Hannah Jadagu – „Describe“ (Album der Woche)

Von ByteFM Redaktion, 27. Oktober 2025

Cover des Albums „Describe“ von Hannah Jadagu

Hannah Jadagu – „Describe“ (Sub Pop Records)

Ein Mikrofon. Eine Gitarre. Und ein Smartphone. Hannah Jadagu lebte 2021 den Traum aller Bedroom-Recording-Artists dieser Welt, als sie mit diesem reduzierten Set-up ihre Debüt-EP auf dem renommierten Label Sub Pop Records veröffentlichen konnte. Zwei Jahre später erschien genau dort mit „Aperture“ das erste Album der US-Amerikanerin. Der DIY-Charme ihrer Soundcloud-Singles blieb darauf bestehen, auch wenn ihre intimen, zwischen Indie-Rock und Dreampop changierenden Songs mittlerweile in einem hochprofessionellen Pariser Tonstudio aufgenommen wurden.

Doch wenn man nun die ersten Sekunden ihrer neuen LP „Describe“ hört, könnte man erstmal meinen, dass es sich hier um einen Etikettenschwindel handelt. Anstatt von warm knisternden Gitarrenakkorden wird der Titelsong von einem Synthesizer eröffnet – der kurz darauf von einer digitalen Wall of Sound überrollt wird. Plötzlich singt Jadagus sonst so samtene Stimme von Autotune verzerrt über unruhig zerschnittende Art-Pop-Klangflächen. Schnell wird klar: Die Bedroom-Pop-Künstlerin war einmal.

Künstlerische Entfaltung

Besonders beeindruckend an „Describe“ ist die schiere Menge an immer neuen Klang-Texturen. In „Gimme Time“ wabert ein Rhodes-Piano zwischen rechtem und linkem Ohr. In „Tell Me That !!!!!“ rasseln Trap-Drums aus den Boxen. „My Love“ ist verliebter Indie-Pop mit verspielten Arpeggiatoren und stadiontauglichem Beat. „Couldn’t Call“ besteht ausschließlich aus Stimme, Klavier und Streichquartett. In „D.I.A.A.“ vermischt sich eine verzerrte E-Gitarre mit wummerndem Sub-Bass. Akustikgitarren ertönen selten – und wenn, dann nur im Kontrast mit anderen Instrumenten – wie in „Doing Now“, wo sie im Duett mit einem kräftig groovenden Funk-Bass klimpert. Jeder Song ist anders. Jeder öffnet eine kleine neue Welt.

Und jeder ist, all der neuen Klang-Elemente zum Trotz – unverkennbar ein Hannah-Jadagu-Song. Ihre größte Stärke ist nach wie vor die entwaffnende Intimität, die sie einst vom Schlafzimmer-Studio auf die Festivalbühnen brachte. „Describe“ ist ein Album über eine vom plötzlichen Tour-Lifestyle zerrüttete unfreiwillige Fernbeziehung. Und Jadagu beschreibt sie in feinen Details: „I go out west and maybe / I should be calling you more“, singt sie in „Gimme Time“. „I get back in two days and / I still got nothing to show.“

Ihre Sprache ist nicht blumig, sondern direkt. Und zielt präzise dorthin, wo es wehtut: „This dance that we’ve been doing / Lost its groove.“ „Couldn’t Call“ ist nicht nur musikalisch, sondern auch textlich minimalistisch – Jadagu singt nur drei Worte, die das ganze Drama dieses Albums auf den Punkt bringen: „I couldn’t call.“ „Describe“ ist in jeder Hinsicht ein künstlerische und kreative Entfaltung – doch die Essenz ihrer Kunst, die hat Hannah Jadagu bewahrt.

Veröffentlichung: 24. Oktober 2025
Label: Sub Pop Records

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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