Dead Can Dance – "Anastasis"

06.08.2012 von  

Dead Can Dance - AnastasisVÖ: 10.08.2012
Web: deadcandance.com/
Label: PIAS Recordings

Es geht hier um nichts geringeres als eine Wiederauferstehung. Allein der Name vom neuen Dead-Can-Dance-Album ist eine AnkĂŒndigung: “Anastasis”, das ist die Höllenfahrt Jesu in der byzantinischen Mythologie. Nach dieser Sage stieg Jesus in die Unterwelt hinab, um die MĂ€nner und Frauen des Altertums zu retten, die unrechtmĂ€ĂŸig verdammt wurden. Gleichzeitig bedeutet das griechische Wort Anastasis Wiederauferstehung.

Totgeglaubte leben lĂ€nger: Dead Can Dance sind zurĂŒck

1996 erschien das letzte Studioalbum, zwei Jahre spĂ€ter die Bandauflösung. Seitdem ein paar Best-of-Alben. Erst 2005 gingen die Masterminds der Gruppe, Lisa Gerrard und Brendan Perry, wieder auf Tour durch die USA, jetzt folgt Großes, Neues in Form eines neunten Studioalbums.

Dead Can Dance machen noch immer großartige Weltmusik, in der man unendlich viele EinflĂŒsse wiederfindet. Ich spreche hier von orientalischen und mittelalterlichen KlĂ€ngen, byzantinischen Mythen, keltischen Liedern, von Gerrards arabisch-nordisch-biblischen Sprachkonstrukten und der TĂ€tigkeit der beiden Musiker als Filmkomponisten. Lisa Gerrard ist mit ihrem Soundtrack zu “Gladiator” sogar mit dem Golden Globe geehrt worden – als bisher erste Frau in der Kategorie Beste Filmmusik.

Ein Album wie ein Film

Cineastisch ist auch das Gebilde des neuen Dead-Can-Dance-Albums: “Children Of The Sun” leitet die Handlung ein. “We are angels, as ancient as the sun. We came from the ocean”, singt Perry und damit beginnt die Reise zur Wiederauferstehung.

Einen absoluten Höhepunkt erlebt “Anastasis” in “Agape” (gr.: Liebe). Das Lied ist fesselnd, eingehend, dreht sich wie ein Kreisel im Kopf seiner Hörer und kann vermutlich Schlangen beschwören. VerzĂŒckt kann man hier tanzen und/oder den vertrĂ€umt-persischen KlĂ€ngen lauschen. WĂ€re die Platte ein Film, wĂŒrden sich die Helden am Ende von “Agape” in einer WĂŒstenoase wiederfinden und ĂŒber das soeben Erlebte staunen.

Zweimal hinhören lohnt sich

Was auffĂ€llt: Gerrard und Perry singen kaum zusammen. Lisa Gerrards Fantasiesprache ist verzĂŒckend, nimmt den Hörer in eine Traumwelt mit. Aber auch mit dem Ergebnis, dass man bei den von Perry gesungenen StĂŒcken zweimal hinhören muss. Erst einmal bleibt die Bedeutung der Texte im Gesamtklang gefesselt. Aber das gehört zur Magie des Albums.

“Amnesia” ist eines dieser Lieder, und es lohnt sich, nachzuhören. Es besingt den Verlust einer kollektiven Erinnerung: “With every generation comes a memory loss […] nothing seems to last”. Da wird das “Anastasis” ganz konkret und anfassbar, echt. Die RĂŒckkehr zur Mystik erfolgt dann mit Perrys Wunsch: “Memories, set me free”.

Dreht die Uhren zurĂŒck: das Ende vom Film

Am Ende der Platte gibt es noch eine Überaschung: Das keltisch anmutende Lied erweitert mit elektronischen Elementen den Rahmen des Albums. SpĂ€ter singen tatsĂ€chlich – das einzige Mal auf der Platte – Brendan Perry und Lisa Gerrard zusammen. Das DĂ©nouement, der Auflösungspunkt der Geschichte, spielt sich in “All In Good Time” ab. Hier endet auch die Auferstehungsmetapher, Dead Can Dance sind schließlich, 14 Jahre nach ihrer Auflösung, angekommen, wo sie hinwollten: “All is revealed, all in good time. Turn back your clocks, open up your memories”.

Das ByteFM Album der Woche.

Jeden Tag von Montag bis Freitag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Nachmittag zwischen 15 und 17 Uhr und im ByteFM Magazin am Abend ab 19 Uhr. Die ausfĂŒhrliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff “Anastasis” und seiner/ihrer vollstĂ€ndigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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