Alexandra Savior – „The Archer“ (Album der Woche)

Cover des Albums „The Archer“ von Alexandra Savior

Alexandra Savior – „The Archer“ (30th Century Records)

Das Schlagzeug spielt einen seichten „Be-My-Baby“-Beat. Ein nostalgisches „Boom, boom-boom tschak“. Der Schellenkranz knistert so warm wie ein Kaminfeuer. Das Klavier und die Akustikgitarre spielen sanfte Akkorde. Die Stimme wirkt, als würde sie konstant ein Lächeln unterdrücken müssen. Alles an „The Archer“, dem Abschlussstrack des zweiten Albums von Alexandra Savior, klingt freundlich. Aber nur, wenn man den Text ausblendet. In dem fließt Blut: „You bit my head right off with your tiny little mouth / I licked the blood from your lips“, singt diese schelmische Stimme. Lässt man diese Wörter im Kopf rotieren, verblasst die Freundlichkeit. Plötzlich zischt der Schellenkranz wie eine Klapperschlange.

Verführen oder begraben?

„The Archer“ gibt Saviors Album seinen Namen – und symbolisiert das Verwirrspiel, das die US-Amerikanerin auf dieser LP meistert. Sie schreibt Songs, die zärtlich beginnen und als Moritaten enden. Die erst wie ein Liebeslied anmuten und dann das ganze Gift einer kaputten Beziehung ausspucken. In „Howl“ nennt Savior ihren Liebhaber, den sie nicht aus ihrem Kopf bekommt, erst noch liebevoll „Boy“. Am Ende ist er der „handsome dictator of my crimes“.

Auf ihrem 2017 erschienenen Debüt „Belladonna Of Sadness“ teilte Savior sich das Songwriting noch mit Arctic-Monkeys-Sänger Alex Turner. „The Archer“ entstammt ausschließlich ihrer eigenen Feder. Das Ergebnis ist ein morbider Psych-Pop-Fiebertraum. Produzent Sam Cohen (Kevin Morby, Benjamin Booker) lässt die Gitarren mal wie Katzen schnurren, dann wie Kreissägen aufheulen. Saviors Stimme wird nie lauter als ein sehnsüchtiges Heulen, doch auch im Flüsterton ist jede Silbe intensiv. Man weiß nie ganz, ob sie einen verzaubern oder verfluchen, verführen oder begraben will. „My death, it haunts him like a ship / Without a sail / I know I’ll be gone soon / But just for him, I will prevail“, haucht sie in „Crying All The Time“. Liebe und Tod scheinen in ihrer Musik unausweichlich miteinander verknüpft.

Veröffentlichung: 10. Januar 2020
Label: 30th Century Records

Bild mit Text: Förderveein „Freunde von ByteFM“

Das könnte Dich auch interessieren:

  • Hand Habits (Jever Live Kneipenkonzert)
    Wenn sie nicht KünstlerInnen wie Kevin Morby oder Weyes Blood an der Gitarre unterstützt, macht Meg Duffy alias Hand Habits melancholischen Dream-Folk. Wir verlosen Tickets für ihr Konzert in Hamburg. ...
  • Cover des Albums „Placeholder“ von Hand Habits (Saddle Creek Records)
    „Placeholder“, Meg Duffys zweites Soloalbum unter dem Namen Hand Habits, ist ein dreamiges Folk-Album mit toller Instrumentierung. Die Stellen, wo sie aus diesem Konzept ausbricht, klingen allerdings fragwürdig, meint unser Autor....
  • Olden Yolk – „Living Theatre“ (Album der Woche)
    Happy-Hippie-Blumenkranzflechten & Halbschatten-Folk: „Living Theatre“, das zweite Album der Psych-Folk-Band Olden Yolk ist unser Album der Woche....


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.