GiGi Girls – „Greatest Hits“ (Album der Woche)

Von ByteFM Redaktion, 20. April 2026

GiGi Girls – „Greatest Hits“

GiGi Girls – „Greatest Hits“ (Papercup Records)

Sein erstes Album „Greatest Hits“ zu nennen, mag vielleicht wie ein Anflug von Größenwahn wirken. GiGi Girls trafen diese Entscheidung aber nicht aus Hybris: „Pop funktioniert oft über Erinnerungen, selbst dann, wenn man etwas zum ersten Mal hört“, erklärt das italienisch-deutsche Trio. Die Band, bestehend aus den Sängerinnen und Musikerinnen Laura Mancini und Hannah Berle sowie Produzent Janosch Pugnaghi, wollte Musik schaffen, die so wirkt, als hätte es sie schon immer gegeben. Die sich so anfühlt, wie ein osbkurer Schatz, über den man in einer Grabbelkiste eines rummeligen Hinterhof-Plattenladens gestolpert ist. An dessen kitschigem Cover man irgendwie hängen bleibt, nur um sich dann vom ersten Ton an in diesen romantischen, unfassbar eingängigen Italo-Dreampop zu verlieben.

Dass diese Mission so gut geglückt ist, liegt nicht nur an dem ausgefeilten Pop-Handwerk hinter den Songs von „Greatest Hits“ – denn GiGi Girls sind ein liebevoll komponiertes audiovisuelles Gesamtpaket. Mancini und Pugnaghi fanden 2021 in Köln beim gemeinsamen Schwärmen über italienischen Pop zueinander. Gemeinsam mit der kurze Zeit später dazugestoßenen Berle komponierten sie in Mancinis Elternhaus in Italien diese zehn hemmungslos verliebten Songs, „ohne Ablenkung, nur Musik, Sonne und gemeinsames Arbeiten“. Doch nur die Klänge erzählen nicht die ganze Geschichte. Schnell wurde klar: Ihr neues gemeinsames Projekt sollte nicht nur diese Musik, sondern die ganze Ästhetik des Genres zelebrieren.

Wie ein obskurer Fund in der Grabbelkiste

Das Musikvideo zur Single „Amore Per Sempre“ (auf Deutsch „Liebe für immer“, natürlich) ist ein nicht endender Vorspann zu einer fiktionalen italienischen Seifenoper, das in seinem körnigen VHS-Look so wirkt, als wäre es irgendwann in den 80ern auf Kassette aufgenommen und seitdem in der Schublade der Wohnzimmerschrankwand zurückgelassen worden. Es zeigt Mancini, Pugnaghi und Berle als Protagonist*innen, in wechselnden Rollen mit stets neuen Kostümen: Verliebte im Brautkleid, Loverboy mit Pornobalken, böse Schwiegermutter mit schwarzem Sonnenhut. Video und Song entfalten einen derart charmanten Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Doch es ist nicht nur Nostalgie, die auf „Greatest Hits“ verzaubert. GiGi Girls kleiden ihren Italo-Pop in die aktuell angesagten Dreampop-Vibes, die ihre Musik dann doch wieder in der Gegenwart erden. Dabei helfen auch Gastauftritte aus der internationalen Dreampop-Szene: „L’Anima“ ist strahlender 80er-Jahre-Pop im Duett mit John Moods, mit Yacht-Rock-Gitarre und Saxofon im Hintergrund – der mit dem Kitsch aber nicht ironisch bricht, sondern die Romantik komplett umarmt. Im Kontrast dazu steht der pulsierende Wave von „Il Futuro“, das düsterste Stück des Albums, in dem Mancini gemeinsam mit dem Finnen Jaakko Eino Kalevi die Gefahren der digitalen Zukunft besingt. Zum Abschluss garnieren GiGi Girls dann noch mit „Küsse in der Sonne“ eine ganz neue Geschmacksrichtung: deutschsprachiger Schlager, näher dran an Hyper- als an Italo-Pop. „Greatest Hits“ ist mehr als nur ein Herunterrattern von bekannten Hit-Formeln: Es ist eine eigenständige, bodenlos charmante Sammlung von Pop-Seltsamkeiten.

Veröffentlichung: 17. April 2026
Label: Papercup Records

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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