
Nusantara Beat – „Nusantara Beat“ (Glitterbeat)
Die Band Nusantara Beat trägt ihre Mission im Namen. Alle Mitglieder des in der Niederlande wohnhaften Sextetts haben Wurzeln in Indonesien – und alle von ihnen träumten jeweils schon lange davon, in die musikalische Tradition dieses Landes einzutauchen. Gitarrist Jordy Sanger und Schlagzeuger Sonny Groeneveld planten eine Band um das Krontjong, ein Ukulele-ähnliches Instrument, mit der sie für ältere Migrant*innen in den Niederlanden performen konnten. Parallel dazu träumten Bassist Michael Joshua und Gitarrist/Keyboarder Rouzy Portier von einem neuen Projekt auf der Basis von indonesischem Folk. Megan de Klerk sang bislang mit der Gruppe Eut englischsprachigen Indie-Rock, verspürte aber auch einen Drang, zu den Sounds ihrer Vorfahr*innen zurückzukehren.
2021 trafen alle diese Menschen innerhalb der Amsterdamer Musikszene mit ihren überlappenden Visionen aufeinander. Groeneveld heuerte noch seinen kleinen Bruder Gino als Percussionisten an, der kurz davor Altin Gün verlassen hatte – und die Band war komplett. Nun ist Indonesien ein sehr, sehr großes Land, mit vielen grundsätzlich verschiedenen musikalischen Traditionen. Der besagte polyrhythmische Krontjong-Folk stammt von der Insel Java, der auch international beliebte Sunda-Pop hat seine Wurzeln auf den Sunda-Inseln – von Fusion-Stilrichtungen wie Dangdut, ein Amalgam aus javanischen, sundanesischen, arabischen und indischen Klängen, ganz zu schweigen.
One Nation Under A Groove
Hier kommt der Bandname ins Spiel: „Nusantara bezeichnet alle Inseln, aus denen Indonesien besteht“, erklärt de Klerk. „Auch heute noch steht es für Einheit, für das Zusammenkommen vieler Kulturen zu einer Gemeinschaft. Wenn wir also von Nusantara Beat sprechen, meinen wir damit den Rhythmus und die Musik des indonesischen Archipels, die zu einem Sound verschmelzen.“ One nation under a groove – könnte man auch sagen.
Und wie klingt diese vereinende Beat-Musik? Nusantara Beat arbeiten generell in der Tradition des Sunda-Pop, bei dem seit den 60er-Jahren indonesische Folklore mit westlicher Beat- und Psych-Musik verknüpft wird. Die Lead-Gitarre schleiert wie im Surf-Rock durch den Klangraum, bewegt sich aber in einer engen Pélog-Tonleiter aus dem indonesischen Gamelan.
Deren bedrohliches, hypnotisches Potential spielt die Band im Opener „Ke Masa Lalu“ voll aus, der fies schleichende 6/8-Takt tut sein übriges. Nusantara Beat klingen nie nach belangloser Groove-Musik, ihre Musik hat Kraft. In „Gapura“ klingt das in bewusst schleppendem Tempo gespielte Intro fast schon nach Doom. Funky Tracks wie „Ular Ular“ stapfen selbstbewusst nach vorne. Und selbst sehr zurückgelehnte Stücke wie „Di Pantai“ sind von einer traumhaften, lynchesken Aura durchzogen. Für diese Aura ist die Stimme von de Klerk essenziell. Es ist kaum zu glauben, dass das Singen auf Indonesisch für sie eigentlich einmal eine große Herausforderung war: Mit federleichtem Selbstverständnis tanzt sie durch die komplexen Songstrukturen – verschmolzen mit ihrer Band.
Veröffentlichung: 14. November 2025
Label: Glitterbeat
