Neue Platten: E.D. Sedgwick – "We Wear White"

Von davidfalk, 14. Dezember 2012

DischordDischord

8,0

„White“, das steht für etwas Neues und Unbeflecktes. Das neue Album von E.D. Sedgwick (früher: Edie Sedgwick), „We Wear White“, soll genau das symbolisieren. Jahrelang lief E.D. Sedgwick mit Frauenklamotten und Perücke über die Bühnen der Welt und machte sich über die Stars und Sternchen lustig. Doch zehn Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Daher heißt es nun: Neuanfang. Zusammen mit TJ Lipple aufgenommen und von Phil Manley von Trans Am gemixt, ist „We Wear White“ zwar neu, aber alles andere als unbefleckt. Es ist dreckig und aggressiv.

Erster Song des Albums ist „Dirty“. Der Song zerstört die Unbeflecktheit, unterstreicht die Aggressivität und lässt auf viel hoffen. E.D. hat sich von den Promis entfernt und widmet sich nun dem Hier und Jetzt. Seine Texte klingen jedoch immer noch sehr spöttisch. Unterstrichen wird dieser Ton noch durch lakonische, zynische Melodien, erzeugt durch entspannt blubbernde Bass- und scharfe Gitarrensounds.

Die Texte sind geprägt vom Fetisch für Retro, der Gentrifizierung und warum es ein absoluter Fehler war, sich die Flagge vom District Columbia tätowieren zu lassen. Mit dabei: Moyers erster Song über den Genuss von Marihuana (Moyer hat niemals in seinem Leben Marihuana geraucht). Warum man bei E.D. weiß trägt? Weil rot für Blut steht und blau einfach nicht gut ist. Weil weiß die Farbe der Erneuerung ist.

Beim Hören des Albums ist für jeden Geschmack etwas dabei. Von etwas flotteren Nummern wie „Hex Of Sex“ zu etwas ruhigeren Titeln wie „We Wear White“. Der Höhepunkt des Albums ist mit dem Track „Goddam“ erreicht, in dem E.D. das Mikrofon an seine Bandpartnerin JoseFeen abgibt. Groovige Akkorde unterstützen dabei den mageren und direkten Rhythmus und lassen viel Platz für die soulige Stimme JoseFeens.

Abgeschlossen wird „We Wear White“ durch einen schnellen und gitarrenlastigen Song, in dem E.D. seinen Hass gegenüber der Untergrundbewegung „Weather Underground“ ausdrückt. Im Text heißt es: „Fuck the 1960s / And fuck the 1970s / And fuck the 1980s“. Außerdem sagt er: „We need some new shit / To kill this old shit“ und kritisiert so die aktuelle Entwicklung der Musikindustrie, die er als „musikalischen Müllcontainer“ bezeichnet. Alles in allem geht E.D. Sedgwick also weg von Hasstiraden gegen Stars und Sternchen und widmet sich dem aktuellen Geschehen.

Label: Dischord | Kaufen

Das könnte Dich auch interessieren:

  • Sufjan Stevens – „Carrie & Lowell“ (Album der Woche)
    "Carrie & Lowell" ist schwere Kost, instrumentiert mit einer beeindruckenden Leichtigkeit. Dunkelheit und Hoffnung stehen hier nah beieinander. Nur begleitet von Akustikgitarre, Banjo und manchmal Klavier, singt Sufjan Stevens ruhig und sanft von Tod, Schmerz, und Trauer und erinnert dabei an Nick Drake und Elliott Smith....
  • DJ Koze – „Amygdala“ (Album der Woche)
    "Amygdala" klingt trotz aller Vielschichtigkeit, allen Verdrehungen und geschickt eingesetzten klanglichen Verhaspelungen sehr homogen. Maestro Koze gibt uns 13 Tracks an die Hand, mit denen sowohl Tage als auch Nächte ein ganzes Stück geschmeidiger durchlebt werden können. Unser Album der Woche....
  • Jamie xx – „In Colour“ (Album der Woche)
    Dance-Musik macht Jamie xx glücklich. Mit seinem Debütalbum "In Colour" gibt der 26-Jährige ein Stück von diesem Glück weiter. "In Colour" ist ein in vielen Farben schillerndes House-Dubstep-Amalgam. Soundschnipsel aus Jungle-Dokus und hochkarätige Gäste treffen auf pluckernde Arpeggios, dröhnende Synths und lässige Beats....


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert