Diana Ross: die Disco- und Soul-Ikone wird 75

Diana Ross (Mitte) mit ihrer ersten Band The Supremes

Diana Ross (Mitte) mit ihrer ersten Band The Supremes (Foto: GAC-General Artists Corporation-IMTI-International Talent Management Inc. [Public domain], via Wikimedia Commons)

60 Jahre ist es dieses Jahr her, da gründete Berry Gordy eine Plattenfirma, die nicht nur Soulgeschichte geschrieben hat, sondern auch untrennbar mit der Stadt Detroit verbunden ist: Motown Records. Das erklärte Ziel lautete, schwarzen Soul mainstreamtauglich zu machen – also auch beim weißen Publikum erfolgreich zu sein. Wie ein „Control-Freak“ hatte Berry Gordy überall seine Finger im Spiel, er schrieb seinen KünstlerInnen ganz genau vor, was sie zu tun und zu lassen hatten. Stars wie Stevie Wonder oder Marvin Gaye mussten sich ihre künstlerische Freiheit dann in den 70ern erst hart erkämpfen. Das Prinzip der Massenproduktion des Autoherstellers Ford, der in Detroit groß geworden war und bei dem Gordy gearbeitet hatte, übertrug er ab 1959 auf seine eigene Firma: „Hitsville U.S.A“ – Motown, die Hit-Fabrik.

Mit keiner seiner Bands ging dieser Plan so gut auf wie mit den Supremes in der zweiten Hälfte der 60er. Nicht Stevie Wonder, nicht Marvin Gaye, nicht The Temptations, sondern The Supremes sind bis heute der kommerziell erfolgreichste Motown-Act. Auch – oder vielleicht vor allem – wegen der ersten Schwarzen Pop-Diva, die mit den Supremes ihre beeindruckende Karriere startete: Diana Ross, die heute 75 wird.

Die erste Schwarze Pop-Diva

Mitte der 60er galten The Supremes als die unangefochtenen Königinnen der Pop-Musik. Die dreiköpfige Gruppe um Diana Ross war die einzige, die es in der Zeit mit den Beatles aufnehmen konnte: zwölf Nummer-1-Hits in nur fünf Jahren. Dabei musste die Band um Diana Ross strikten Regeln folgen, besonders wichtig war die perfekte Präsentation nach außen. Jahrelang musste Diana Ross, wie alle anderen Künstlerinnen und Künstler bei Motown auch, durch die harte Benimm-Schule von Maxine Powell, die Motown-Acts erklärte, wie man sich elegant auf der Bühne bewegt, in der Öffentlichkeit spricht, aus einem Auto aussteigt.

Mit ihrem adretten und durchgestylten Auftreten gelang es den Supremes auch die weißen Pop-Charts zu stürmen. Alles andere als eine Selbstverständlichkeit, in einer Zeit, als auch im Radio und in den Hitparaden das Kriterium „Hautfarbe“ noch eine entscheidende Rolle spielte. Mit ihrem Erfolg ebneten Diana Ross & The Supremes den Weg für andere Bands, wie etwa The Jackson 5. Ein Weg, den Diana Ross ab 1970 auch selbst als Solokünstlerin weiterging: Mehrere Kinofilme, über 100 Millionen weltweit verkaufte Platten, 28 Nummer-1-Hits, dazu eine Oscar-Nominierung für ihre Darstellung von Billie Holiday im Film „Lady Sings The Blues“.

Musikalisch entwickelte sich Ross dabei immer weiter: In den 70ern wurde sie zu einem schillernden Stern am Disco-Himmel. Mit Songs wie „I’m Coming Out“, der ihr vom Chic-Produzenten-Duo aus Nile Rogers und Bernard Edwards auf den Leib geschrieben wurde und erst ein Duett mit Aretha Franklin werden sollte, lieferte sie eine Hymne für ihre schwulen Fans, die im prüden Amerika der 70er-Jahre in den Discos mitunter Safe Spaces fanden.

Blaupause und Inspiration für andere Künstlerinnen

Als erste afroamerikanische Pop-Diva lieferte Diana Ross die Blaupause für Künstlerinnen wie etwa Whitney Houston, Beyoncé oder Rihanna und war Inspiration für andere Entertainerinnen wie Fernsehstar Oprah Winfrey: „Als ich zehn war“, so sagte Winfrey in einem Interview, „sah ich Diana Ross zum ersten Mal in der Ed Sullivan Show. Es ist heute unvorstellbar, aber man muss sich klarmachen: Mitte der 60er sah man normalerweise keine schwarzen Menschen im Fernsehen. Für ein Mädchen wie mich gab es niemanden, mit dem man sich identifizieren konnte. Und dann: Diana Ross. Eine schwarze Frau, glamourös und schön, die gleichzeitig aber auch Hoffnung und eine Perspektive verkörperte. Dieser Moment hat mein Leben verändert.“

Sich selbst bezeichnete Diana Ross wiederholt als Workaholic, doch besonders wichtig war und ist ihr die eigene Familie, fünf Kinder hat Ross großgezogen. Und diese würdigte sie als sie 2012 bei der Grammy-Verleihung den Lifetime Achievement Award entgegennahm mit den Worten, die wichtigste Errungenschaft ihres Lebens sei ihre Familie. Auf der diesjährigen Grammy-Verleihung performte sie noch ein Motown-Medley zur Feier des 60-jährigen Jubiläums ihres Labels. Doch auch Diana Ross kann heute gefeiert werden: Die Pop-, Soul- und Disko-Ikone wird heute 75.

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