
Sleaford Mods – „The Demise Of Planet X“ (Rough Trade)
„The Demise Of Planet X“, das 13. Album von Sleaford Mods, ist ein Album über die Apokalypse. Davon gibt es in der Pop-Musik so viele wie Sand am Meer. Shouter/MC Jason Williamson und Produzent und Beatmaker Andrew Fearn präsentieren im vorliegenden Fall ihre bodenständige, sozialkritische Vision des Untergangs, die sehr gut mit dem schmutzigen Kitchen-Sink-Elektro-Punk des Duos aus Nottingham korrespondiert: Was, wenn der Planet nicht in einer Explosion endet, sondern langsam ausblutet? Kein spektakuläres Inferno, keine Reiter und Trompeten, sondern, in den Worten von Williamson, „das Gleiche, nur schlimmer“, immer und immer weiter? T.S. Eliot beschrieb dieses Szenario schon 1925 in seinem Gedicht „Die hohlen Männer“: „Auf diese Art geht die Welt zugrund / Nicht mit einem Knall: mit Gewimmer“. Und die Mods ergänzen im Track „Flood The Zone“: „There’s no wonder in people who say / ‚The world’s changing‘, no it ain’t / You’re just scared to death through hate“.
Hass, Missinformation, Krieg und Überkonsum ist, was diese stumpfe Apokalypse antreibt. Der Protagonist von „The Unwrap“ redet beim Ausgehen nur über das Einkaufen und denkt auf dem Sofa nur ans Auspacken („Yeah I just fucking buy stuff now“). „Who’s the original printer? / Who’s shoving the images on ta ya!“, fragt Williamson in „Shoving The Images“, angesichts einer endlosen Flut aus traumatisierenden Clips in den Sozialen Medien. „Endless war / Whether you like it or not“. Und in „Bad Santa“ werden zeitgenössische Hass-Prediger direkt genamedropt, vom misogynen Male-Rights-Aktivisten Andrew Tate bis zu einem gewissen Präsidenten/Imperator namens „Don“.
Stumpfe Apokalypse & neue Sounds
Allesamt keine neuen Themen im Hause Sleaford Mods, ein Duo, das seit 15 Jahren in verlässlichem Rhythmus spätkapitalistische Pöbel-Rap-LPs veröffentlicht. Was „The Demise Of Planet X“ aber zu einer ihrer besten macht ist das, was in ihrer Karriere bislang relativ wenig Variation erfahren hat: die Musik. So weit wie hier wichen sie noch nie von ihrer bewärten Formel – Williamsons roher Slang-Flow plus Fearns minimalistische Post-Punk-Grime-Beats – ab. Bislang klangen die Alben größtenteils so, als wären sie komplett auf Fearns Laptop komponiert und produziert worden, doch hier merkt man direkt, dass Teile der Platte in den legendären Abbey Road Studios aufgenommen wurden. Songs wie „Double Diamond“ und „Don Draper“ klingen mit ihren laid-back Grooves und Piano-Tupfern fast nach Northern Soul, während das Gitarren-Arpeggio von „Bad Santa“ Erinnerungen an den Trip-Hop von Massive Attack weckt.
Noch aufregender ist die Wahl der Gastmusiker*innen: Im Opener „The Good Life“ trifft „Game-Of-Thrones“-Schauspielerin Gwendoline Christie eine*n mit ihrem unerwarteten Schaum-am-Mund-Flow genau in die Breitseite. In „No Touch“ werfen sich Williamson und Sue Tompkins von der Post-Punk-Band Life Without Buildings die Spoken-Word-Bälle zu, während Sänger Liam Bailey mit Reggae-Vibes das wütende „Flood The Zone“ kontrastiert. Den Preis für den größten Kontrast gewinnt aber „Elitest G.O.A.T.“, ein Duett zwischen der Schmirgelpapier-Stimme von Williamson und dem warmen Gesang der Indie-Folk-Musikerin Aldous Harding. Diese farbenfrohe Klangpalette sorgt dafür, dass Oldschool-Mods-Tracks wie „Megaton“ umso härter einschlagen. Egal, was sie von der Apokalypse erwarten: Dieses Ende der Welt ist bei weitem kein Gewimmer, sondern bietet einen Banger nach dem anderen.
Veröffentlichung: 16. Januar 2026
Label: Rough Trade
