Nabihah Iqbal – „Weighing Of The Heart“ (Album der Woche)

Cover von Weighing Of The HeartNabihah Iqbal – „Weighing Of The Heart“ (Ninja Tune)

Laut dem ägyptischen „Buch der Toten“ muss das Herz eines Toten leichter als eine Feder sein, damit der Verstorbene in den Himmel aufsteigen darf. Dieser Jahrtausende alte Mythos gibt Nabiha Iqbals neuem Album „The Weighing Of The Heart“ seinen schwerwiegenden Namen: Die Electro-Künstlerin ist mit ihrem Debüt gekommen, um Herzen zu wiegen. Ihre Instrumente: Der Post-Punk der 80er-Jahre, gefiltert durch acht Jahre Club-Erfahrung.

Vor wenigen Monaten produzierte Iqbal noch unter dem Namen Throwing Shade Synth-Pop-lastige Dance-Musik. Die Umbenennung auf ihren Geburtsnamen steht für zwei wichtige Entwicklungen der Künstlerin: Eine selbstbewusste Rückbesinnung auf ihre britisch-asiatischen Wurzeln und der Wunsch, sich selbst als Musikerin und nicht als DJ zu definieren: Organische Instrumentierungen statt Laptop-Sounds aus der DAW-Dose. Dabei hat sie stets alle Fäden in der Hand – jeder Ton auf „The Weighing Of The Heart“ wurde von Iqbal eingespielt.

Dieser instrumentale Fokus lässt sich direkt im Opener „Eden Piece“ spüren: Auf ein repetitives Piano-Ostinato baut Iqbal weitere Elemente aus Gesang, E-Gitarre, Bass und Beats auf, der Song verwandelt sich langsam, Schicht für Schicht in ein hypnotisches Mantra. Diese musikalische Architektur findet sich auch in der ersten Single „Something More“: Mehrere Instrumental-Schichten verzahnen sich in sanfter Polyrhythmik zu einem großen Ganzen. Ihr Lead-Gesang ist dabei nie mehr als nur ein weiteres Sediment, das sich zart in ihren Klangkosmos einfügt.

Auch Iqbals melancholische Texte sind dicht in diesen auditiven Äther eingewoben. Dadurch lässt sie die schwermütigen Themen von „The Weighing Of The Heart“ erstaunlich leicht wirken: Ob sie wie in „Something More“ über unerfülltes Verlangen oder in „Together Alone“ über dysfunktionale Beziehungen singt – alles schwebt in Harmonie mit den The-Cure-Gitarren, den New-Order-Synthies und der sanften 4/4-Bassdrum. So verwandelt Nabiha Iqbal ihre Melancholie in sphärische Leichtigkeit. Man kann sich sicher sein: Würde man nach dem Hören des abschließenden Glanzstück „Eternal Passion“ sein Herz wiegen wiegen, es wäre bestimmt leichter als eine Feder.

Veröffentlichung: 1. Dezember 2017
Label: Ninja Tune

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Siré
    Nov 27, 2017 Reply

    Nabihah Iqbal. Das hört man in und aus Hamburg, Deutschland’s „Musikhauptstadt“.
    Ich habe mir das 1. Stück Eden Piece und das letzte Stück Eternal Passion hier
    angehört und I am not amused. I am bored , so bored. Electro-Synthi-Pop in der
    entsprechenden PR – Verpackung. Wer’s braucht. Damo Suzuki & Can oder
    Meredith Monk (z.B. Gotham Lullaby ) dagegen ist Musik. Erfrischend und zeitlos.
    Mein Herz wiegt N. Iqbal nicht. Sorry, so sorry

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