Bildschirmsport und gebrochener Körperfetisch: „Workout“ von Giraffage

 Charlie Yin alias Giraffage. Seine neue Single „Workout“ ist an der Oberfläche eine Fitnesshymne, gesamtästhetisch aber nächer an Tanzflächen- oder Bildschirmsport.

Giraffage (Foto: Holy Mountain)

Bildschirmsport: Giraffages neue Single „Workout“ ist ein treibender Track mit Acid-Bass, der dennoch knapp am Etikettenschwindel vorbeischrammt. Denn der Electro-House-Track des kalifornischen Produzenten Charlie Yin klingt über weite Strecken nach einem Soundtrack zur körperlichen Ertüchtigung, wie sie auf dem Cover steht. Aber eben nur über weite Strecken. Ein 200-Meter-Lauf zu Worten wie „Work That“ wäre vielleicht noch drin, inklusive Motivationssamples einer virtuellen Trainerin. Dann jedoch bricht der Künstler aus San Francisco in Text und Bild den sportfetischistischen Tenor.

Sport ist ein Teil von Giraffages Alltag und „Workout“ hat zweifelsohne motivierendes Potential. Doch die Lust am Sport ist nicht ungebrochen. Die Breaks halbieren die Geschwindigkeit jedes Laufbandes und verdoppeln das Gewicht jeder Hantel. Nur für einen spezifischen Ort der Körperbewegung passt das perfekt. Wo eben nicht wie im Fitnessstudio der Körper hingerichtet wird, damit man ihn später herzeigen kann. Sondern, wo man sich umgekehrt herrichtet, um sich völlig zu verausgaben. Und das ist der Club. Die Tanzfläche funktioniert nicht nach den Regeln der Selbstoptimierung. Auf ihr erzeugen Pausen Spannung, nicht Erschlaffung. Und auch das Video bricht das Bild ziemlich buchstäblich.

Als wäre die Grafikkarte überfordert, wird die Zurschaustellung einer illusorischen Makellosigkeit zum stockenden Zerrbild. Als audiovisuelles Ganzes gemahnt „Workout“ insofern auch an Bildschirmsport, bei dem sich die körperliche Arbeit auf die Controllerbedienung beschränkt. Der Track stellt sich nicht vorne an für einen Platz auf einer Playlist zum Joggen, sondern karikiert stattdessen die zweischneidige Faszination für gestählte Körper.

Die Single „Workout“ von Giraffage ist auf Counter Records erschienen und heute unser Track des Tages. Hört und seht sie Euch hier an:

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