Gene Simmons' Sechzigster

Ein Feindbild wird 60. In den Siebzigern ging kein Weg vorbei an Gene Simmons und Kiss.

Letztes Jahr feierten Kiss ihr 35jähriges Bandbestehen. In dieser Zeit sah die Band viele Lead-Gitarristen kommen und viele Schlagzeuger gehen. Nur er, Gene „The Demon“ Simmons, und Paul „The Starchild“ Stanley gehörten die ganze Zeit über zum Line-Up der Band.

Angriffsfläche boten Gene Simmons und Kiss allerorten, sowohl für die Elterngeneration, als auch für die Musikgemeinde.
Die Erstgenannten sahen ihre Kinder schon abrutschen in eine okkulte Szene. Die Band, die – lange vor Turbonegro – ihre eigene Armee hatte, mit Siegrunen im Bandlogo, gekleidet in Leder, Metall, Schminke und Plateauschuhe, Kunstblut spuckend und offensiv-sexuell bis martialisch auftretend – man denke nur an Simmons‘ Bassgitarre in Axtform und seine unverschämt lange Zunge – machte es der Gegenseite nur allzu leicht.
Doch auch die Musikbegeisterten fanden immer wieder Grund zum Aufschrei. Spätestens mit „I Was Made for Lovin‘ You“ waren Kiss mehr Disco als Rock, und auch der ungezähmte Ausbau des Merchandise-Imperiums um Kiss schmeckte nicht jedem.

Apropos Fan-Artikel: bis heute bleiben Kiss unnerreicht, was die Vielseitigkeit des Angebots angeht. Welche andere Band kann sich schon rühmen, ihre eigenen Flipperautomaten oder Marvel-Comics verpasst bekommen zu haben. Von Brettspielen, Actionfiguren und Schminkutensilien einmal ganz abgesehen.

Der Einfluss, den Kiss auf die Musikwelt – vor allem auf die Achtziger – hatte, kann kaum zu groß eingeschätzt werden. Der Musikkritiker Stephen Thomas Erlewine schreibt dazu:
„Die Musik von Kiss war eine kommerziell funktionierende Mischung aus hymnischem, gitarrengeprägtem Hard Rock und Balladen, bei denen die Gitarren […] wegflossen. Das war der Sound, der den ‚Stadion-Rock‘ und den ‚Pop-Metal‘ ermöglichten, die später in den 1980er Jahren die Rockmusik beherrschten.“ (Stephen Thomas Erlewine – Kiss. In: Erlewine, Michael (ed.), All Music Guide To Rock. San Francisco, 1995.)

Und jetzt, zum Sechzigsten? Seine Autobiographie hat Gene Simmons schon im Jahr 2002 veröffentlicht und die letzte Welttournee, die zum 35jährigen Bestehen der Band, liegt gerade mal ein Jahr zurück. Jetzt steht fest: es wird ein neues Album geben. „Sonic Boom“ ist das erste Album seit 11 Jahren und erscheint diesen Herbst. Anfangs wird es nur bei Wallmart erhältlich sein. Auch dafür wird es bestimmt wieder Schelte geben.

Wir wünschen Gene Simmons alles Gute zum Geburtstag!

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