Christy & Emily "No Rest"

VÖ: 05.02.2010
Web: http://www.myspace.com/christyandemily
Label: klangbad
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Das Cover von „No Rest“ zeigt in gewisser Weise eine Auferstehung der Toten. Eine, wie man sie beispielsweise in Michael Jacksons Thriller-Video sieht. Nun sehen Christy & Emily nicht aus wie untot. In dieser unserer Welt scheinen sie sich aber nicht zu befinden: Aus einem Dickicht von schwarzem Haar erheben sich verschwommen die Gesichter der beiden Musikerinnen. Vier Augen blicken erwartungsvoll zum Licht. Was begehren diese geisterhaften Gestalten? Welche Sehnsucht treibt sie fort aus der Dunkelheit und zurück in die Welt? Dort, wo sie sich eben noch befanden, möchten sie nicht bleiben, das verrät schon der Titel.

„Auf in die Natur!“, sagt zumindest die Musik. Es geht um Sonne und Licht, Sturm und Rauch, Tag und Nacht. Wäre „No Rest“ nicht Musik, sondern ein Ort, es handelte sich wahrscheinlich um einen Wald. Die zehn Stücke des Albums fließen langsam und ruhig dahin. Ihnen haftet dabei etwas Beschwörendes, fast Meditatives an. Nur sehr sparsam setzen Emily Edwards (Gitarre) und Christy Manzo (Wurlitzer/Piano) ihre Instrumente ein. Schlagzeug nur für die Atmosphäre und viel Platz für den betont unaufgeregten Gesang.

Folk mit einem Hang zur Avantgarde. Besonders schön klingt das im hypnotischen „Cave“, das mit archaischem Opfer-Trommeln den Schatten eines Liebesliedes an die Höhlenwand wirft. Gelungen ist auch die Coverversion von Tom Brosseaus „Here Comes The Water Now“ gegen Ende des Albums. Hier kommt das Wasser, das die latent präsente Schwere aus dem Album wäscht. Eine gelungene Wahl auch deshalb, weil sich „Here Comes the Water Now“ nahtlos in die Natur-Metaphorik und Eigenbrötler-Ästhetik der anderen Stücke einfügt: die Erd-Assoziationen, die das Cover hervorruft, der sanfte Fluss der Musik, die unaufgeregte Dramatik und die Beschäftigung mit den Elementen in den Texten. Christy & Emily inszenieren sich hier als Geisterbeschwörer – als Zwischenweltler. Wenn Esoterik so klingt, dann Bitte.

„No Rest“, das dritte Album der beiden Musikerinnen aus Brooklyn, erscheint bei klangbad, das damit wieder einmal seinen Geschmack für das Besondere unterstreicht. Der avantgardistische Anspruch, den diese Musik erhebt, dürfte aber weniger auf die Krautrock-Vergangenheit des Produzenten Hans Joachim Irmler als auf Emily Manzos Interesse an John Cage zurückzuführen sein.

Christy & Emily live im Februar – präsentiert von ByteFM

07.02.2010 Riedlingen – Lichtspielhaus
09.02.2010 Wien (A) – Rhiz
10.02.2010 Reutlingen – Franz K
11.02.2010 Zürich (CH) – La Catrina

Alle weiteren Termine hier.

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