Konzertkritik: Mediengruppe Telekommander im Hafenklang, Hamburg, am 29. Oktober

Von Monique Schmiedl, 1. November 2011

Mediengruppe Telekommander (Melt! Booking)Mediengruppe Telekommander (Melt! Booking)

Wir schreiben den 29.10.2011. Es ist ein Samstag. Hamburg macht, was Hamburg an Samstagabenden macht: Unmengen von Partypeople über sich ergehen lassen. Kaum einer ist sich bewusst, dass dieser Oktoberabend ein historischer ist. Eine kleine Gruppe von vielleicht 300 Leuten allerdings hat das Ereignis wahrgenommen. Sie befinden sich im Hamburger Hafenklang, um das letzte Konzert der Mediengruppe Telekommander zu sehen.

Ein kurioser Abend, der in eine kuriose Stimmung getaucht ist. Der Club ist noch leer, die Leute nuckeln an ihrem Bier, eigentlich ist alles gut. Und doch ist die Stimmung erstaunlich ruhig. „Treiber“, die Band die vor dem Konzert einheizen soll, kann nicht so wirklich Schwung in den lahmen Haufen bringen. Allgemeiner Abschiedsschmerz? Vielleicht. Gesprächsfetzen fliegen durch den Raum, heimliche Blicke durchqueren den Hafenklang.

Dann plötzlich gehen die Lichter aus und ein unfassbar mitreißender Beat geht an. Da stehen zwei Männer auf der Bühne, beide mit Gitarren behangen und machen Party. Auf Knopfdruck. Ohne Vorwarnung. Mediengruppe Telekommander ist gelandet und überrollt sein Publikum förmlich. Alles hetzt zur Bühne. Der gerade noch leer wirkende Club ist plötzlich ausverkauft. Es wird gedrängelt, gepoged, gestagedived und einfach nur gefeiert. Binnen Sekunden sind die Männer durchgeschwitzt, haben die Frauen blaue Flecken, ist die Luft getränkt von Schweißgeruch und Publikumsgesang. Was für ein Konzertbeginn!

Als die beschlagenen Brillengläser sauber gewischt sind, als die erste Sound-Welle abgeklungen ist, da wird der Blick frei für die Bühne. Und mit dem Blick kommt die zweite Welle angerollt: Da vorne stehen zwei Männer, die so unglaublich müde und abgeschlagen aussehen. Sie wirken glücklich, wie sie da im Einklang mit den Mikros und den Gitarren stehen, aber sie wirken k.o. Einfach zum Umfallen k.o.

Dass die Band so wirkt, scheint auch sie zu wissen. „Hamburg, wir haben 17 Gigs gespielt, wir sind am Ende der Tour. Deshalb sind die Ansagen nicht mehr so stark, aber die Performance umso mehr.“ Ja, das ist ein guter Satz. Ein Satz, der das letzte Konzert der Mediengruppe Telekommander auf den Punkt bringt. Die Performance war stark. Die Band klingt live noch besser als auf Platte, der Gesang ist absolut perfekt aufeinander abgestimmt. Jeder Ton sitzt, jedes Riff stimmt. Keine Patzer, keine Unsicherheiten, absolute Profis stehen da vorne. Aber müde, das sind sie doch. Sie versuchen zu feiern. Heizen ab und an das Publikum an, probieren noch einmal Party, Party. Aber so wirklich mag das nicht gelingen. Für das Publikum schon! Die Meute tanzt, macht und tut. Die Stimmung im Publikum ist bombig. Nur die Band, die kann nicht mehr.

Schade, dass sie schon nach einer Stunde von der Bühne gegangen sind. Schade, dass sie den minutenlangen Zugabe-Rufen widerstehen. Schade, dass das letzte Konzert dieser legendären Band für sie selbst wie ein letzter Kraftakt wirkte.

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