Space Age: Fünf Popsongs aus dem Weltraumzeitalter

Vintage-Illustration der Hündin Laika im Weltall

Eine Ikone des Space Age: die Hündin Laika, die 1957 als erstes Lebewesen ins Weltall entsandt wurde (Bild: Flickr/Vintageprintable1, Public Domain)

Als die Sowjetunion 1957 mit der Sputnik 1 den ersten Satelliten in die Umlaufbahn schoss, reagierte die westliche Welt nicht nur auf politischer Ebene. Die USA sahen sich unter Zugzwang und erklärten unter Präsident John F. Kennedy den Weltraum zum „New Frontier“. Während die Sowjetunion ihren technologischen Vorsprung ausbaute und kurze Zeit später Lebewesen ins All beförderte, konnten die USA zumindest in der Musik Akzente setzen. Die Raumfahrt war dermaßen allgegenwärtig, dass sie auch Teil der Popkultur wurde. Wir stellen Euch fünf Songs vor, die diese Entwicklung exemplarisch aufzeigen.

Jerry Engler & The Four Ekkos – „Sputnik (Satellite Girl)“

Der New Yorker Jerry Engler verdingte sich tagsüber in wechselnden Jobs, um abends als Musiker auftreten zu können. Meistens coverte er Country-Standards und Elvis-Songs. Als er in der Zeitung erfuhr, dass die Sputnik 1 ins All geschossen wurde, hatte er die zündende Idee für einen eigenen Hit. Während einer Kaffeepause auf der Arbeit soll er sich den Text notiert haben: „Flyin’ all around the world / With my crazy satellite girl.“ Simpel, aber effektiv: „Sputnik (Satellite Girl)“ wurde zu seinem erfolgreichsten Song.

Juan García Esquivel – „Mucha Muchacha“

Fernab der politischen Bühne wurde das Weltraumzeitalter in den USA mit einem allgemeinen Fortschrittsglauben verknüpft. Innovationen in der Musikproduktion trugen dazu bei, dass das Space Age zu einem eigenen Soundtrack fand. Der mexikanischstämmige Bandleader und Komponist Juan García Esquivel steht für ein futuristisches Genre, das im Rückblick als „space-age bachelor pad music“ bezeichnet wird: Easy Listening mit stark lateinamerikanischer Prägung, die in der Stereo-Abmischung genauso verspielt ist wie auf musikalischer und textlicher Ebene.

David Bowie – „Space Oddity“

Zwar kam „Space Oddity“ pünktlich zur ersten Mondlandung 1969 heraus, doch es gab einen anderen Anlass für den Song: Stanley Kubriks Film „2001: Odyssee im Weltraum“ hatte im Vorjahr seine Premiere und war die Initialzündung für David Bowies Weltraumbegeisterung. Bowie schuf eine Welt rund um Major Tom, der sich auf seiner Mission im All der Erde entsagt. Damit traf er einen Nerv: Über die technologischen und politischen Aspekte hinweg interessierten sich Menschen für die Geschichten und Schicksale der Raumfahrer*innen. Kein Wunder also, dass die Erzählung von Major Tom von anderen Künstler*innen weitergesponnen wurde: von Peter Schilling etwa in seinem Song „Major Tom (Völlig losgelöst)“.

Sven Grünberg – „Hingus“

In der Sowjetunion wurde das Thema Raumfahrt auch in der Musik für propagandistische Zwecke aufgegriffen: um Legenden zu bilden und Misserfolge wie den frühen Tod der Hündin Laika in der Sputnik 2 zu kaschieren. Sogenannte Massenlieder wurden zu besonderen Anlässen gespielt und deren Texte in Zeitungen abgedruckt. Futuristische Ästhetiken finden sich in Massenliedern wie „Sozvezdiye Gagarina“ jedoch nicht wieder. Außerhalb der regimetreuen Öffentlichkeit hat 1980 der estnische Ambient-Künstler und Komponist Sven Grünberg mit „Hingus“ (dt. „Atem“) ein Gegenbeispiel veröffentlicht.

Jamila Woods – „Sun Ra“ (feat. theMIND and Jasminfire)

Auch über das (vermeintliche) Ende des Kalten Kriegs hinaus finden sich Weltraummotive in der Popmusik wieder. Nicht nur, weil die Raumfahrt immer noch von politischen Interessen geleitet wird und darüber hinaus immer stärker wirtschaftliche Begehrlichkeiten weckt. Das Weltall dient weiterhin als Sehnsuchtsort für gesellschaftlich unterdrückte Gruppen. So wurden in afrofuturistischen Science-Fiction-Werken fortschrittliche Szenarien bewusst mit Schwarzen Figuren besetzt. Der Jazz-Musiker und Poet Sun Ra gilt als eine*r der prägendsten Künstler*innen des Afrofuturismus. Die US-Musikerin Jamila Woods beruft sich explizit auf sein Werk und hebt die Aktualität seiner Ideen hervor.

Mehr zum Thema „Pop im Space Age“ erfahrt Ihr am 30. Juni 2022 um 12 Uhr in einem ByteFM Container mit Sohiel Partoshoar. Mitglieder in unserem Förderverein „Freunde von ByteFM“ können die Sendung nach ihrer Ausstrahlung jederzeit in unserem Sendungsarchiv nachhören.

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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