Die Stadt ist tot, lang lebe die Stadt: „Town’s Dead“ von Kojaque

Bild des Rappers Kojaque, dessen Song „Town's Dead“ unser Track des Tages ist.

Zwischen Gentrifizierung und Authentizität: „Town’s Dead“´, unser Track des Tages von Kojaque, ist ein zwiegespaltenes Porträt von Dublin

Mit seiner neuen Single „Town’s Dead“ zelebriert der irische MC Kojaque die Ecken und Kanten seines Heimatorts Dublin. Eine einerseits fast bis zur Unkenntlichkeit modernisierte Metropole, die andererseits fernab der „with some triple barrel surnames“ gefüllten Neubauten noch rohe Authentizität beherbergt. Der Song beginnt mit einem missglückten Trip zum Grasdealer und endet mit einem erfolgreichen Pub-Date. Dazwischen ist viel Raum für Kojaques Gentrifizierungskritik. Für gierige Vermieter*innen und Investor*innen. Sein Fazit: „My town’s not dead, it’s just dormant.“

Als Musiker arbeitet Kojaque selbst an der Schnittstelle zweier britischer Musiker: Er vereint den Slacker-Pop-Appeal eines Jamie T mit dem Schaum-vorm-Mund-Flow eines Slowthai. Dabei rappt er in solch einem energetischen Tempo, dass man Kojaque auch ein bis zwei merkwürdige Zeilen verzeiht („Wanne be a big deal like Christ or Brexit.“). Auch das Instrumental ist eine vielseitige Kreatur. Nach einem einleitenden Girl-Talk-Sample ballern stolpernde Drum-’n’-Bass-Beats los, nur um im Refrain Platz für ätherische Jazz-Vibes zu machen. Ein Song, so vielschichtig wie die Stadt, die er portraitiert.

Mit der Veröffentlichung von „Town’s Dead“ kündigt Kojaque sein gleichnamiges Debütalbum an, das am 25. Juni 2021 auf dem Label Different erscheinen wird. Das Albumcover ergänzt sich sehr gut mit der ironischen Todesmetapher der Single: Es zeigt Kojaque in seinem eigenen Sarg liegend, während er an einem Guinness schlürft. „Town’s Dead“ ist unser Track des Tages. Hört ihn Euch hier an:

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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