„Unser Album ist wie ein großes Buffet“ – The Middle East im Gespräch

Die Elbe glitzert an diesem Tag im Sonnenlicht, der Himmel über Hamburg ist wolkenlos und erweckt ein wenig das Gefühl von Frühling in Australien. So vielleicht empfinden es auch Rohin Jones und Jordan Ireland der Band The Middle East, die ihre australische Heimatstadt Townsville für ein Interview in der Hamburger Hansestadt verlassen haben.

Viel von der schönen nordischen Stadt sehen Jones und Ireland jedoch nicht, denn die beiden Musiker stellen gleich klar, dass sie sich aufgrund der vielen Interviews kaum aus dem Haus bewegen. „An diesem Morgen haben wir uns Whiskey in den Kaffee gekippt,“ gibt Ireland zu, „so gegen 9 oder 10 Uhr. Das ist einfach nur widerlich.“ Und Jones bemerkt: „Aber wenn man einen Tag voller Interviews hat – was bleibt einem da anderes übrig?“

Kaffee mit Schuss hat nun leider keine belebende Wirkung. Jones und Ireland sind alles andere als euphorisch. Gelangweilt zupft Jones an seiner Gitarre, läuft auf Wollsocken durch den Raum, während Ireland peinlich berührt auf den Boden starrt und mir ein Glas Wasser anbietet („Look at that – ‚Hella Natural‘.“).

Träge erzählen mir die beiden, wie The Middle East entstanden sind. Eigentlich sollte es nur ein kleines Sommerprojekt sein, das Rohin Jones 2005 ins Leben gerufen hat, doch bald entwickelte sich mehr daraus. Er holte sich Jordan Ireland und fünf weitere Freunde ins Boot, die Musik machten, weil es in Townsville nun einmal nichts anderes zu tun gab. Gemeinsam veröffentlichten sie 2008 ihr Debütalbum „The Recordings Of The Middle East“. Dabei fanden Jones und Ireland ihre musikalische Inspiration vor allen Dingen in ihrer Familie.

„Wir beide wuchsen in musikalischen Familien auf,“ erklärt Jones. „Jordans Vater spielt Tuba und meine Eltern sangen beide in Gypsy-Bands. Sie reisten herum und spielten auf den Riverfestivals in Australien. Also wuchs ich auf der Straße auf. Vor ein paar Jahren landete ich dann in Townsville und fing an, Musik zu machen.“

The Middle East trafen auf offene Ohren. Ihre Songs wurden in Film und Fernsehen verwandt und bald tourten sie mit Bands wie Mumford & Sons und den Doves. Dazu bemerkt Jones: „Es war schon eine verrückte Tour mit den Doves, und darüber hinaus war es sehr stressig. Sie hatten viel Equipment auf der Bühne und wir waren sieben Leute und hatten auch viele Gerätschaften dabei. Aber einen zugedröhnten Jimi herumtorkeln und mit sich selbst reden zu sehen, war einfach nur lustig.“ Ireland nickt bejahend: „The Doves sind schon eine gute Band – und außerdem ein guter Vogel.“

Ihr aktuelles Album „I Want That You Are Always Happy“ produzierten The Middle East unter anderem während der Tour. Sie machten die Aufnahmen in England und den USA, anders als bei ihrem Debüt, das sie nur in ihrem eigenen Studio in Townsville aufzeichneten.

„Es war ein langer Weg zum Album – ein ganz anderer Aufnahmeprozess als bei unserem Debüt,“ stellt Jones fest. „Wir wussten auch nicht genau, was wir wollten. Dabei hatten wir uns vorgenommen das Album besser zu machen als das davor. Es war schon eine heikle Angelegenheit.“ Und Ireland fügt hinzu: „Da wir es während der Tour aufnahmen, hatten wir natürlich nicht genug Zeit, um uns richtig auf die Songs zu konzentrieren. Aber ich denke, wir sind ganz zufrieden damit. Leute können es kaufen oder nicht.“ Er überlegt kurz: „Nein, kauft es! Wirklich, kauft es!“

„I Want That You Are Always Happy“ ist ein stimmiges Folk-Album mit ruhigen und verträumten Songs, aber auch heiteren Gitarrenstücken.

„Es ist wie ein großes, langes Buffet. Eine langsame, sich bewegende Reihe, aber mit dem immer gleichen Gericht, wieder und wieder. Immer ein wenig anders zubereitet oder einfach nur in verschiedenen Schalen und Töpfen.“ Jones wirkt plötzlich etwas wacher und gestikuliert wild mit den Händen. Auch Ireland lässt seiner Fantasie freien Lauf: „Es könnte so ähnlich wie Fisch mit Eiscreme sein.“

Diese interessante Mischung spiegelt sich auch in den Texten ihrer Lieder wieder. „Jesus Came To My Birthday Party“ ist ein Gute-Laune Song, der jedoch – anders als vermutet – nur wenig mit Religion zu tun hat.

„Dieser Song ist durch ein Gedicht entstanden, das ich mal gelesen habe. Es sollte nichts bedeuten. Jesus könnte alles oder nichts damit zu tun haben, keine Ahnung. Doch wir sind schon in einem religiösen oder vielmehr spirituellem Umfeld aufgewachsen.“ Ireland hat keine große Lust, näher auf „Jesus Came To My Birthday Party“ einzugehen. Er hat diesen Song halt geschrieben, weil ihm danach war. Ein großartiger Sinn verbirgt sich kaum dahinter. „Ich mag „Jesus Came To My Birthday Party“, weil ich Geburtstagsparties mag. Ich mag Jesus und ich mag den Song,“ erklärt er.

Jones hat sich währenddessen seine Sonnenbrille im John-Lennon-Stil aufgesetzt. „Kennst Du „Pass The Parcel“?,“ fragt mich Ireland schließlich. „Das ist ein Geburtstagsspiel, bei dem ein in mehrere Lagen verpacktes Päckchen von Person zu Person gereicht wird. Es wird so lange ausgepackt, bis der letzte – der Gewinner – den Inhalt enthüllt hat. Wir könnten es jetzt spielen.“ Angestrengt sucht er mit den Augen nach etwas Geeignetem, doch zwei Sekunden später hat er schon wieder das Interesse verloren.

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