Frankreich ’94: „Je danse le Mia“ von IAM

Von ByteFM Redaktion, 29. Juli 2025

IAM auf dem Cover ihres Albums „Ombre est Lumière“, das unseren heutigen Track des Tages „Je danse le Mia“ enthält.

IAM aus Marseille lieferten mit „Je danse le Mia“ einen der großen französischen Hits im Sommer ’94 (Foto: Ausschnitt aus dem Albumcover zu „Ombre est Lumière“)

Die Single „Je danse le Mia“ bedeutete 1994 den Durchbruch für die französische HipHop-Gruppe IAM. Fünf Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 1989 hatte die Band aus Marseille ein neues Niveau erklommen. Nicht nur erschien ihr zweites Album „Ombre est Lumière“ auf einem Major-Label, auch der Sound der Band war dicker als auf dem Debüt „… De la planète Mars“ (1991), die Beats raffinierter und die Flows der Rapper eleganter. Gewissermaßen waren IAM Mitte der 90er die Poster-Boys für französischen HipHop. Drei Jahre vor „Ombre est Lumière“ war mit MC Solaar ein im Senegal geborener Rapper zum ersten HipHop-Superstar Frankreichs aufgestiegen. 1994 war Frankreich bereit für ein Rap-Kollektiv, das auch über die französische Kolonialgeschichte rappte und die in Frankreich lebende Diaspora aus den ehemaligen Kolonien ansprach.

Schon auf dem Debütalbum hatten IAM in dem Stück „Tam-Tam de l’Afrique“ die französische Beteiligung am Sklavenhandel thematisiert. Aber ihr ganzes Auftreten war nicht nur cool und fresh, sondern auch mit versteckten Bedeutungen aufgeladen. So operierten sie mit einer eigenen Mythologie, die sich aus ägyptischen Versatzstücken speiste. Etwa benannten sich die Bandmitglieder nach Pharaonen oder dem Pyramiden-Baumeister Imhotep. Die altägyptischen Referenzen in den Lyrics waren keine bloße Spielerei, sondern oft chiffrierte Anspielungen auf Themen der maghrebinischen Community in Frankreich. Später wurde dieses Vorgehen raphistorisch als „Pharaoismus“ tituliert. Oft als einfache Disco-Hymne missverstanden, wurde unser Track des Tages zur bestverkauften Rap-Single der französischen Rap-Geschichte bis dahin. In Wirklichkeit war der Song zwar eine Ode an Funk-Partys in den 80ern, aber ganz so einfach war es dann doch nicht.

Missverständnisse und Erfolge

Das Denkmal, das IAMs Durchbruchssingle setzte, galt den Orten, die Partys veranstalteten für junge Leute, denen aufgrund ihrer Herkunft der Zugang zu regulären Clubs verwehrt blieb. Bezüglich der Rezeption sprechen Chartplatzierungen und Veröffentlichungspolitik Bände. Während die Single zum omnipräsenten Chart-Topper wurde, platzierte sich das Album nur auf Platz 195. Auch klang das Stück auf dem Longplayer bedeutend anders und fiel als funky Höhepunkt nicht als Fremdkörper im Kontext eines eher rauen Albums auf. Doch die Plattenfirma forderte eine radiotaugliche Version. Nicht nur lieferten IAM eine Single-Version mit Disco-Sample und Extra-Refrain, sie schossen auch etwas über das Ziel hinaus. So brachte ihnen der Erfolgssong Ausverkaufsvorwürfe aus der Szene ein und IAMs MC Akhenaton fand, dass das Stück nicht mehr der Band gehörte. Als Antwort veröffentlichten sie 1997 den düsteren Albumnachfolger „L’École du micro d’argent“. Dessen Beats waren maßgeblich inspiriert vom Wu-Tang Clan, der auch einige Feature-Gäste als Abgesandte schickte. Die LP kratzte an der Chartspitze und gilt heute als Franko-Rap-Meilenstein.

Das Album „Ombre est Lumière“ von IAM ist 1993 bei Delabel erschienen. Der Song „Je danse le Mia“ daraus ist heute unser Track des Tages. Noch viel mehr HipHop gibt es im Verlauf der Woche bei ByteFM! Das vollständige Programm unserer Themenwoche zu „80s & 90s HipHop“ findet Ihr hier.

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