Peaches – „The Teaches Of Peaches“ (Album der Woche)

Von ByteFM Redaktion, 8. Dezember 2025

Albumcover von

Peaches – „The Teaches Of Peaches“ (Kitty-Yo)

Da zum Jahreswechsel traditionell wenig neue Musik veröffentlicht wird, nutzen wir die Chance, den Blick in die Vergangenheit zu richten: Statt neuer Langspieler stellen wir wegweisende Alben vor, die 2025 ein Jubiläum gefeiert haben. In dieser Woche ist es „Teaches Of Peaches“ von Peaches, das in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden ist.

Merrill Nisker trägt schrille, pinke Unterwäsche, guckt in die Kamera und tanzt. Es ist der Auftakt zum Video ihrer Single „Set It Off“. Sony hatte das Potenzial der kanadischen DIY-Musikerin erkannt und ihr für diesen Clip ein Majorlabel-Budget spendiert. Wenn man nur im Vorbeigehen zuschaut, setzt sich das Video nicht groß von übersexualisierten Mainstream-Pop-Clips der frühen Nullerjahre ab. Doch dann schaut man etwas genauer hin. Und sieht, dass Nisker hier in einer schmierigen öffentlichen Toilette performt. Und ihre Achselhaare in oktopusartigen Zöpfen unter den Armen hervorranken. Dieses Musikvideo markierte das sofortige Ende der kurzlebigen Zusammenarbeit zwischen Sony und Nisker – und die endgültige Ankunft der Künstlerin Peaches!

Die Verantwortlichen beim Majorlabel hätten eigentlich wissen müssen, worauf sie sich da einlassen. Der Song stammt schließlich von einem Album, das mit der Zeile „Suckin‘ on my titties like you wanted me“ und einem Song namens „Fuck The Pain Away“ beginnt. Nisker, geboren am 11. November 1966 in Ontario, veröffentlichte ihre erste, noch sehr gitarrenlastige LP „Fancypants Hoodlum“ 1995 noch unter ihrem bürgerlichen Namen. Doch „The Teaches Of Peaches“, erschienen im September 2000, war eine Neugeburt.

Aggressiv & sexpositiv

Um die Jahrtausendwende begann sie als Teil des kanadischen Avant-Punk-Untergrunds als Peaches zu performen. Sie tauschte die Riot-Grrrl-Riffs gegen Drumcomputer und Synthesizer – ohne dabei die Dringlichkeit einzubüßen. Im Gegenteil: Von der ersten Sägezahn-Bass-Attacke von „Fuck The Pain Away“ an handelt es sich hier um das punkigste Stück Electro-Clash seiner Zeit. Genau wie ihre Berliner Labelkollegen Jeans Team (deren Single „Keine Melodien“ Nisker als B-Seite coverte) schuf sie einen kompromisslosen Baller-Sound, der gleichzeitig minimalistisch-avantgardistisch und hinterrücks catchy daherkommt.

Der genauso kaputte wie hochtreibende Sound harmoniert perfekt mit Niskers konfrontativen Texten. Peaches singt, rapt und schreit viel über Sex – und das aus einer Position der Selbstermächtigung: „I like the innocent type, deer in the headlight“, spricht sie in „AA XXX“ über knarzende MC-505-Drums. In dieser aggressiv körperlichen Ästhetik ist auch viel Platz für Humor: Im selben Song behauptet sie, ihren Selbstrespekt in der Gebärmutter zu verstecken – während sie in „Rock Show“ über eines der wenigen Gitarren-Riffs der LP das Maximum an Spaß aus dem Reim „Rock“ und „Cock“ herausholt. Dieser aggressive sexpositive Feminismus ist heutzutage in der Post-„WAP“-Ära vielleicht nicht mehr so schockierend – doch 2000 handelte es sich hier um eine Explosion. Die auch 25 Jahre später immer noch unglaublich befreiend wirkt.

Veröffentlichung: 5. September 2000
Label: Kitty-Yo

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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