Neue Platten: Edward Sharpe & The Magnetic Zeros – "Here"

(Rough Trade/Beggars Group)Rough Trade/Beggars Group

4,5

Frohe Nachrichten waren das, als bekannt wurde, dass unser aller Lieblings-Blumenkinder, namentlich Edward Sharpe & The Magnetic Zeros, sich ein weiteres Mal zuammengetan haben, um uns, die wir es lieben, Gänseblümchenketten auf Wiesen zu basteln, mit ihrem neuen, hippiesken Album „Here“ zu beglücken. Und natürlich war das, was alle wollten, ein neues „Home“ – „Back Home“ quasi. Irgendwie anders sollte es sein, klar, aber irgendwie auch nicht. Denn wenn Bandmittelpunkt Alex Ebert und seine neunköpfige Truppe mit ihrem Debütalbum „Up From Below“ etwas geschafft haben, dann der versammelten Indie-Hipster-was-auch-immer-Szene einen Ohrwurm zu verpassen, den sie so schnell nicht loswurde. Ein Liebeslied, das ungefähr jeder mit irgendwem verband, jeder mitsingen und mitpfeifen konnte, zu dem man gerne und ausgelassen herumtanzte. Nun ja; das musste wahrscheinlich scheitern.

Auch wenn Edward Sharpe & The Magnetic Zeros versuchen, das Bild der fröhlichen, barfüßigen Hippie-Truppe aufrechtzuerhalten, die sich eben aus Spaß trifft, um gemeinsam zu musizieren und dabei stampfende Rythmen, schöne Texte und federleichte Pop-Hymnen zu produzieren, so nimmt man ihnen das Ganze auf dem neuen Album „Here“ irgendwie nicht mehr so recht ab. Zwar gibt es auch hier wieder Fingerschnippen, Stampfen und chorale Gesänge, doch klingt das alles diesmal sehr beabsichtigt und nicht mehr wirklich authentisch. Zu viel Western-Gitarre, zu viel Country-Sound im Gesang, die Schnipper und Zwischenrufe klingen nicht mehr wie sich entladende Fröhlichkeit, sondern einstudiert. Die Band begleitet Frontman und Personal Jesus Alex Ebert als Background-Chor. Auch das driftet leider ein wenig ab und klingt (ob gewollt oder ungewollt) nach einem Gospelchor in einer amerikanischen Kirche, zu allem Übel nach einem sehr schiefen. Die letzte Hoffnung des Ganzen, Sängerin Jade Castrinos, nimmt ihre wunderbar tiefe, samtige Stimme während des gesamten Albums zurück, wodurch sie zwar besser zu Eberts Gesang passt, sich aber nicht in voller Stärke und Schönheit entfalten kann. Auf „Fiya Wata“, dem einzigen Song, bei dem sie mehr als nur Begleitstimme ist, wird die Atmosphäre durch die viel zu aufdringlichen Elektro-Gitarren und das Hintergrundgemurmel der restlichen Mitglieder gestört. In „I Don’t Wanna Pray“ klingt nicht nur Eberts Stimme, sondern auch die Instrumentalisierung nach billigem Country, auch die „Uuhs“, „Dumm Dumms“ und sonstigen Geräusche aus dem Background sind nur störend. „That’s What’s Up“ erscheint wie der – so sehr herbeigesehnte – Versuch, ein neues „Home“ aufzunehmen: Castrino und Ebert singen wieder vereint ein Duett über die Liebe, die niemals endet und alles erträglich macht. Leider fehlt auch hier, wie im ganzen Album, die Leichtigkeit und (zumidest gefühlte) Spontaneität, die „Up From Below“ so schön machte. Die einzig wirklich überzeugenden Songs des Albums bleiben deshalb auch die sich instrumentell und gesanglich sehr zurückhaltenden Stücke, in denen sich die Künstler wieder mehr auf die Luftigkeit und Einfachheit ihres Erstlings besinnen. In „All Wash Out“ fühlt man sich angenehm erinnert, und auch das sehr leise „Child“ hat durchaus Charme, auch wenn die ständigen Textbezüge zu Gott und Religion sehr anstrengen.

„Here“ ist ein sehr gelungenes Beispiel dafür, dass weniger oft mehr ist und ein Erfolgsrezept nicht unbedingt für mehrere Platten gleichermaßen funktionieren muss. Schade, denn ganz unsympathisch werden die Zeros eben doch nicht. Bleibt nur zu hoffen, dass ihre großartigen Live-Performances bei ihrer alten Fröhlichkeit und Ausgelassenheit bleiben.

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