Pinkeln von der Empore: Die Black Lips spielen in Berlin

Erstmal Jägermeister. Bevor die Black Lips am Freitag im Berliner Festsaal Kreuzberg den ersten Akkord anschlugen, wurden von einem hartgesottenen Roadie die ersten kleinen, grünen Fläschen verteilt. Die vier Flower Punker, wie sich selbst bezeichnen, müssen in Fahrt kommen. Die Erwartungen im Publikum sind hoch. Neben Knutscheinlagen der Gitarristen und Pinkelpausen in Richtung Publikum, versprechen die Black Lips keine Unangepasstheit auszulassen. Legendär ist die Dokumentation auf Vice TV, welche die Band auf ihrer Tournee in Indien zeigt und konsequenterweise auch die Flucht nach Berlin. Ihre freizügige Bühnenshow hatte 2009 sowohl das indische Publikum als auch die Veranstalter verstört, die Polizei musste einschreiten, der Band blieb nur die Ausreise nach Deutschland.

Dass sie in Berlin auf eine weit aufgeschlossenere Hörerschaft stoßen, wurde voll ausgekostet. Die erste halbe Stunde spielte die Band ihre Stücke, die selten länger als zweieinhalb Minuten dauern, unbeeindruckt von der ausflippenden Meute zu ihren Füßen. Dann und wann landete ein zuckender Halbstarker auf der Bühne, nahm Anlauf und ließ sich auf den Händen der Zuschauer durch den Festsaal tragen. Der Bassist Jared Swilley stürzt sich gleich mitsamt dem Instrument ins Publikum und landet kurze Zeit später wohlbehalten auf der Bühne.

Cole Alexander, Sänger und Gitarrist aber vor allem enfant terrible der Hipster-Punker, spannte den Bogen noch etwas weiter. Er kletterte mit seiner Gitarre im Anschlag auf die Holzempore. Was zuerst niemandem auffiel wurde alsbald mit Scheinwerfern eingefangen und ja, tatsächlich, ein Image will gepflegt werden: Er pinkelt von der Empore in das Publikum.

Spätestens ab diesem Punkt liegt die Show nicht mehr in den Händen der Band. Die Pogo-Tänzer der ersten Reihen stürmen die Bühne, die Band versucht so uneingeschränkt wie möglich weiterzuspielen. Eine solche Dynamik lässt sich nicht mehr aufhalten, nach kurzer Zeit ist die Band zwischen all den Tanzwütigen nicht mehr zu sehen. Cole Alexander und Drummer Joe Bradley verlassen entnervt die Bühne, ein verärgertes Brummeln in die Mikros, man solle doch mal eher nachdenken bevor man auf ihre Instrumente in Mitleidenschaft zieht, geht im Fiepsen der Rückkopplung unter.

Wie gern würde man mit diesen vier Jungs einmal um die Häuser ziehen und keine Gelegenheit zum Provozieren und Übertreiben auslassen, nicht an Konsequenzen denken. Schade, dass sie mit 50 wahrscheinlich schon taub sein werden.

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Diskussionen

Ein Kommentar
  1. posted by
    my-tag » Pinkeln von der Empore: Die Black Lips spielen in Berlin : ByteFM …
    Mai 15, 2011 Reply

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