Sampa The Great – „The Return“ (Album der Woche)

Cover des Albums „The Return“ von Sampa The Great

Sampa The Great – „The Return“ (Ninja Tune)

Die Leitung knackt, das Freizeichen erklingt, eine Nummer wird gewählt. Es läutet, bis sich schließlich die gute alte Mailbox einschaltet: „Hey um / Sorry I’m not home / Yet / Uh, if you’re searching for me / Shit! I’m probably searching for myself.“ Die Stimme auf dem Band ist die von Sampa Tembo und die Ansage ist mehr als ein stimmungsvolles Field Recording. Eher ein Hinweis darauf, wohin die Reise auf Sampa The Greats Debütalbum „The Return“ gehen soll: Nach Hause, was auch immer das ist.

Im Falle von Tembo eine mehr als berechtigte Frage. Die Mittzwanzigerin ist nämlich eine ausgewachsene Kosmopolitin. Geboren 1993 in Sambia, aufgewachsen in Botswana, zog es die junge Künstlerin nach der Schule für ein Tontechnik-Studium nach Los Angeles und San Francisco. Schließlich 2014 der Umzug nach Sydney, wo sie innerhalb kürzester Zeit in der lokalen HipHop-Szene Fuß fasste. Kein Wunder also, dass sich Tembo danach erst mal neu sortieren musste.

Das Ergebnis: Die beiden sehr guten Mixtapes „The Great Mixtape“ und „Birds And The BEE9“. Auf ihren ersten Veröffentlichungen zeigte sich Tembo bereits als variable Rapperin mit unverschämt gutem Flow und einem ausgeprägten politischen Bewusstsein – das sie nach eigenen Angaben ihrer Jugend in Botswana verdankt.

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Auf „Mwana“, dem Opener von „The Return“ vermischt Tembo Erinnerungen an die botswanische Heimat mit ihren Erfahrungen in der Diaspora. Die Hook ist in der Stammessprache ihrer Mutter gesungen, Mwana bedeutet „Kind“. Neben einem Sprachsample von Tembos Mutter tritt auch ihre Schwester als Sängerin in Erscheinung. Im flatternd groovenden Track scheint ihre Familie jedenfalls eine heiße Spur auf der Suche nach Tembos Identität und ihrem Zuhause zu sein.

Mit „Final Form“ hat sich Tembo quasi ihre eigene Einlaufmusik geschrieben. Ein trockenes, treibendes Schlagzeug, Trompeten und ein souliger Chor tänzeln erwartungsvoll Richtung Ring. Dort steigt die Rapperin durch die Seile und pusht sich mit betont lässigem, nasalem Flow hoch: „Great state I’m in / In all states I’m in / I might final form / In my melanin / Black Power!“ Melanin, das Farbpigment der Haut, wird so für Tembo ein empowerndes Motiv, das sie im Verlauf der Platte öfter auftauchen lässt.

Tembos Suche nach Identität und Zugehörigkeit ist komplex und facettenreich – wie ihre Songs. Sie serviert souligen Rap („Freedom“), verträumt-jazzige Tracks („Grass Is Greener“) und mit „Time’s Up“ sogar eine bissige Abrechnung mit Rassismus und Ausbeutung im Musikbusiness. Die breite Palette ergibt Sinn: Identität ist eben eine fluide, immer wandelbare Sache. Im neunminütigen Epos „The Return“ wird dann auch klar, was wirklich mit der Rückkehr gemeint ist: „Returning to the self of myself“ – eine Reise ins Innerste also. Und auch wenn sie noch auf dem Weg dorthin zu sein scheint, zwei Dinge hat Sampa The Great mit absoluter Sicherheit unterwegs gefunden: Ihre eigene Stimme, ihren eigenen Sound.

Veröffentlichung: 13. September 2019
Label: Ninja Tune

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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