
Peki Momés – „Peki Momés“ (Mocambo Records)
„Klar, warum nicht?!“ Als die beiden Musiker Malik Diao und Dustin Braun im Jahr 2023 Peki Momés spontan fragten, ob sie auf einem ihrer Songs singen könnte, war das ihre Antwort. Dabei hatte die in der Türkei geborene und in Leipzig lebende Studentin bis zu diesem Zeitpunkt noch nie in ein Mikrofon gesungen. Oder überhaupt irgendetwas mit Musik gemacht, wie Momés im Interview im ByteFM Magazin erzählte. Bevor sie 2023 zum ersten Mal die Gesangskabine betrat, war die Fotografie ihre primäre kreative Ausdrucksform. Musik mochte sie natürlich auch schon immer. Auch eine eigene Radio-Show hatte sie kuratiert. Doch Songs rezipierte sie nur als Hörerin.
Ihr selbstbetiteltes Debüt „Peki Momés“ ist, wenig verwunderlich, ein extrem neugieriges Album geworden. Diao und Braun, der die LP auch aufnahm und produzierte, eröffnen die Platte mit einer offenen Frage, mit weit ausholenden Synthesizern und ominös rasselnden Kastagnetten. Als Antwort erklingt ein angezerrtes Gitarren-Solo – und Momés‘ Stimme. In „Başlangıç“ (Türkisch für „Anfang“) erinnert sie sofort an die entspannte Entrücktheit von Lætitia Sadier – was gut passt, denn genau wie bei deren Band Stereolab handelt es sich hier um abenteuerlustigen Avant-Pop ohne Respekt für Genre-Grenzen.
Ein beherztes „Warum nicht!“
Nach dem sphärischen Opener folgen der anatolische Funk von „Rüya“, die gehauchte Disco-Exkursion „Göç Mevsimi“ und der charmante City Pop von „Masmavi“. In „Yaşlı Dünya“ treffen Highlife-Licks auf eine Steeldrum, während die nostalgisch verträumte Orgel-Ballade „Bahçe“ im Finale von Fuzz-Gitarren überrollt wird. Momés und ihre Mitstreiter folgen einfach ihrer Nase, und der Richtung, die gerade interessant wirkt.
Kein Stück zeigt das besser als das schwindelerregende „Future“: Drummer Matthias Hetzer spielt einen hemmungslos nach vorne preschenden Afrobeat-Groove aus der Tony-Allen-Schule. Diao kontert mit Jazz-Fusion-Querflöten-Riffs, während im Zentrum konstant ein seltsamer Arpeggiator blubbert. Über dieses betörende Chaos werfen sich Momés, Diao und Braun Call-And-Response-Phrasen zu – und dabei zuzuhören fühlt sich in etwa an, wie eine sehr gut eingespielte Volleyball-Mannschaft zu beobachten. Was diese Musik aber richtig bemerkenswert macht, ist nicht nur die spürbare Virtuosität, sondern vor allem die Spontaneität und Leichtfüßigkeit (das goutierte auch bereits Iggy Pop, der Peki Momés‘ Songs in seiner Radio-Sendung spielte). Es ist ein beherztes „Warum nicht!“, das durch jeden dieser zwölf Songs hallt.
Veröffentlichung: 12. September 2025
Label: Mocambo Records
