The National – „I Am Easy To Find“ (Rezension)

Cover des Albums „I Am Easy To Find“ von The National

The National – „I Am Easy To Find“ (4AD)

8,5

Mit einem Album, das gar nicht geplant war, liefern The National das vielleicht stimmigste Werk ihrer bisherigen Karriere – auch dank viel Einfluss von außen. Denn eigentlich wollte sich die Band nach der Veröffentlichung ihres siebten Albums „Sleep Well Beast“ 2017 eine wohlverdiente Pause gönnen. Als sich dann allerdings Regisseur Mike Mills („Beginners“, „Jahrhundertfrauen“) an Frontmann Matt Berninger wandte und Interesse an einer Zusammenarbeit mit The National bekundete, sagte der Mills-Fan sofort zu.

Die Zusammenarbeit mündete in gleich zwei bewegenden Ergebnissen: Parallel zur achten The-National-Platte „I Am Easy To Find“ entstand ein gleichnamiger Kurzfilm von Mike Mills. Anhand der neuen Songs gibt Mills auf berührende Weise in 24 Minuten, Schwarz-Weiß-Bildern und mit wenigen Dialogen den Verlauf eines durch und durch bürgerlichen Lebens wieder. Als Protagonistin ist dabei Oscar-Gewinnerin Alicia Vikander („The Danish Girl“) zu sehen.

Alte Stärken und eine große Überraschung

Auf „I Am Easy To Find“ experimentieren The National erneut an vielen Stellen mit elektronischen Klängen („Hey Rosey“, „Dust Swirls In Strange Light“) und Streicherarrangements („Hairpin Turns“, „Oblivions“). Insgesamt wirkt auf ihrem achten Album auch das wirbelnde Schlagzeugspiel Bryan Devendorfs wieder deutlich präsenter als auf dem Vorgängeralbum. Dies verleiht besonders den schnelleren Stücken der Platte eine großartige Dynamik.

Die überraschendste Entwicklung vollzieht sich jedoch im Gesang: Auf jedem Lied des Albums – außer zwei instrumentalen Zwischenspielen – ist eine Gastsängerin zu hören. Und diese bilden nicht etwa Berningers Background, sondern agieren als gleichberechtigte Partnerinnen. In einigen Momenten sind sogar sie es, die klar das Heft in die Hand nehmen („You Had Your Soul With You“, „So Far So Fast“). Allen Musikerinnen – unter anderem Sharon van Etten und Gail Ann Dorsey – gelingt es, die Wirkung von Berningers sensiblen Texte über Entfremdung, Einsamkeit und Verlust enorm zu bereichern, indem sie seinen charismatischen Bariton um eine gleichwertige Stimme ergänzen.

Mit seinen vielschichtigen Kompositionen und dem Überraschungseffekt der Mitmusikerinnen ist „I Am Easy To Find“ ein in sich schlüssiges, ergreifendes Gesamtwerk, das einen weiteren Meilenstein im Schaffen von The National markiert.

Veröffentlichung: 17. Mai 2019
Label: 4AD

Das könnte Dich auch interessieren:

  • Foto von Erika de Casier, die ein neues Album namens „Sensational“ angekündigt hat.
    Die portugiesisch-dänische Sängerin und Produzentin Erika de Casier hat ein neues Album namens „Sensational“ angekündigt. Dazu gibt es die neue R&B-Single „Polite“ mit eigenem Musikvideo als Vorgeschmack. ...
  • Dry Cleaning – „New Long Leg“ (Album der Woche)
    Dry Cleaning rasten nicht aus. Das britische Quartett lehnt sich zurück, beobachtet – und ist dabei mitreißender als viele ihrer Post-Punk-Kolleg*innen. „New Long Leg“ ist das ByteFM Album der Woche. ...
  • „Recurring Dream“: neue Single von Ibeyi
    Das französisch-kubanische Duo Ibeyi hat mit „Recurring Dream“ eine neue Single plus Video veröffentlicht. Die Musik ist der Soundtrack zum Debüt-Film von Regisseur Ed Morris....


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.