Aphex Twin

Cover des Albums Die Album-Cover-Art von Aphex Twins „Syro“ schlüsselt die Produktionskosten auf

Richard D. James alias Aphex Twin ist einer der Pioniere der experimentellen elektronischen Clubmusik. Mit seiner Musik zwischen hyperaktiven Breakbeats, nervösem Ambient und domestizierten Störgeräuschen schuf er Anfang der 90er-Jahre ein neues Klanguniversum, das von allzu überambitionierten Musikjournalisten schon bald als IDM (Intelligent Dance Music) bezeichnet wurde – um sie von der angeblich stumpfen und funktionalistischen Clubmusik abzugrenzen.

Mit dem 2014, also 13 Jahre nach der letzten Platte „Drukqs“, erschienenen Album „Syro“ sorgte James für eines der überraschendsten Comebacks des vergangenen Jahres. Mit den 56 Minuten zwischen melodischer Kontemplation, neurotischer Detailverliebtheit und rhythmischem Chaos blieb er nicht nur seinem Sound, sondern auch seinem Image als notorischer Berufsexzentriker treu. Denn Aphex Twin erfand nicht nur eine neue Form von clubmusikaffiner Anti-Clubmusik, sondern auch ein künstlerisches Hybrid-Selbst, das sich nur herzlich wenig um die inzwischen enorme Popularität schert und in Bezug auf Fans und Medien stets eine große Distanz bewahrte.

Eine Strategie, die heute, in Zeiten digitaler Überpräsenz, in der Form wohl nicht mehr möglich ist. Vermutlich verfolgt er deshalb mittlerweile eine Politik der totalen Transparenz. So sind im Booklet von „Syro“ nicht nur alle für die Musikproduktion verwendeten Geräte aufgelistet, sondern auch sämtliche Kosten – wie etwa, wie viel vom Einzelhandelskaufpreis in die Plakatierungen in verschiedenen Städten floss.

Damit inspiriert James seit jeher nicht nur Fans, sondern auch andere Musiker und Produzenten. Unter diesem Hintergrund beauftragte das Musikmagazin Groove einige berühmte Künstler, ihre persönlichen Fragen an den Engländer zu stellen.

Einer der drängendsten Fragen stellte der schweizerisch-chilenische Techno-Produzent Luciano. Ihn interessierte James‘ Einstellung zum Erfolg von EDM, also dem namentlich von IDM abgeleiteten Musikstil der Electronic Dance Music, der mit seiner Mischung aus brachialem Techno und testosteronhaltiger Rockästhetik inzwischen Hunderttausende in den USA in die großen Stadien zieht – und damit Aphex Twins Ästhetik der Zurückhaltung diametral gegenüber steht.

Die Antwort des Briten fiel diplomatisch aus: „Ich denke, diese Musik hat nichts mit meiner zutun. Skrillex kenne ich nur, weil meine Kinder es hören. Es klingt aber so, als hätte er ein Talent für Technik. Es ist aber schon sehr poppig. Zu poppig für mich.”

Zufälligerweise kam Skrillex als einer der populärsten EDM-Protagonisten auch selbst zu Wort. Passend zu seinem Image als sorgloser Popstar wollte er wissen, ob James noch seinen Panzer besitzt und ob er ihn mal ausprobieren könne.
Eine Frage, die James zu einem interessanten Statement über nachhaltige Technik inspirierte. Er könne gerne vorbeikommen, um ihn zu testen, so James. „Diese gute alte Technik, das waren noch Zeiten, in denen Dinge für immer hielten. Er ist jetzt 50 oder 60 Jahre alt und klingt immer noch toll.“

Dasselbe, so ließe sich schlussfolgern, könnte man für die Musik von Aphex Twin behaupten.

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