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Kramladen

Bruce Springsteen

ByteFM: Kramladen vom 25.09.2014

Ausgabe vom 25.09.2014: Bruce Springsteen

Der Boss als Rentner? - zum 65. Geburtstag von Bruce Springsteen

Nein, dies wird kein Porträt, keine biographische Entwicklungsgeschichte und auch kein Best-of-Special. In dieser Stunde soll es darum gehen, am Beispiel einiger zentraler Songs von Bruce Springsteen, das Essentielle und das Magische an seinen Song-Erzählungen aufzuspüren. Die großen Themen Zweifel und Verzweiflung, die offene Straße und die vernagelte Zukunft, die Suche nach Seelenheil und die Fundstücke heilloser Desillusionierung ziehen sich durch seine großen Alben, vom Debut „Greetings From Asbury Park, N.J.“ aus dem Jahre 1973 bis zum aktuellen Werk „High Hopes“ vom Januar 2014, dem 18. Studioalbum in 41 Jahren Plattenkarriere. Sein berühmter Song „The Ghost Of Tom Joad“, erstveröffentlicht im gleichnamigen, musikalisch reduzierten Album von 1995, findet sich hier in neuer Band-Bearbeitung erneut veröffentlicht. So greift er immer wieder auf seine alten Themen und Botschaften zurück. Viele seiner Songtexte lesen sich wie eine Neufassung von Szenen aus John Steinbeck’s düsterem Sozial-Roman „Früchte des Zorns“. Doch auch das flüchtige Glück und die Zumutungen der Liebe ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Songrepertoire. Und immer wieder taucht in den Texten eine gewisse Mary auf, etwa im Song „Lost In The Flood“ aus dem Debütalbum von 1973, in dem eine Inkarnation von Mary dem Ich-Erzähler schöne Augen macht. In „Thunder Road” von 1975 ist Mary das verletzte Mädchen, das von ihrem Ritter träumt, in „The River“ von 1980 wird sie schwanger und heiratet. Doch aus Liebe wird Frust und Mary tut so, als wäre ihr alles egal. Und im Album „Devils & Dust“ von 2005 heißt es: „Mein Herz ist in meiner Arbeit, meine Sorgen sind in meinem Kopf und meine Seele ist in Marias Bett.“ Liebe kann ein Ausweg sein, doch auch hier ist Skepsis angebracht, vermitteln die Liebeslieder von Bruce Springsteen. Denn eigentlich überwiegt doch die Enttäuschung und die schmerzliche Erfahrung, dass das Glück nicht festzuhalten ist. Und doch strahlen die Songs trotz Resignation eine enorme positive Energie aus.

Es ist die Kraft der uralten Menschheitsträume, der sehnsüchtigen Fantasien von Liebe, Freiheit, Errettung und Erlösung, an die man nicht aufhört zu glauben, obwohl man doch nur zu gut weiß, dass sie unerreichbar bleiben werden.
Seine besten Songs handelten schon immer von der Weigerung, „die grausamsten Schicksale oder schmerzvollsten Einschränkungen des Lebens zu akzeptieren. Springsteen spornte sein Publikum stets dazu an, den Mut nicht sinken zu lassen, trotz all der Enttäuschungen, Niederlagen, Ungerechtigkeiten und Ängste, die einen bei dem Versuch, hoffnungsvolle Träume Wirklichkeit werden zu lassen, auf Schritt und Tritt verfolgen.“ (Mikal Gilmore)

Sein 17. Studioalbum von 2012 nannte er „Wrecking Ball“ („Abrissbirne“), ein „zorniger Kommentar zur Banken- und Finanzkrise“. In Songs wie „Easy Money“, „Shackled And Drawn“, „Jack Of All Trades“ und anderen des Albums „Wrecking Ball“ zeigte sich Bruce Springstee wütend „auf Politiker, die Menschen in unsinnige Kriege schicken. Auf die Geldhaie in der New Yorker Wall Street. Und auf Ausbeuter in den Firmenetagen, die sich auf Kosten der hart arbeitenden, einfachen Leute die Taschen füllen und das Land ruinieren.“ (dpa)
Zu seinem 65. Geburtstag am 23. September wurde Bruce Springsteen allenthalben als einer der wichtigsten Rocksänger, Songschreiber und Performer der Popgeschichte und als eine der zentralen Persönlichkeiten der Popkultur gefeiert.

Und die Rockbibel „Rolling Stone“ schrieb, Bruce Springsteen sei in die Rockgeschichte eingegangen als „ein konkurrenzloser Songwriter und vollendeter Künstler, dessen stets sorgfältigst gearbeitete Alben eine leidenschaftliche und intelligente Bestandsaufnahme der Schicksale einer ganzen Generation darstellen. Er ist der herausragendste Live-Performer in der Geschichte des Rock’n’Roll, hat sich selbst als ein Gefangener der Musik, die er liebt, bezeichnet und spielt jede Show so, als wäre es seine letzte. Manche sagen, dass er den Rock’n’Roll im Alleingang aus der Banalität seiner Post-Sixties-Flaute geführt hat. Überdies hat seine Musik ein Bewusstsein geschaffen, dem der Niedergang des amerikanischen Traums im Zuge des gierigen Beutezugs des Landes nicht entgangen ist.“

Trotz Eintritt ins Rentenalter darf man von Bruce Springsteen noch einiges erwarten - nicht nur sein erstes Kinderbuch „Outlaw Pete“ (benannt nach dem gleichnamigen Springsteen-Song aus dem Album „Working On A Dream“ von 2009), das im November auf den Markt kommen soll und schon jetzt als künftiger Bestseller gehandelt wird.