des ber\u00fchmten Rock-Happenings einfach in ihre Heimatstadt verlegen. 10.000 Menschen kamen damals. Der Eintritt &#8211; 4 Euro. Ergebnis davon war, dass sie die Aktion zwar ziemlich super, doch auch ein bisschen kr\u00e4ftezehrend fanden und es eigentlich dabei belassen wollten. Doch andere wiederum dachten, mit ein bisschen gemeinschaftlicher Unterst\u00fctzung bek\u00e4me man das doch noch einmal hin. So wurde das Roskilde-Festival gegr\u00fcndet und zu Anfang auch gleich eine der Grundfesten festgelegt: Die Arbeit am Festival wird komplett von Freiwilligen \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>In den folgenden Jahren hat sich das allerdings etwas erweitert. In den mehr als 40 Jahren Festivalgeschichte spielten G\u00e4ste wie Bob Marley, Nirvana, Bob Dylan, Neil Young und eigentlich alles, was in Rock und Pop einen Namen hat. Nur Daft Punk fehlt auf der gro\u00dfen Liste, wie die heutige Chef-Bookerin Marianne Hendriksen feststellt. Auch die Anzahl der Freiwilligen hat sich etwas erweitert: Heute arbeiten 30.000 Mitarbeiter freiwillig am Festival mit \u2013 von der Einlasskontrolle, \u00fcber M\u00fcllsammler, bis hin zum Stage Manager.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.byte.fm\/magazin\/images\/r146_600.jpg\" alt=\"Platz f\u00fcr 60.000 Leute und zwei 54 m\u00b2 gro\u00dfe Bildschirme, damit auch alle was sehen k\u00f6nnen: Die Orange Stage | Foto: Diviam Hoffmann\" width=\"885\" align=\"center\" \/><font size=\"-8\">Platz f\u00fcr 60.000 Leute und zwei 54 m\u00b2 gro\u00dfe Bildschirme, damit auch alle was sehen k\u00f6nnen: die Orange Stage | Foto: Diviam Hoffmann<\/font><\/p>\n<p>Zu diesen Tausenden Freiwilligen fanden sich nun am ersten Juliwochenende dieses Jahres 77.500 zahlende 9-Tages-Ticket-Inhaber, 20.000 Tageskartenbesitzer und mit Sicherheit auch eine vierstellige Zahl akkreditierter Zuschauer und blinde Passagiere ein, um das Roskilde-Festival zu zelebrieren. Am Ende wei\u00df also eigentlich niemand mehr, wie viele Menschen sich auf dem 1,5 Millionen m\u00b2 gro\u00dfen Festivalgel\u00e4nde oder vor den B\u00fchnen befinden und sich die Auftritte der 197 K\u00fcnstler aus 36 L\u00e4ndern ansehen. Auf sieben verschiedenen B\u00fchnen l\u00e4uft das Programm parallel von Donnerstagabend bis Sonntagnacht, vor dem offiziellen Beginn des Festivals gibt es Warm-up-Tage, sodass f\u00fcr die am l\u00e4ngsten gebliebenen Besucher das Festival neun Tage dauert und sie schon ordentlich warmgefeiert sind, wenn das gro\u00dfe Live-Programm am Donnerstagabend startet.<\/p>\n<p>Der Startschuss daf\u00fcr f\u00e4llt traditionell mit einer d\u00e4nischen Band, wenn die H\u00e4lfte der Festivalbesucher \u00e4u\u00dferlich schon stark nach Sonntagnachmittag aussieht, innerlich aber total motiviert ist. Dieses Jahr \u00fcbernahm dies Kellermensch. Im Bandnamen steckt eine Referenz auf Dostojewski, musikalisch werden sie laut, metallen und wild. Da die einheimischen Bands vom zu 80% d\u00e4nischen Publikum mit besonders gro\u00dfer Euphorie befeiert werden, war es beim Auftakt-Konzert auch dementsprechend voll. Auch wenn parallel die ersten Headliner wie The Shins oder die aufgrund ihres k\u00fcrzlich erschienenen, genialen Deb\u00fctalbums angesagten Django Django spielen. Nachdem die D\u00e4nen von Kellermensch die gr\u00f6\u00dfte B\u00fchne \u2013 60.000 Menschen passen hier hin &#8211; Orange Stage er\u00f6ffnet hatten, gaben sich am selben Abend noch The Cure die Ehre. Und ehrenhaft war ihr Konzert allemal, denn nachdem die ByteFM-Reporterin das Konzert von The Cure verlassen hatte, um noch einige andere Bands am Abend zu sehen, wehte um Mitternacht noch <a href=\"http:\/\/www.tape.tv\/musikvideos\/The-Cure\/Friday-Im-In-Love\" target=\"blank\">\u201eFriday I&#8217;m In Love\u201c<\/a> \u00fcber den Campingplatz und sie durfte feststellen, dass die britischen Wave-Helden nach drei Stunden immer noch spielten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.byte.fm\/magazin\/images\/r104_600.jpg\" alt=\"Der etwas andere Klingelbeutel | Foto: Diviam Hoffmann\" width=\"885\" align=\"center\" \/><font size=\"-8\">Der etwas andere Klingelbeutel | Foto: Diviam Hoffmann<\/font><\/p>\n<p>Nach diesen fulminanten Beginn lie\u00df es sich im Dauerregen des n\u00e4chsten Morgens dann besonders gut \u00fcber die Wahrheit hinter dem Motto des Festivals \u201eMore Than Music\u201c nachdenken. Fast auf jedem Campingplatz in Roskilde gibt es besondere Aktionen, die das politische, \u00f6kologische oder auch gemeinschaftliche Bewusstsein der Besucher f\u00f6rdern sollen. Sei es die M\u00f6glichkeit, sich w\u00e4hrend wenig aufkommender Langeweile im Handwerken zu versuchen, um ein St\u00fcck zu bauen, das nicht nur einem selbst, sondern auch anderen hilfreich sein kann, oder beim Fr\u00fchst\u00fcck Asylbewerber kennenzulernen und mehr \u00fcber ihre Probleme zu erfahren. Begleitet werden die M\u00f6glichkeiten des konstruktiven, politischen Austauschs von Angeboten der Entspannung, verschiedenen Installationen und nat\u00fcrlich einem riesigen Angebot an Essen und Getr\u00e4nken. Auch bei den angebotenen Genussmitteln wird Wert auf Herkunft gelegt, Vegetarismus unterst\u00fctzt und der entstehende M\u00fcll recycelt. Besonderes Letzteres ist auf dem Gel\u00e4nde st\u00e4ndig pr\u00e4sent, denn M\u00fcll- und Pfandsammler nehmen dem Besucher jede leer getrunkene Dose sofort aus der Hand. Angeblich wird der M\u00fcll des Festivals am Ende in 13 verschiedenen Kategorien getrennt.<\/p>\n<p>Die Ressourcen f\u00fcr all das kommen dabei komplett aus erneuerbaren Quellen. Und es wird weitergedacht: Generatoren werden mit dem alten Fett der Essensst\u00e4nde betrieben und damit der komplette Strom f\u00fcr die \u201eSustainable Zone\u201c produziert, ein Ort, der sich mit Urban Gardening oder fahrradbetriebenen Handyladestationen dem Nachhaltigkeitskonzept verschrieben hat. Aber die sch\u00f6nste Idee kommt von der an diese Zone angrenzenden Odeon Stage: Dort wird an einer Methode gearbeitet, tiefe Bassfrequenzen der Acts in Energie umzuwandeln und in die B\u00fchnentechnik zur\u00fcckzuspeisen.<\/p>\n<p>Dabei hatte die Odeon Stage nicht nur basslich wenig Strom produzierende Acts wie First Aid Kit zu Gast, sondern sich mit zum Beispiel Red Fang einen lauten Nachmittag lang dem rockigsten S\u00fcden der USA verschrieben. Weitere bassige oder zumindest soulvolle K\u00fcnstler dieser B\u00fchne waren die Abyssinians oder die Alabama Shakes, die am Sonntagabend etwa 5000 Besuchern ein Dach vor dem immer wieder einsetzenden Regen boten. Doch was w\u00e4re ein Festival ohne Matsch und Gummistiefel?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.byte.fm\/magazin\/images\/byte05_600.jpg\" alt=\"Gewappnet in allen Altersstufen &amp; versteckte Video\u00fcberwachung zur Sicherheit der Crowd? | Foto: Diviam Hoffmann\" width=\"885\" align=\"center\" \/><font size=\"-8\">Gewappnet in allen Altersstufen &amp; versteckte Video\u00fcberwachung zur Sicherheit der Crowd? | Foto: Diviam Hoffmann<\/font><\/p>\n<p>Doch auch auf den sechs anderen B\u00fchnen war stimmungsm\u00e4\u00dfig und musikalisch einiges los. Allen voran geht nat\u00fcrlich die ber\u00fchmte Orange Stage, die nicht nur dem Festival sein Logo und einigen begeisterten Besuchern die Idee f\u00fcr ein Tattoo gab. Sie entstand aus einem alten Tourequipment der Rolling Stones und musste in den 41 Jahren des Festivals zweimal ausgetauscht werden. Heute finden sich Sitzm\u00f6bel aus den alten Planen der Orange Stage vor der neuen B\u00fchne. Und von dort aus konnte man sich in diesem Jahr unter anderem Jack White, der Hits aller seiner Bandprojekte spielte und sogar l\u00e4chelte, The Roots, die alle aus ihren Campingst\u00fchlen und anderen Sitzm\u00f6beln aufstehen lie\u00dfen, Gossip, die m\u00fcder klangen als erwartet, und Mew anh\u00f6ren. Sehen tut man die K\u00fcnstler hier eher auf den riesigen Leinw\u00e4nden rechts und links von der B\u00fchne, was auf das Live-Erlebnis nach meinem Gef\u00fchl eher einen negativen Einfluss hat und es in Richtung eines Fernseherlebnisses r\u00fcckt.<\/p>\n<p>Eine neue B\u00fchne im Kreis der Roskilde-Bretter war in diesem Jahr die Apollo Stage. Sie ist beweglich und wurde w\u00e4hrend der Warm-up-Tage jeden Tag an einem anderen Platz auf dem Campinggel\u00e4nde aufgestellt. Erst am Donnerstag erhielt sie ihren finalen Standort und musste schlie\u00dflich erst von den Festivalg\u00e4sten entdeckt werden. Geografisch, wie auch musikalisch, denn die Apollo Stage soll zur Ausweitung des Festival-Spielraums in elektronischere Sph\u00e4ren beitragen und bot DJs und Produzenten statt den Roskilde-typischen E-Gitarren und Drums Platz. So verirrte sich eher weniger Publikum zu K\u00fcnstlern wie Lone, Martyn, Addison Groove, Pretty Lights und schlie\u00dflich Africa Hitech. Nur zum Berliner Beitrag von Modeselektor war der nebelspuckende rote Ballon sehr gut besucht.<\/p>\n<p>Electronica, Ambient und auch ruhigeren Techno und House konnte man au\u00dferdem in der Gloria sehen, dem einzigen abgeschlossenen B\u00fchnenraum auf dem Roskilde-Festival, offiziell f\u00fcr \u201efragilere\u201c Musik gedacht. Dort wurde ebenfalls etwas elektronisch gespielt \u2013 und zwar von unter anderem Julia Holter (eher fragil und poppig als elektronisch), Shlohmo, Touchy Mob und Nils Frahm.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.byte.fm\/magazin\/images\/r82_600.jpg\" alt=\"Der \"nebelspuckende rote Ballon\" aka die Apollo Stage beim Auftritt von Modeselektor | Foto: Diviam Hoffmann\" width=\"885\" align=\"center\" \/><font size=\"-8\">Der &#8222;nebelspuckende rote Ballon&#8220; aka die Apollo Stage beim Auftritt von Modeselektor | Foto: Diviam Hoffmann<\/font><\/p>\n<p>Allerdings liegt zwischen dem kleinsten Venue, der Gloria, und dem gr\u00f6\u00dften, der Orange Stage, in Roskilde noch einiges. Auf Platz zwei der B\u00fchnenstatistik ordnet sich die Arena Stage mit 17.000 Menschen Kapazit\u00e4t ein, wo am Freitagabend bereits einer der d\u00e4nischen Topacts spielte: Die Indie-Band I Got You On Tape. Die vier Musiker um S\u00e4nger Jacob Bellens ver\u00f6ffentlichen in D\u00e4nemark bereits seit 2006 zusammen, doch in Deutschland wird ihr erstes Album erst im September erscheinen. Trotz ihrer relativen Unbekanntheit s\u00fcdlich ihrer Heimat, kann man sie in D\u00e4nemark als alles andere als unbekannt bezeichnen. Ihr Konzert war bis zum Rand des Gel\u00e4ndes gef\u00fcllt, auch wenn die Band davon selbst etwas \u00fcberrascht war, wie mir Schlagzeuger Rune und Gitarrist Jacob am n\u00e4chsten Tag m\u00fcde gestanden. Die Jahre zuvor waren sie wie fast alle jungen D\u00e4nen selber als Festivalbesucher in Roskilde gewesen und haben nach eigenen Angaben vor der Arena Stage ihre \u201elegend\u00e4rsten\u201c Konzerterlebnisse gehabt. Tats\u00e4chlich hatten sie bei ihrer Platzierung auf diese B\u00fchne etwas Angst, dass nicht genug Menschen kommen w\u00fcrden. Doch es wurde ihre bisher gr\u00f6\u00dfte Show, trotz einigen weiteren Festivalgigs dieses Jahr.<\/p>\n<p>Ihr Musikstil ist dabei stark von dem melancholischen Gesang von Bellens gepr\u00e4gt, er verlie\u00df auch als einziges Bandmitglied das Festival schon kurz nach dem Konzert, vielleicht weil er das gr\u00f6\u00dfte Wiedererkennungspotenzial der vier Mitglieder hat. Die anderen blieben und taten das, was sie die letzten Jahre gemacht haben, viele Bars besuchen und sp\u00e4t im Matsch des Campingplatzes landen. Das Festival macht vor allem die Energie aus, die von so vielen Menschen ausgeht, die zusammen die Musik genie\u00dfen. Das sp\u00fcre man nicht nur als K\u00fcnstler auf der B\u00fchne, sondern besonders im Publikum.<\/p>\n<p><center><div data-code=\"&lt;iframe loading=&quot;lazy&quot; width=&quot;885&quot; height=&quot;332&quot; src=&quot;http:\/\/www.youtube.com\/embed\/9G9qp2o0pPc&quot; frameborder=&quot;0&quot; allowfullscreen&gt;&lt;\/iframe&gt;\" data-esccode=\"PGlmcmFtZSBsb2FkaW5nPSJsYXp5IiB3aWR0aD0iODg1IiBoZWlnaHQ9IjMzMiIgc3JjPSJodHRwOi8vd3d3LnlvdXR1YmUuY29tL2VtYmVkLzlHOXFwMm8wcFBjIiBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuPjwvaWZyYW1lPg==\" data-src-host=\"www.youtube.com\" class=\"embed-wrap\"><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/9G9qp2o0pPc\">http:\/\/www.youtube.com\/embed\/9G9qp2o0pPc<\/a><\/div><\/center><\/p>\n<p>Die K\u00fcnstler, die nach I Got You On Tape an den folgenden Abenden dieselbe B\u00fchne bespielen sollten, k\u00f6nnen sich \u00fcbrigens sehen lassen \u2013 darunter sind M83, Paul Kalkbrenner, Friendly Fires und Bon Iver. Besonders dass sie f\u00fcr Letzteren eine Art Vorband waren, beeindruckt Jacob und Rune von I Got You On Tape. Und wir konnten uns gar nicht vorstellen, dass noch mehr Menschen kommen k\u00f6nnten, als bei ihrem Konzert schon da waren. Gleichzeitig fragten wir uns, weshalb ein Headliner wie Bon Iver, der besonders im letzten Jahr viele Fans dazu gewonnen, zwei Grammys f\u00fcr sein selbstbetiteltes Album erhalten hat und sich bei Liebhabern der verschiedensten Musikrichtungen gro\u00dfer Begeisterung erfreut, nicht auf der Orange Stage spielt. Ist ein \u00fcberdachter, etwas abgelegener Ort besser f\u00fcr die stillen Parts seiner Musik, die sich unter freiem Himmel vielleicht verlieren k\u00f6nnten?<\/p>\n<p>Doch die Antwort war, Justin Vernons Gro\u00dfprojekt Bon Iver konkurrierte mit einem anderen Headliner: Bruce Springsteen, der etwas fr\u00fcher auf der Orange Stage beginnen sollte. Nach einer halben Stunde, die ich mir dort den \u201eBoss\u201c angesehen habe und die Freude auf den Gesichtern der unheimlich vielen Zuschauer genossen habe \u2013 viele davon waren Tageskartenbesitzer, die wohl genau deshalb den Weg aufs Festivalgel\u00e4nde gewagt haben \u2013 machte ich noch mit genug Spare-Time vor Beginn des Konzertes den Weg zu Bon Iver, um einen guten Platz zu bekommen, denn besonders live ist die Gruppe um Justin Vernon ein ziemliches Erlebnis. Unter anderem zwei Schlagzeuger und ein extra Percussionist, Streicher, mehrere Gitarren und Vernon selbst an Reglern f\u00fcr Stimme und Gitarre machen ganz sch\u00f6n Eindruck. Leider ging nicht ganz auf, was die B\u00fchnenkoordination geplant hatte, n\u00e4mlich, dass sich die Besucher aufteilen w\u00fcrden \u2013 und damit war das Konzert enorm \u00fcberf\u00fcllt. Zur d\u00e4nischen Konzertatmosph\u00e4re scheint es au\u00dferdem zu geh\u00f6ren, sich laut \u00fcber das Gesehene auszutauschen und besonders in ruhigen Phasen laut zu jubeln und zu klatschen, und so bekam man von der mitunter doch sehr leisen Musik dieses K\u00fcnstlers nicht viel mit. F\u00fcr die Band allerdings war es sichtlich ein Erlebnis, vor dieser gro\u00dfen, euphorischen Menge zu spielen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.byte.fm\/magazin\/images\/rboniver_600.jpg\" alt=\"Justin Vernon von Bon Iver und seine unvorteilhaften Koteletten | Foto: Christian Hjorth\/ Roskilde Festival\" width=\"885\" align=\"center\" \/><font size=\"-8\">Justin Vernon von Bon Iver und seine unvorteilhaften Koteletten | Foto: <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/photo.php?fbid=10150866200301706&amp;set=a.10150854497196706.390568.10248811705&amp;type=3\" target=\"blank\">Christian Hjorth\/ Roskilde Festival<\/a><\/font><\/p>\n<p>Und so wechselte der Samstag mit dichtem Gedr\u00e4nge beim Verlassen der Arena Stage in den Sonntag \u00fcber. Gefeiert wurde an der Apollo-B\u00fchne oder sich einfach nur zu seinen Zeltpl\u00e4tzen begeben, wo jedes Jahr schlie\u00dflich auch viele Aktionen starten. Am Sonntag konnte auch noch die sch\u00f6nste Campinggemeinschaft gew\u00e4hlt werden und der letzte Tag des Festivals wartete mit erneut sch\u00f6nen Line-up auf. Neben den schon erw\u00e4hnten Nils Frahm und Shlomo, auch R. Stevie Moore, Santigold, den Alabama Shakes, Amadou &amp; Mariam, Machine Head, auch noch ein weiteres Highlight f\u00fcr viele und gleichzeitig der letzte Act des B\u00fchnenprogramms: die isl\u00e4ndische S\u00e4ngerin Bj\u00f6rk. Sie geh\u00f6rt zu den K\u00fcnstlern und K\u00fcnstlerinnen, die bisher am h\u00e4ufigsten auf dem Roskilde-Festival aufgetreten sind. Ihre 2012er Show stand ganz im Zeichens ihrer naturverbundenen und Natur thematisierenden aktuellen Platte \u201eBiophilia\u201c, es wurden Vulkanausbr\u00fcche simuliert und musikalisch auf die Erde herabgesehen. Begleitet wurde Bj\u00f6rk dabei nicht von einer kompletten Live-Band, sondern nur von einem M\u00e4dchenchor aus Island, einem britischen Percussionspieler und einem Beatabfahrer und DJ aus \u00d6sterreich. Sie machten Eindruck zusammen, wenn der Fokus des Konzertes auch ganz klar auf Bj\u00f6rks Gesang lag. Einige fanden es tats\u00e4chlich etwas langweilig, doch performte Bj\u00f6rk souver\u00e4n und ihrem Stil treu. Und nicht nur zum Ende bedankte sie sich immer wieder auf d\u00e4nisch mit \u201eTak! Tak! Tak!\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.byte.fm\/magazin\/images\/rbjoerk_600.jpg\" alt=\"Extravaganz f\u00fchrt zu Unbeweglichkeit im schwarzen Weltraum-Mini | Foto: Steffen J\u00f8rgensen\/ Roskilde Festival\" width=\"885\" align=\"center\" \/><font size=\"-8\">Extravaganz f\u00fchrt zu Unbeweglichkeit im schwarzen Weltraum-Mini | Foto: <a href=\"\/\/\" target=\"_blank\">Steffen J\u00f8rgensen\/ Roskilde Festival<\/a><\/font><\/p>\n<p>So ging das Roskilde-Festival in D\u00e4nemark mit all seinen Superlativen, seinem Engagement und seinen Menschenmassen f\u00fcr einige nach neun Tagen, f\u00fcr andere nach nur vieren zu Ende. Viele G\u00e4ste hatten sich schon fr\u00fcher auf den Weg gemacht \u2013 zur\u00fcck nach Kopenhagen, das nur etwa 30 Kilometer entfernt ist und von der festivaleigenen Bahnstation ziemlich schnell zu erreichen, doch die meisten brachen nach Bj\u00f6rk auf, sodass man diesen Weg noch einmal gemeinsam verbringen konnte, mit freundlichen Co-Besuchern und helfenden H\u00e4nden beim Gep\u00e4cktragen, die die 200 Meter lange Schlange vorm Bahnhof \u201eRoskilde Festivalpladsen\u201c ertr\u00e4glicher machten.<\/p>\n<p>Es sind die vier- bis f\u00fcnfstelligen Zahlen, die man immer wieder nennt, wenn man auf die Kapazit\u00e4ten der B\u00fchnen hinweisen will, die den gr\u00f6\u00dften Roskilde-Eindruck verdeutlichen: die M\u00f6glichkeit, Open-Air-Konzerte umgeben von Tausenden von Menschen zu sehen. Wenn man dabei noch st\u00e4ndig angelacht wird, auf einer fremden Sprache mehrmals am Tag ein tolles Festival gew\u00fcnscht bekommt und man auf dem Weg zu einem anderen K\u00fcnstler von mindestens zwei fremden Menschen umarmt wird, k\u00f6nnen auch Regen, schmerzende F\u00fc\u00dfe, kreischende Fans in stillen Phasen oder riesenhafte Bildschirme nicht so schlimm sein.<\/p>\n<p>Wenn Ihr \u00fcbrigens noch mehr Lust habt auf Eindr\u00fccke aus Roskilde mit ein paar akustischen Erinnerungen aus dem \u00c4ther, k\u00f6nnt Ihr im Programm von ByteFM am Samstag, den 14. Juli, ab 18 Uhr noch einen <a href=\"http:\/\/byte.fm\/sendung\/bytefm-container\/2012-07-14\/2\" target=\"blank\">Container zum Roskilde-Festival<\/a> h\u00f6ren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.byte.fm\/magazin\/images\/r127_600.jpg\" alt=\"Eat this! ByteFM in der Gloria Stage | Foto: Diviam Hoffmann\" width=\"885\" align=\"center\" \/><font size=\"-8\">Eat this! ByteFM in der Gloria Stage | Foto: Diviam Hoffmann<\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund 90.000 Festivalbesucher, 30.000 freiwillige Helfer, 100 % erneuerbare Energien, ein 850 Meter langes Urinal und neun Tage volles Programm inklusive dem wohl hei\u00dfesten Line-up in Europa: Das Roskilde-Festival in D\u00e4nemark ging in die 42. 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