22.07.: Der Storch lässt sich nicht rupfen

In einem offenen Brief wehrt sich der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust gegen die Vorwüfe der FAZ. Die Mitteilung „Presse macht Rundfunk“ der ARD-Gremienchefs auf Grund eines neuen Gutachtens zur Zulässigkeit der Online-Auftritte der Öffentlich-rechtlichen verkünde nämlich „nichts anderes als einen totalen Machtanspruch, das Ende der freien Presse und die Herrschaft des Staatsjournalismus“, so FAZ-Leitartikler Michael Hanke.
Peter Boudgoust findet das nicht. Er findet es „unverhältnismäßig und einer seriösen Zeitung unwürdig“, von einem „‚totalen Machtanspruch‘ der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland zu sprechen, nur weil ein unabhängiges Gutachten des ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Hans-Jürgen Papier, nicht den Interessen der Verlage zu entsprechen scheint.“

Ebenfalls nicht dem Interessen einiger amerikanischer Verlage entsprach ihr eigener Untergang im Jahr 2009. Vorausgesagt hat diesen Untergang der „Internet-Guru“ Clay Shirky, der nicht gerne so genannt wird. Die Übersetzung des sehr interessanten Portraits Shirkys, das vor kurzem im Guardian erschien, findet Ihr heute im Freitag. „Selbst der dümmste kreative Akt ist immer noch ein kreativer Akt. Eine halbe Stunde Zusammenarbeit mit anderen auf der albernsten Webseite der Welt ist sinnvoller als eine halbe Stunde vor dem Fernseher“, sagt Shirky, und auch die Print-Verlagen werden seiner Meinung nach schon bald gänzlich verschwunden sein.

Für Blogs sind das natürlich gute Nachrichten. Sehr viel von Blogs hält auch (verständlicherweise) Blogger Christian Ihle von Monarchie und Alltag. In der taz schreibt er in der Debattenreihe Musikkritik, dass Blogs „für die Musikkritik das werden [können], was Punk für den Pop war: die Aufhebung der Schranken zwischen LeserInnen und SchreiberInnen sowie der Bruch mit allen diktierten Geschmackskriterien.

Ob es denn überhaupt eine Zeit lang ohne Internet gehen kann, fragt sich die Frankfurter Rundschau im Artikel „Lob der Funkstille“. Dort werden die beiden Selbstversuche von Alex Rühle und Christoph Koch betrachtet, die getestet haben, wie es so ist, sechs Monate bzw. 30 Tage komplett ohne Internet, E-Mail und Smartphone zu sein.

Wie es ist, ohne Humor zu sein, zeigt gerade das umstrittene Modelabel Thor Steinar bzw. die Firma Mediatex, die die bei Rechtsextremen sehr beliebten Shirts und Pullover vertreibt. Mediatex verklagte vor kurzem die Persiflage Storch Heinar der Initiative „Endstation Rechts“ auf Grund angeblicher Verunglimpfung und Verletzungen gegen das Markenrecht. Der mecklenburg-vorpommersche SPD-Vorsitzende Mathias Brodkorb gründete Storch Heinar 2008 als „auflockernde Ergänzung bei unserem Kampf gegen Nazis“, wie die SZ schreibt.
Das Landgericht Nürnberg empfahl Mediatex nun, die Klage zurückzuziehen, denn „die beiden Modemarken seien deutlich unterscheidbar“ und „eine ‚Verballhornung‘ falle unter die Kunstfreiheit“, so der Tagesspiegel.

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