
Arlo Parks – „Ambiguous Desire“ (Transgressive)
Leidenschaft ist ein Motor. So sagt es Arlo Parks, begleitend zu ihrem neuen Album „Ambiguous Desire“: „Leidenschaft ist eine Lebenskraft, ein Verlangen, eine Sehnsucht, eine Bewegung – wir sind alle am Leben, weil wir irgendetwas oder irgendjemanden wollen.“ Dieser Motor hat sie an einen unerwarteten Ort gebracht: Die dritte LP der Künstlerin, die bisher für ihre Mischung aus intimem Dreampop, Indie-Rock und R&B bekannt war, ist ein Club-Album geworden! „I got this desire in me / I just wanna leave it all to yesterday“, singt Arlo Parks in „Nightswimming“ über House-Piano und 2-Step-Drums.
Ihr mit dem Mercury-Prize ausgezeichnetes Händchen für wohlige Gänsehaut erzeugende Pop-Kunst hat sie aber nicht im Gestern gelassen – denn „Ambiguous Desire“ ist beileibe keine Party-Platte geworden. Für unseren Album-der-Woche-Künstler Joshua Idehen ist der Club ein gemeinschaftlicher Ort, doch bei Parks ist es das introspektive Element, das sie reizt.
Selbstzweifel auf dem Dancefloor
Entstanden sind die neuen Songs quasi im Selbststudium: Denn vor den Aufnahmen zu ihrem dritten Album tauchte Arlo Parks in die Clubszene von London, Los Angeles und Brooklyn ein, erlebte euphorische Nächte zwischen Strobo und Bässen: „Ich habe mich in den letzten zwei Jahren, in denen ich an diesem Album gearbeitet habe, in die nächtlichen Räume verliebt“, sagt Parks. „Das waren Orte, an denen ich sein konnte, wer immer ich wollte – vom Abseitsbleiben bis hin zum völligen Eintauchen und stundenlangen Tanzen“, beschreibt Arlo Parks diese Zeit im Nachgang. Eine große, ekstatische Menschenmenge auf der Tanzfläche schafft aber nicht nur Verbundenheit, sondern kann auch bewirken, dass man mehr mit sich selbt in Kontakt tritt.
Im Guten wie im Schlechten. So ist „Ambiguous Desire“ gleichzeitig ihr tanzbarstes, paradoxerweise aber auch ihr introvertiertestes Album. Viele der Songs stampfen mit House-Grooves und Bässen nach vorne, doch lassen immer Raum für Parks’ sich selbst hinterfragende Melodien-Schleifen. So ist „Get Go“ von einem kräftig pumpenden Beat angetrieben, während ihre Stimme Sätze wie „I kinda wish I wasn’t me“ singt. „Clarity lies in the direction of pain“, singt die samtene Stimme von Feature-Gast Sampha in „Senses“. Parks’ Musik klingt so pulsierend wie noch nie, doch ihr Kopf ist klar, mit fokussiertem Blick nach innen. Die Worte sind ebenso schlicht wie messerscharf: „I felt so dumb / When I told you square / I was suicidal in Brazil“, singt sie im Trip-Hop-Exkurs „Beams“. „I know it’s not a way / To treat people you love“.
Was befreit sie aus dem Selbstzweifel? Verlangen, natürlich: „Baby could you pull me out? / Yeah could you stay and dance with me? / Yeah I don’t want to ever leave“. Diesen Effekt erhofft sich Parks am Ende auch von ihrem Album: „Ich möchte, dass es Musik ist, die man in Bewegung erlebt – im Bus oder in der Abenddämmerung mit Freunden, auf dem Weg zum Club oder auf dem Rückweg. Diese Songs helfen einem, wieder zu sich selbst zu finden.“
Veröffentlichung: 3. April 2026
Label: Transgressive
