Presseschau 28.01.: Von Popsäuen und Herzenshygiene

28.02.2011 von  

„Es hatte in erster Linie was mit Herzenshygiene zu tun“, erklärt Judith Holofernes heute in der taz ihre klare Absage an die Bildzeitung, für deren Werbekampagne nicht zur Verfügung zu stehen (wir berichteten). Auch bei jetzt.de findet sich ein Interview. Die Bild wiederum nutzt derweil den offenen Brief der Wir-sind-Helden-Frontfrau und druckt ihn als Werbeanzeige in der heutigen taz: „Danke für ihre ungeschönte und unentgeltliche Meinung, Frau Holofernes“. Clever gelöst von der Bild könnte man meinen, Frau Holofernes hält das ganze allerdings für eine „ziemlich zahnlose Dominanzgebärde“ und merkt zudem an: „Interessant übrigens, dass sich die taz dafür zur Verfügung stellt.“

In Los Angeles wurden die Oscars verliehen, die wenig Überraschendes zu bieten hatten. Neben den strahlenden Preisträgern (u.a. Natalie Portman, Christian Bale, Melissa Leo) auch ein etwas müde lächelnder Sieger Colin Firth. Ob er wohl froh ist, den Preisverleihungsmarathon hinter sich zu haben? Den Oscar für die beste Filmmusik ging an Trent Reznor für den Sountrack zu „The Social Network“, für den der Nine-Inch-Nails-Frontmann vor einigen Wochen auch schon einen Golden Globe einheimste (wir berichteten). Mehr zu der Preisverleihung und den Gewinnern gibt es hier.

„Ich bin halt immer noch eine Popsau“ – die taz war zu Gast bei Martin Gretschmann (seines Zeichens Kopf von Console, DJ Acid Pauli und Mitglied bei The Notwist) und begab sich mit ihm auf die Suche nach dem „besonderen Geräusch“. Das finde sich sowohl im italienischen Schlager als auch im Knirschen unter den FĂĽĂźen, wenn man ĂĽber den dichten Weilheimer Schnee spaziert. Wichtig fĂĽr Gretschmann dabei: “Ich mag Musik, die nichts von einem will, die einen nicht fordert.”

Von der Popsau zur Rocksau: Musik in jedem Geräusch hört auch Liam Gallagher, und das schon seit Kindestagen: „Die anderen Jungs spielten Fußball, und ich hörte schon eine Melodie, wenn nur ein Hubschrauber vorbeiflog. Tack-tack-tack-tack-tack.“ Liam und sein Beady Eye-Kollege Gem Archer stellten sich für die FAZ den Fragen von Literatin Alexa Hennig von Lange. Herausgekommen ist ein kurzweiliges Interview, in dem deutlich wird, dass es den Herren manchmal geht wie einem selbst: die besten Ideen hat man im Bett, „vermutlich, weil man zu fertig ist, um sich vom Verstand kontrollieren zu lassen“?! Kann sein.

Verstand und Rock’n Roll schlieĂźt sich also beinahe aus. Diesen Satz wĂĽrde wohl auch Geoff Travis vom Label Rough Trade unterschreiben, das Anfang der Nuller Jahre die Strokes unter Vertrag nahm. Er formuliert es so: „It seems too easy but it’s so hard to do. Rock’n’roll is not intellectual – it’s primal, it’s emotional. The Strokes just had it, really.” Nach fĂĽnfjähriger Pause veröffentlichen die New Yorker im März ein neues Album, im Guardian findet sich ein Interview mit Julian Casablancas & Co.

Unfreiwillig zum „Popstar“ mutiert auch gerade Muammar al-Gaddafi – ein israelischer Musiker hat in einer wĂĽtenden Ansprache des libyschen Dikators „alle notwendigen Elemente fĂĽr einen Hit“ ausgemacht, vor allem “Die Wiederholung der Worte, die besondere Kleidung und das Hochwerfen der Arme wie in einer Siegesbewegung.” Song und Video seien bei Youtube, so die taz, derzeit der Hit.

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