Kitty Solaris – „James Bond“ (Album der Woche)

Von ByteFM Redaktion, 22. Juli 2024

Cover des Albums „James Bond“ von Kitty Solaris, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Kitty Solaris – „James Bond“ (Solaris Empire)

Von allen langlebigen Filmreihen ist „James Bond“ eine der antiquitiertesten. Trotz all der Modernisierungsversuche der neueren Ausgaben handelt es sich schließlich im Kern um Geschichten über einen zum Morden befugten Geheimagenten einer ehemaligen Kolonialmacht, der Frauen aufreißend die Welt bereist und eine den Idealen seines Heimatlandes entsprechende Form von „Frieden“ bewahrt. Dass das im 21. Jahrhundert eine ziemlich veraltete Weltsicht ist – geschenkt.

Doch es gibt immer noch Menschen, die an Antiquitiertem Freude finden. So wie Kitty Solaris. Die Berliner Musikerin besingt die alte 007 nicht nur auf ihrem neuen Album, sie hat ihre neunte LP direkt nach James Bond benannt. Und betrachtet ihn aus einer Perspektive, die exemplarisch für ihr erfrischend optimistisches Songwriting steht: Für Solaris ist er ein Erlösungssymbol. „Where is James Bond?“, fragt sie in der Hookline des eröffnenden Titeltracks. Sie sehnt sich nach einem Helden, der unsere heillos deprimierende Welt in 120 Minuten wieder in Ordnung bringen kann. Ein verständlicher Wunsch, nach einer einfachen Lösung für ein komplexes Problem.

Antiquitäten in neuem Glanz

Das ist aber nicht die einzige Antiquität, die Solaris in neuem Glanz erstrahlen lässt. „Everybody wants to be liked / Nobody has got a real opinion“, singt sie in „Follow The Beatniks“ und verneigt sich vor der vom Zweiten Weltkrieg traumatisierten US-Poet*innen-Generation. Robert Palmers melancholisches 80er-Jahre-Pop-Glanzstück „Johnny And Mary“ covert sie im halligen David-Lynch-Pop-Format – und lässt dabei die stoische Traurigkeit des Originals intakt. Musikalisch bewegt sie sich, im Vergleich zu den Avant-Pop-Tendenzen ihrer früheren Platten, auf sicherem Terrain, stets zwischen Dream- und Synth-Pop.

„James Bond“ ist ein parolenlastiges Album, mit dem Wunsch nach Frieden als Überthema. Auch hier sind ihre sanften Kampfrufe nichts Neues („Fighting for peace is like fucking for virginity“, singt sie in „Peace Train“). Doch es scheint Kitty Solaris auch nicht darum zu gehen, genuin Neues zu erschaffen. Stattdessen bringt sie bekannte Klänge, Sätze und Themen in überraschende Zusammenhänge. So twangt plötzlich eine Mariachi-Gitarre durch den synthpopiggen Titeltrack und „Ayahuasca“ endet unerwartet mit Autotune-Gejodel. Mit diesem Mitteln schafft es Kitty Solaris, selbst Friedensappellen und Geheimagenten-Motiven neue Seiten abzugewinnen.

Veröffentlichung: 19. Juli 2024
Label: Solaris Empire

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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Diskussionen

1 Kommentare
  1. posted by
    Olaf
    Juli 22, 2024 Reply

    liebes Byte FM. was würde ich nur ohne euch machen.
    geiles Album

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