Neue Platten: Driftmachine – „Nocturnes“

Von Christoph Büscher, 20. Juni 2014

Driftmachine - Nocturnes (Umor Rex)Driftmachine – „Nocturnes“ (Umor Rex)

8,0

„Nocturnes“ – so viel verrät bereits der Titel – ist ein Album voller Nachtmusik. Sechs elektronische Instrumentals für eine Welt im Dämmerzustand. Repetitive, nebulöse Dub-Tracks, die langsam und monoton dahingleiten, voll dunkel schillernder Synthsounds sind und dabei die erhabenen Tiefen im Bassbereiche auszufüllen verstehen.

Bereits im Namen des gemeinsamen Projekts der beiden Berliner Andreas Gerth (Tied & Tickled Trio) und Florian Zimmer (Saroos), Driftmachine, treffen die wesentlichen Momente der Musik aufeinander. Auf der einen Seite steht mechanische Präzision und eine auf Minimalismus und Reduktion bedachte Maschinenästhetik, auf der anderen Seite das Hypnotische, Abschweifende und schlafwandlerische Geheimnis von zeitlupenhaftem Ambient-Dub.

Ihrem Ursprung nach sind die sechs Tracks der stark limitierten Vinyl-Veröffentlichung (der digitale Download beinhaltet den zusätzlichen Bonus-Track „Call Mr. Moriba“) jedoch erst mal Studien in Sachen Selbstkontrolle. Laut Aussage der beiden Musiker liegt den Strukturen der Stücke eine intensive Beschäftigung mit modularen Systemen und Synthezisern zugrunde und nicht irgendeine Quelle romantischer Inspiration, wie dies bei klassischen Nachtstücken der Fall ist. Trotz der nüchternen Ausgangssituation führt die Musik den Zuhörer jedoch bald in eine monochrome Halbwelt zwischen Schlafen und Wachen, in schattenhafte Räume, deren Faszination aus der Verwendung warmer Basslinien, ausgedehnter Halleffekte und matt schimmernder Synthesizer-Sounds heraus entsteht.

Gleich beim Eröffnungstrack „Claire Obscure“ ticken metallische Percussionklänge wie ein mysteriöses Uhrwerk zur Geisterstunde, während sich monotone Bässe und nebulös-verwaschene Soundschwaden in minimaler Variation über das siebenminütige Stück erstrecken. Auch beim folgenden „Drift“ bleibt die Stimmung trotz eines stärker treibenden Rhythmus recht dunkel. Stein trifft auf Stein. Es klingt nach großen, leeren Fabrikhallen oder verlassenen Industriebrachen bei Mondschein. Geistermusik eben. Beim zweigeteilten „To Nowhere“ schnalzen und schmatzen fremdartige Splittergeräusche zu einem majestätisch schleppenden Groove, der im zweiten Teil des Stückes deutlich an Fahrt aufnimmt. Gleichförmig und mit wenig Bewegung an der Oberfläche, dafür aber enorm detailreich und voll flirrender Energie in den darunter liegenden Klangschichten.

Nach dem ebenfalls dicht gefügten „Sternenmeer“ bildet „Réveil Des Oiseaux“, das anfänglich von präparierten Pianosounds durchzogen wird, einen fast schon flotten, luftigen Abschluss der Vinyl-Version des Albums. In der Digital-Version sorgt der Bonustrack „Call Mr. Moriba“ mit leicht angezerrten Synths, einem strafferen Arrangement, kurzen Melodiefragmenten und einer leicht nervösen Spannung dann sogar für eine Stimmung, die etwas über den Nacht-Kontext des übrigen Albums hinausgeht.

Label: Umor Rex | Kaufen

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