Sampa The Great – „Birds And The BEE9“ (Album der Woche)

Birds And The BEE9 von Sampa The GreatSampa The Great – „Birds And The BEE9“ (Big Dada)

Wer im Englischen von den Vögeln und den Bienen redet, erklärt in der Regel einem sehr jungen Menschen die Realität der menschlichen Fortpflanzung. Wenn Sampa The Great dieses Bild benutzt, geht es ihr anscheinend um etwas ganz anderes: „Birds And The BEE9“ – das neue Album der Rap-Newcomerin – ist ein gleichermaßen meditatives wie düsteres Album, auf dem die Flucht in die Natur die einzige Rettung zu sein scheint.

„Birds And The BEE9“ ist erst der zweite Langspieler von Sampa Tembo, die in Sambia geboren wurde, mittlerweile aber in Australien lebt. Umso beeindruckender ist es da, dass sie bereits jetzt eine solch distinktive Klangästhetik vorweisen kann: So gestaltet sich das Eröffnungsstück „Healing“ als dicht gewobenes, polyrhythmisches Mantra aus warmen Gesang-Loops, synkopisch verzahnten Percussions und einer zarten, melodischen Bassline. Das repetitive Instrumental lädt fast zur Meditation ein – eine Atmosphäre, die durch Sampas geflüsterte Gesangseinwürfe noch verstärkt wird. Holzbläser, Jazz-Orgel und ein shuffelnder Beat geben dem darauffolgenden „Flowers“ ein Trip-Hop-Gerüst, über das Sampa ihren leicht nasalen, pointierten Flow ausbreiten kann.

Mit eben diesem weiß die Künstlerin gezielt umzugehen: Während sie in „Flowers“ sanft und hypnotisch ihre Wörter in den psychedelischen Äther flüstert, zeigt sie sich im Highlight „Rhymes To The East“ bissig und gesellschaftskritisch: „High pretty, blind city, sigh pity / With the flashing lights in check / Add some zeros to the cheque.“ In dem laut eigener Aussage in einem Take aufgenommenen Song gibt sich Sampa als paranoide Kämpferin. Dabei harmoniert das Instrumental bedrohlich mit den Vocals: Sie rappt „I’m in a game and I just found that I used all nine lives“, während im Hintergrund eine 8-Bit-Videospiel-Orgel eine düstere Melodie spielt.

Das abschließende „Healer“ greift das instrumentale Mantra von „Healing“ wieder auf und ergänzt es mit Gospel-Chören – vorgetragen in Bemba, der Sprache ihres Geburtslandes. Damit schließt die große Sampa einen angemessenen Bogen um „Birds And The BEE9“, von der Heilung zur Heilenden. Diese Heilung von den Gefahren des Alltags scheint sie in der Heimat der titelgebenden Vögel und Bienen zu finden, dem omnipräsenten Hoffnungsschimmer des Albums: der Natur. Oder wie sie es selbst in dem siebeneinhalb Minuten umspannenden R&B-Epos „Bye River“ sagt: „She goes through deep shores / She flows through deep storms / She knows where she goes.“

Veröffentlichung: 10. November 2017
Label: Big Dada



Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Gert Klaus
    Nov 6, 2017 Reply

    …is mir zu modern 😉

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